Für wen ist Yoga geeignet?

Kurz auf den Punkt gebracht, Yoga ist für jeden Menschen geeignet, der sich körperlich, emotional oder mental weiter entwickeln und die eigene Gesundheit erhalten möchte. Dabei spielen Alter, Gewicht, Geschlecht und Weltanschauung keine Rolle bei den heutigen Yoga-Angeboten. Yoga fördert unter anderem Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer, Koordination, Entspannung sowie die Selbstwahrnehmung und mentale Kompetenzen. Dabei sind die einzelnen Körper-, Atem- und Meditations-Übungen sehr gut an die Bedürfnisse der verschiedenen Menschen anpassbar. Außerdem können Hilfsmittel wie Blöcke und Gurte helfen die Yogaübungen auch bei körperlichen Einschränkungen auszuführen ohne sich zu überanstrengen - immer genauso, wie es dein Körper gerade braucht. Selbst wenn du dich aus religiösen Gründen mit yogischen Lehren nicht auseinandersetzen möchten, wirst du Yogakurse ohne spirituellen Ansatz mit rein körperlicher Ausrichtung finden und von den wohltuenden Körperübungen profitieren. Zugegeben, Yoga ohne mentale Entwicklung ist eher als fancy Gymnastik zu verstehen. Doch wenn genau das dir gut tut, dann hat Yoga bereits seinen Selbstzweck erfüllt. Für Kinder werden die Intensität und Dauer der Yogaübungen an den Bewegungsapparat, der sich noch im Wachstum befindet, angepasst. Überhaupt ist Kinderyoga sehr viel verspielter und dennoch beruhigend, entspannend und fokussierend. Inzwischen gibt es Yoga, der speziell auf die Bedürfnisse von Schwangeren, älteren Menschen oder Behinderten zugeschnitten wurde. Auch Menschen, deren natürliche Bewegungen eingeschränkt sind/waren -z.B. durch Übergewicht, Krankheit/Verletzungen, längerem Bewegungsmangel oder andere besondere Umstände- können Yoga praktizieren. In einem solchen Fall empfehle ich dir, deinem/deiner Yoga-LehrerIn etwaige Erkrankungen, Verletzungen o.ä. mitteilen, damit die Übungen auf dich abgestimmt werden. Oft ist Yoga auch während bestimmter Erkrankungen möglich, um z.B. Ermüdungserscheinungen, Muskelabbau und Versteifung der Gelenke vorzubeugen. Trotz aller Anpassungsmöglichkeiten gibt es durchaus relative Kontraindikationen, das heißt Umstände, die Yoga bzw. einzelne Übungen ganz oder zeitweise ausschließen. Ein guter Yoga-Lehrer (oder Lehrerin) verschafft dir einen Überblick und zeigt die Asanas (Körperhaltungen), die dir gut tun. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wie sehr mir das Wiederholen einfacher, gezielter Asanas geholfen hat meine Wirbelsäule zu stabilisieren und Schmerzen im Ilio-Sakral-Gelenk zu eliminieren. Schon während der Schwangerschaft machte mir dieses Gelenk arg zu schaffen und ich konnte kaum schmerzfrei laufen. Yoga war für mich ein Geschenk - denn ich konnte wieder selbst aktiv etwas für meine Gesundheit tun. Dabei kam ich ganz ohne Stromtherapie und ohne Spritzen aus. Verschiedene Aspekte des Yoga können gerade bei Rücken- und Hüftschmerzen unterstützen, Physiotherapien ergänzen und zu mehr Wohlbefinden verhelfen. Dennoch ist ganz klar, dass behandlungsbedürftige Erkrankung des Bewegungsapparates immer von einem Arzt diagnostiziert und von medizinischem Fachpersonal behandelt werden müssen. Gibt dein Arzt oder Therapeut sein "OK", kann Yoga deinen Heilungsweg wunderbar ergänzen. Manche Asanas (Körperübungen) und manche Atemübungen (Pranayama) sind für schwangere Frauen nicht geeignet. Gerade im letzten Drittel der Schwangerschaft ist die Sturzgefahr durch den veränderten Körperschwerpunkt erhöht. Dennoch musst du nicht auf Yoga verzichten. Im Gegenteil. Yoga hat für dich und dein ungeborenes Baby viele Vorteile. Frag einfach nach, ob dein/e Yoga-Lehrer/in eine Zusatzausbildung für Schwangerschaftsyoga absolviert hat, damit du unter seiner bzw. ihrer Anleitung Yoga in dieser ganz besonderen Zeit gefahrlos praktizieren kannst. Auf Yoga jeder Art sollte konsequent bis zur vollständigen Ausheilung verzichtet werden, wenn folgende Symptome/Erkrankungen vorliegen:

  • akute Entzündung (auch solche in den Zähnen)

  • akuter Bandscheibenvorfall

  • akuter Rheumaschub

  • akute Arthrose

  • lebensbedrohliche Erkrankungen der Vitalorgane

  • akute Infektionskrankheiten (z.B. Grippe, Covid-19)

  • Fieber

  • akute oder noch nicht verheilte Verletzungen der Muskeln, Sehnen, Gelenke

  • akute Frakturen (Knochenbrüche) und solche, die weniger als 6 Monate zurückliegen

