Warum sind Veränderungen so schwierig? Die häufigsten Gründe (und was du dagegen tun kannst)


Du wolltest aufhören zu rauchen, weniger Zeit in den Social Media verbringen oder endlich mit dem Sport anfangen? Du wolltest abnehmen, den Job wechseln oder dich aus einer unglücklichen Beziehung lösen? Nun, jeder von uns wollte schon mal etwas im eigenen Leben verändern. Vielen Menschen fallen Veränderungen jedoch schwer. Warum ist das so und wie kann man Veränderungen leichter durchziehen und akzeptieren? Warum gibt es Rückschläge? Die häufigsten Gründe, warum Veränderungen nicht klappen sind diese:


Angst

Wie so oft funktionieren Teile unseres Seins immer noch wie zu Höhlenzeiten. Unbekanntes konnte damals wie heute etwas Schönes hervorbringen oder gefährlich sein - für unsere Urahnen in vielen Situationen sogar tödlich. Daher ist die Angst vor Neuem zwar auf evolutionärer Sicht sinnvoll, aber für die meisten Veränderungen im modernen Leben eher hinderlich. Besonders oft treten solche Ängste auf, wenn du noch am Anfang des Veränderungsprozesses stehst oder dich mit dem Thema noch nicht genug beschäftigt hast. Ein weiterer Faktor kann ein geringes Selbstvertrauen sein. Die Angst vor Veränderung entsteht dann durch die Unsicherheit, mit einer Veränderung nicht (gut genug) umgehen zu können. Kurz gesagt: Es steckt Versagensangst dahinter. Aber auch die umgekehrte Situation ist möglich - manche Menschen haben Angst vor ihrer eigenen Größe, die sie erreichen können, wenn sie die neue Veränderung vollbracht haben.

Destabilisation

Umstände oder Verhaltensweisen, an die wir gewöhnt sind, bieten eine Form von Stabilität. Routinen und Gewohnheiten geben uns das Gefühl von Sicherheit, denn wir können abschätzen, was passiert und uns entsprechend vorbereiten und verhalten. Das Alte ist vertraut. Leider gilt dies auch für ungünstige oder gar schädliche Gewohnheiten. Jegliche Veränderung interpretiert das (Unter-)Bewusstsein als Destabilisation. Diese Interpretation kann Stressreaktionen auslösen. Verstärkt wird dies durch all die Gründe, die dir einfallen, warum genau diese Veränderung doch nicht so gut oder so wichtig ist. Oft sind solche Gründe eher Ausreden, um das bisherige stabile System zu erhalten.


Soziales Umfeld

Ob wir es wollen oder nicht, zu einem großen Teil werden wir alle durch die Menschen beeinflusst, mit denen wir viel Zeit verbringen. Ob Familie, Freunde, Partner/in oder Arbeitskollegen - dein Umfeld beeinflusst dein Leben. Dein Umfeld kann dich hoch- oder runterziehen.

Zum Beispiel gestaltet es sich schwierig, wenn du Sport machen möchtest oder häufiger Zeit in der Natur verbringen möchtest, wenn dein Umfeld aus Sportmuffeln und Couchpotatos besteht. Der Verzicht auf Süßi und Cola wird schwieriger, wenn daheim alle anderen genau diesen Kram täglich in sich hinein schaufeln. Ein solcher Verzicht würde sofort den Höhlenmenschen in dir aktivieren - ein Süßiverzicht würde mit dem Risiko der Ausgrenzung einhergehen und als Gefahr interpretiert werden, denn für Menschen in frühsten Zeiten war das Überleben ganz eng an das soziale Umfeld gebunden. Und zack, bye bye gute Vorsätze!


Fehlende Weitsicht

Gehörst du zu den Menschen, die zwar spüren, dass ihnen dies oder das "nicht guttut", aber die langfristigen Folgen sind dir gar nicht bewusst? In solchen Situationen lassen viele Menschen ihren Wunsch nach Veränderung schnell schleifen.


Unwissenheit und Überforderung

Auch Unwissenheit oder Überforderung trägen dazu bei noch so gute Vorhaben einfach fallen zu lassen. Fehlende (oder auch viel zu viele) Informationen oder die Idee, wie du am besten anfängst oder was nach dem ersten Schritt kommt usw. kann demotivierend oder überwältigend wirken - viele Menschen lassen ihren Wunsch nach Veränderung an dieser Stelle fallen und geben zu schnell auf.


