Die Angst der Männer

Frauen wahren den Männer schon immer ein Rätsel. Insbesondere die natürlichen Zyklen der Frau wurden von unseren männlichen Artgenossen erst recht spät verstanden. Frauen bluteten jeden Monat, aber sie nahmen dabei keinen Schaden, während Blutverlust doch als lebensbedrohlich erkannt wurde. Wenn Frauen nicht bluten, dann schenkten sie nach 9 Mondzyklen einem kleinen Menschen das Leben. Unmittelbar nach diesem Wunder floss Milch aus dem Körper der Frau und das "weiße Blut" nährte das Baby lange Zeit. Es dauerte viele, viele Generationen bis die Menschen begriffen, dass auch der Mann seinen Anteil an der Schöpfung menschlichen Lebens hat.


Die Ehrfurcht vor der Frau als Quell des Lebens war einst sehr groß. Leider wurden die besonderen Zeiten der Frau, in der sie besonderen Schutz benötigte schamlos ausgenutzt. Diese sensiblen Phasen waren (und sind bis heute!) die Monatsblutung, Schwangerschaft und Geburt. Ehrfurcht schlug um in Furcht und Ekel. Einst heilige Zeiten, die Sacer Mens (Heilige Monatsblutung), wurden mit Verboten und Ängsten belegt. In religiösen Schriften wird die Frau plötzlich als unrein deklariert - z.B. dürfen sich Anhänger dieser Religionen einer menstruierenden Frau nicht nähern, da sie andernfalls selbst ebenso unrein werden, wie die Frau selbst. Frauen wurden zum Symbol der Verführung, der Sünde und dem Ungehorsam schlechthin. Das große Wissen der Frauen um die Kräuter, der Heilkunde und der heiligen Rituale tat sein übriges um Furcht und Mysterien zu verstärken. Einerseits wurde den Frauen natürlich sehr viel Macht zugesprochen. Anderseits es führte auch zu einer Jahrhunderte andauernden Unterdrückung und Verfolgung von der sich die gesamte Frauenheit bis heute noch nicht vollständig erholt hat.

Obwohl vieles davon in den letzten Jahren und Jahrzeiten langsam bewusst aufgearbeitet wird, werden andere Frauenthemen immer noch dazu genutzt, um das Bild der wilden Furie zu zeichnen.

Wenn das Monatsblut der Frau versiegt, sie in ihrer natürlichen Reife wächst und ihrer kraftvollen Weiblichkeit erstrahlt, löst dies in vielen Männern Furcht aus. Angst vor dem Verlust der Frau, Angst vor ihrer Stärke und ihrer wachsen Macht. Schon in der Vergangenheit zogen sich ältere Frauen oft zurück und lebten eine selbst gewählte Einsamkeit in den Wäldern früherer Epochen. Wir alle kennen die Vorstellung einer alten Hexe, die Kinder frisst und Schadenszauber betreibt. Auch heute noch werden aufmüpfige Frauen, die nicht in Normen und Schemata passen als Hexe tituliert. Wie wäre es, wenn wir die Welt des Aberglauben verlassen und uns einer anderen Sicht öffnen?


Vermutlich haben sich schon damals immer wieder Frauen in den Wechseljahren zurückgezogen und das Leben einer Einsiedlerin vorgezogen, weil ihnen ihr bisheriges Leben nicht mehr gut tat. Sie sind ihren Sehnsüchten und Bedürfnissen nach Ruhe oder nach Selbstbestimmung gefolgt. Diese Frauen waren wohl in der Kräuterkunde und Geburtshilfe bewandert, wussten um die verhütende Wirkung der Pflanzengifte und konnten auch Schwangerschaften beenden. Sie herrschten in gewisser Weise über Leben und Tod. Kein Wunder, dass viel Männer sich vor solch intelligenten Frauen fürchteten! Und was uns Menschen Angst macht, versuchen wir oftmals zu vernichten oder zu unterdrücken. Die Angst vor den machtvollen, weisen Frauen ging soweit, dass religiöse Bücher dazu auffordern, diese Frauen zu töten.

Auch heute finden viele Frauen zu neuem Selbstbewusstsein mit dem Einsetzen der Wechseljahre. Manche Frauen suchen eher den Rückzug und die Kraft in der Stille, andere genießen es im Kreise der erwachsenen Kinder und vielleicht schon der ersten Enkelkinder würdevoll zu altern. Wiederum andere erleben die Zeit des Wandels als zweiten Frühling mit einer ungeahnten Kraft, die sie völlig neue Wege gehen lässt. Ein neuer Job, neue Hobbys, andere Interessen und ehrlich gelebte Werte - ja die Wechseljahre bedeuten Veränderung.


Obwohl es kein Mann gern zugibt, starke Frauen bereiten vielen Männern Angst und in den Wechseljahren reifen die meisten Frauen zu Persönlichkeiten, die sich nicht mehr anpassen wollen, um einfach nur zu funktionieren, die nicht mehr um jeden Preis gefallen wollen, die selbstbestimmt und selbstbewusst ihr eigenen Wege gehen. Inzwischen haben sogar Studien belegt, dass das männliche Ego sich von einer intelligenten, starken Frau bedroht fühlt. Frauen in den Wechseljahren stellen also eine besondere Herausforderung für das verletzliche Männerego dar.

Um diese unheilsame Verstrickung von uralten Ängsten, Verletzbarkeit und Unterdrückung zu lösen, bedarf es der Heilung von Mann und Frau. Ihre Wechseljahre sind eine sehr gute Zeit für Heilung dieser uralten kollektiven und persönlichen Wunden.


Zum Abschluss dieses Impulses möchte ich Ihnen noch Nelson Mandelas mitgeben:

Unsere tiefste Angst ist es nicht, ungenügend zu sein, unsere tiefste Angst ist es,

dass wir über die Maßen kraftvoll sind.

Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das am meisten Angst macht.

Wir fragen uns selbst, wer bin ich

-von mir zu glauben, dass ich brillant, großartig, begabt und einzigartig bin?

Aber in Wirklichkeit - warum solltest du es nicht sein?

Du bist ein Kind Gottes.

Dein Kleinmachen dient nicht der Welt.

Es zeugt nicht von Erleuchtung, sich zurückzunehmen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen.

Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen.

Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem!

Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis, das gleiche zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein automatisch die anderen.