  • unmittelbar nach einer Operation

Wie nahezu alle Entspannungsverfahren sind auch die meditativen Übungen und manche Atemübungen des Yoga für Menschen mit akuter Depression, Borderline-Syndrom, Ich-Schwäche, Epilepsie , halluzinatorischen Psychosen, aktiven Substanzabhängigkeiten (z.B. Alkoholsucht), akute Suizidalität oder bei der Einnahme von Medikamenten, welche die Aufmerksamkeit, das Bewusstsein oder das Schmerzempfinden beeinträchtigen nicht geeignet. Unter der Leitung eines Psychotherapeuten oder Psychologen kann bei einer Depression oder Neurose Yoga indiziert (geeignet) sein. Jedoch gehört eine solche Yoga-Therapie in die Hände erfahrener Mediziner (Ärzte!) und nicht in die eines "einfachen" Yogalehrers. Bei anderen Erkrankungen kann es sein, dass eine ganze Reihe Yogaübungen möglich sind und sogar die Vitalfunktionen fördern, und andere ganz und gar nicht. Zum Beispiel sollten Menschen mit hohem Blutdruck oder hohem Augeninnendruck keinen Schulterstand oder andere Asanas, bei denen der Kopf lange nach unten zeigt, ausführen, da die Werte sonst noch weiter steigen. Herzfunktionsstörungen, Ateminsuffizienz, Thrombose oder Osteoporose schließen Yoga nicht komplett aus, jedoch solltest du bei

diesen -aber auch bei allen anderen Krankheiten- unbedingt mit einem Arzt besprechen, ob du "sporttauglich" bist und welche Bewegungen du vermeiden musst. Selbst Krebspatienten können je nach Stadium der Erkrankung und Rücksprache mit ihrem Arzt vom Yoga profitieren. Selbstverständlich geht es dabei nicht darum die anspruchsvollsten Asanas auszuführen. In erster Linie geht es darum in sich hinein zu spüren und eine Yogapraxis zu finden, die dem eigenen Gesundheitszustand entspricht. Angepasste Bewegung erhöhen die körperlichen und mentalen Fähigkeiten, die Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlenbehandlung können besser ausgehalten werden, die innere Freude wird gestärkt und vor allem bleiben Krebspatienten mit Yoga selbstwirksam statt nur behandelt zu werden. Yoga kann keine ärztliche Behandlung ersetzen. Daher ist es auch nicht ratsam Medikamente oder Therapien plötzlich abzubrechen bloß weil du seit gestern einen Yogakurs besuchst. Jedoch kann Yoga in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt dazu beitragen, dass sich Betroffene lebendiger, fitter und wohler fühlen und mit ihrer Krankheit besser umgehen können.


Eine Bemerkung zu Yoga & Ego Ein häufig größeres Problem als eine vorhandene Krankheit ist der falsche Ehrgeiz mancher Yogapraktizierenden. Wenn alltäglicher Leistungsdruck auch auf die Yogamatte übertragen wird, fangen einige Personen an, sich mit anderen zu vergleichen. Ganz schnell werden dann körperliche Grenzen missachtet und häufig werden der Nacken, der untere Rückenbereich, die Schulter, das Handgelenk und das Knie verletzt. Ganz gleich, was dir dein Ego auch erzählt: Nicht jeder kann jede Körperübung gleich gut ausführen. Und das ist völlig in Ordnung! Schaue nicht auf die anderen KursteilnehmerInnen und vergleiche nicht. Beim Yoga geht es nicht um einen Wettkampf. Es geht um dich selbst. Bleib bei dir und begegnen dir mit Achtsamkeit. Verletzungen beim Yoga entstehen aus zu viel Ego und zu viel Wollen. Erlaube dir schrittweise in deinem eigenen Tempo zu lernen. Dabei ist es völlig egal, was andere schon können oder noch nicht können. Gönne dir die Zeit nur für dich und deine Yoga-Praxis. An dieser Stelle möchte ich auch das Thema Schmerzen beim Yoga ansprechen. Dehnungsschmerzen sind im Yoga erwünscht, denn nur wer sich anstrengt kann sich mental und körperlich entwickeln. Ich bezeichne dies als Wohlfühlschmerz - also einen Toleranzbereich in dem Sie sich selbst ausprobieren können. Entsteht der Schmerz jedoch aus einer früheren Verletzung und einer körperlichen Einschränkung, so ist dieser Schmerz nicht erwünscht und sollt unbedingt vermieden werden. Nehmen Sie die Spannung heraus oder machen Sie eine Pause, wenn Sie einen stechenden Schmerz spüren. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Ego in eine Haltung zwingen!


Mein Tipp: Bevor du mit Yoga beginnst, frag dich: "Warum möchte ich Yoga üben?" Wenn du dir darüber klar bist, was du durch die Yoga-Praxis erreichen möchtest, erhält Yoga eine deutlich tiefere Qualität. Persönliche Gründe für Yoga können zum Beispiel folgende sein: Du möchtest gelassener werden oder Ruhe erfahren. Du versuchst zu mehr innerer Stärke zu finden. Vielleicht möchtest du Rückenschmerzen vorbeugen und deine Fitness erhalten oder du suchst eine Veränderung in deinem Leben. Warum auch immer du dich entscheidest Yoga zu üben, deine eigene Herzqualität begleitet dich und öffnet dir neue Möglichkeiten Freude, Freiheit und Gelassenheit zu erfahren. Die großen Yogis nennen dies „Sat Chit Anananda“ - übersetzt bedeutet es "Du bist das Bewusstsein hinter allem." („sat“ = ist; „chit“ = Selbsterkenntnis/Bewusstsein; „ananda“ = grenzenlose Freude/Glückseligkeit)