Prokrastination

Wer ständig notwendige Aufgaben aufschiebt und stattdessen weniger Wichtiges tut, leidet vermutlich unter Prokrastination. Die eigentliche Aufgabe kostet vielleicht zu viel Energie und Überwindung.

Meistens entsteht dieses psychologische Problem, wenn Menschen sich vor einer Aufgabe -bewusst oder unbewusst- fürchten, Angst vorm Versagen oder Kritik haben. Auch falsche Prioritätensetzung, unrealistische Ziele oder eine schlechte Zeiteinteilung sind mögliche Gründe für dieses ernsthaftes Problem der Selbststeuerung.


Veränderung im Leben zulassen

Nun kennst du mögliche Gründe, warum dir, wie vielen anderen Menschen auch, Veränderungen so schwer fallen. Mit den nachstehenden Tipps kannst du dein Mindset stärken und Veränderungen leichter zulassen.


Setze klare Ziele

Klarheit ist ein entscheidender Faktor, um Veränderungen auch tatsächlich umzusetzen. Zum Beispiel bringen schwammige Formulieren wie "Ich möchte Gewicht verlieren.", "Ich werde früher aufstehen" oder "Ich will glücklich sein" meist nicht so viel. "Ich werde 10kg abnehmen" oder "Ich stehe um 06.00 statt um 09.00 Uhr auf" sind konkrete Ziele, an denen du dich orientieren kannst.


Gehe kleine Schritte

Damit die anstehende Veränderung nicht völlig überwältigend wirkt und du gar nicht erst anfängst, mach lieber kleine Schritte statt sofort mit den ganz großen anzufangen. Und dann einen Schritt nach dem anderen. Vielleicht möchtest du deine Ernährung auf vegan umstellen. Nun denkst du aber, du müsstest erst etliche Bücher lesen, deinen Partner oder die Kinder überzeugen oder dich in hohe Kosten stürzen, damit die Aktion gelingt. Das wichtigste ist der erste kleine Schritt. In diesem Fall könntest du zum Beispiel ein einfaches Rezept raussuchen und für dich selbst kochen. Bist du den ersten Schritt gegangen, überlegst du dir den nächsten kleinen Schritt, z.B. kannst du an einem Tag pro Woche vegan kochen, danach mehrfach pro Woche. Du kannst dich weiter informieren und danach für deine Familie oder Freunde kochen (usw.).


Eins nach dem anderen

Veganer werden, den Traummann/die Traumfrau finden und den Job kündigen - alles an einem Tag? Puh, das wird wohl nicht klappen. Aber ein Ziel nach dem anderen geht. Erreiche erst das eine, dann das nächste. Das funktioniert auch mit neuen Gewohnheiten - wenn du 30 Tage lang ein neues Verhalten wiederholst, dürfte es so gut etabliert sein, dass es zur neuen Gewohnheit geworden ist und dir nicht mehr so schwer fällt. Dann kannst du mit dem nächsten Schritt, dem nächsten Verhalten o.ä. anfangen.


Hol dir Unterstützung

Eine der effektivsten Methoden, eine neue Gewohnheit zu etablieren, ist sich Unterstützung zu suchen. Dies kann professionelle Beratung sein aber auch Personen aus deinem Umfeld. Nicht jeder Weg muss allein gegangen werden. Gleichgesinnten, also Menschen mit denen du auf derselben Ebene bist, die gleichen Ziele oder ähnliche Themen haben, eignen sich perfekt zum Austausch. Du fühlst dich verstanden, ihr teilt eure Erfahrungen. Suche dir Vorbilder, die dort stehen, wo du in deinem Leben auch hinkommen möchtest. Coaches oder Mentoren, von denen du etwas lernen kannst und die dich zum Wachsen anregen sind die besten Supporter!


Ändere dein Umfeld

Dein Umfeld kann dich fördern, aber genauso auch ausbremsen. Wenn dein Umfeld deine Pläne nicht unterstützt oder sich sogar dagegenstellt, dann ändere dein Umfeld. Handelt es sich dabei um besonders nahestehende Menschen, um deinen Partner, deine Eltern o.ä., kann dies für dich natürlich schwierig sein. Hier stehen wichtige Fragen im Raum:

  • Wie wichtig ist dir die Veränderung?

  • Wie sehr wirst du von deinem Umfeld beeinflusst?

  • Wirst du dein Umfeld dazu bewegen können, dich zu unterstützen oder besteht die einzige Chance darin, dass du dein Umfeld änderst?

Menschen, die dir wichtig sind und die dich brauchen, die aber deinen Weg nicht unterstützen stellen durchaus ein Hindernis zur Verwirklichung deiner Veränderung dar. Nicht immer kann und sollte ein Umfeld rigoros aussortiert werden, aber du kannst deine Zeit mit solchen Menschen reduzieren. Belehre sie auch nicht, sondern achte darauf, dich selbst zu stärken. Schaffe Raum für Menschen, die so sind, wie du auch gerne sein möchtest. Suche aktiv nach diesen Menschen, die dein Energielevel anheben und dich unterstützen. Baue dir dein Supporter-Netzwerk auf, besuche Seminare oder buche Kurse - dort triffst du auf Menschen, die du in deinem Umfeld brauchst.


In der Regel akzeptieren andere Menschen die Veränderung eher, wenn du bereits dabei bist. Frag daher nicht nach Erlaubnis und mach keine Ankündigungen, sondern beginne mit deiner neuen Verhaltensweise und beobachte dein Umfeld. Und höre nie auf, an deine Träume und die Erfüllung deiner Herzenswünsche zu glauben, ganz egal was dein Umfeld dazu sagt!


Weihe andere ein

Entgegen der vorherigen Empfehlung keine Ankündigungen zu machen, kann es in manchen Situationen sogar gut sein, anderen von deinen Plänen zu erzählen. Die Chancen sie dann tatsächlich umzusetzen steigen damit. Denn mal ehrlich, wer will sich blamieren, wenn er die Veränderungen dann nicht angegangen ist? Vielleicht möchtest du bestimmten Menschen beweisen, dass du es eben doch kannst? Dann erzähl ihnen davon, zieh deine Veränderung durch und zeige den Zweiflern, was du geschafft hast!


Nutze den Moment

Vielleicht hast du dir schon mal etwas vorgenommen, deinen Vorsatz wieder fallen lassen und dir versprochen, es beim nächsten Mal anders zu machen. Vielleicht bist du ja sogar jemand, der viel reflektiert. Veränderung geschieht jedoch nicht beim Reflektieren, sondern beim aktiven Handeln. In genau dem Moment, in dem du haderst oder zweifelst, kannst du dein bisheriges Muster oder deine Situation durchbrechen. Mach dir den Moment der Entscheidung bewusst und nutze ihn.


Benutze Emotionen und Imaginationen

Nichts motiviert uns mehr als zu wissen, warum wir etwas tun. Du kannst dir eine Liste mit Gründen, warum die Veränderung notwendig ist, schreiben. Stelle dir vor, welche negativen Konsequenzen es für dein Leben hat, wenn du die Veränderung nicht durchziehst. Schreib dir auch auf, wie gut es dir gehen wird und wie dein Leben aussehen wird, wenn du dein Ziel erreicht hast. Besonders gut klappt es, wenn du mit Bildern und Gefühlen arbeitest. Stell dir bildlich vor, was passiert, wenn du die Veränderung umsetzt bzw. es nicht tust. Stell dir vor, wie du dich in beiden Fällen fühlst. Um diese Vorstellungen zu manifestieren, nimm dir jeden Tag zwei Minuten Zeit und stelle dir dein zukünftiges Leben vor.


Beginne sofort

Nimmst du dir etwas vor, wartest dann aber wieder wochenlang, dann kannst du auch direkt den Kopf vor die Wand hauen. Es wird nicht klappen. Wenn du dir etwas vornimmst, setze es innerhalb von 48 Stunden um bzw. fang damit an. Frag dich ganz konkret "Was kannst du noch heute tun um meinem Ziel näher zu kommen?" Wünschst du dir zum Beispiel eine berufliche Veränderung, dann vereinbare einen Termin mit deinem Chef, buche eine Fortbildung oder recherchiere noch heute nach Jobangeboten und aktualisiere deinen Lebenslauf. Kleine Schritte, aber los!


Sei gut zu dir

Belohne dich für messbare Erfolge - auch Teilerfolge. Gönn dir eine Massage oder einen Restaurantbesuch oder ein neues Buch oder was auch immer dir gut tut, wenn du einen Schritt auf dem Weg deiner Veränderung geschafft hast.



Veränderungen im Leben zulassen und akzeptieren – jetzt.

Wahrhaftige Veränderung sind meist nicht leicht und brauchen ihre Zeit, um sich vollends zu entwickeln. Hab also Geduld, aber komm ins Handeln. Es lohnt sich! Und bedenke - das Leben ist eine stete Veränderung!