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Weißes Gold oder tödliche Gefahr?

Salz war ein teures Luxusgut, das für unsere Urahnen nur schwer zu beschaffen war. Die Gewinnung von Salz unterlag komplizierten Verfahren und sorgte für unermesslichen Reichtum in einigen frühzeitlichen Orten. Die Liebe zum Salz ist bis heute geblieben, denn "das weiße Gold" ist ein toller Geschmacksverstärker, der Aromen intensiviert und uns mit dem wichtigen Mineralstoff Natrium versorgt. Salz besteht zum größten Teil aus Natriumchlorid (NaCl). Natrium ist ein wichtiger Bestandteil des Blutes und wird für den Zellstoffwechsel benötigt. Natrium und Kalium tragen zusammen zum Aufbau der elektrischen Spannung an den Zellmembranen bei und sind daher für die Weiterleitung von Nervenimpulsen, den Herzrhythmus, aber auch für die Muskelarbeit wichtig. Auch für den Flüssigkeitshaushalt, die Verdauung und den Knochenbau benötigt der Körper Salz.


Wer zu wenig Natrium im Blut hat, leidet an Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Kopf- und Muskelschmerzen bis hin zu Desorientierung. Zu beobachten ist dies zum Beispiel nach zu intensivem Sport, bei Fieber, Erbrechen und Durchfallerkrankungen. Meist kann in solchen Fällen ein Mangel durch die Einnahme von in der Apotheke erhältlichen Elektrolyt-Präparaten vorgebeugt bzw. wieder ausgeglichen werden.

Bei einem Natriummangel beginnen die Gehirnzellen Wasser aus dem Blut zu saugen, um den Natriumgehalt anzuheben. Der Körper versucht um jeden Preis die Hirnfunktionen aufrecht zu erhalten. Die Gehirnzellen schwellen durch diese "Rettungsmaßnahme" an und der Hirndruck steigt. Die Folgen können ein schneller Verlust der geistigen Fähigkeiten und Unsicherheiten beim Gehen sein. Nicht nur durch Infekte geht Natrium verloren. Die häufigsten Ursachen für Natriummangel sind Medikamente wie entwässernde Tabletten, Blutdrucksenker, Antidepressiva, Antiepileptika sowie manche Schmerz- und Rheumamittel (NSAR). Besonders gefährdet sind ältere Menschen und ganz besonders ältere dünne Frauen. Menschen ab ungefähr 70 Jahren reagieren deutlich empfindlicher auf Schwankungen im Natriumspiegel. Selbst ein leichter Natriummangel lässt Senioren ähnlich wie von Alkohol beschwipst reagieren und die Gefahr von Stürzen ist groß. In vielen Fällen wird ein kritischer Natriummangel mit einer beginnenden Demenz verwechselt. Eine Blutuntersuchung beim Hausarzt gibt Aufschluss.


Woher kommt dann die Angst vor dem Salz?

Wir Menschen brauchen täglich mindestens 500mg Natrium (ca. 1,3g Salz), damit alle Körperfunktionen möglich sind. Die meist empfohlene Tagesmenge Natrium liegt bei 1500mg (3,8g Salz). Der durchschnittliche Verbrauch in den Industriestaaten liegt mit ca. 3800mg Natrium pro Tag deutlich oberhalb der empfohlenen Mindestmenge. Solch hohe Mengen sind ebenso gefährlich wie ein Natriummangel.


Wenn du Salz zu dir nimmst, erhöht sich logischerweise die Natriumkonzentration im Körper. Um dies auszugleichen, lagert er mehr Wasser ein und der Blutdruck steigt. Ein dauerhaft hoher Salzkonsum kann zu chronischem Bluthochdruck und weiteren Folgeerkrankungen führen. Wird die tägliche Salzzufuhr auf weniger unter 6g reduziert, kann der Blutdruck um durchschnittlich 5 mmHg verringern werden. Das ist ungefähr so viel, wie es auch ein blutdrucksenkendes Medikament erreichen kann.


Als Geschmackverstärker regt Salz den Appetit an und kann so indirekt Übergewicht fördern.

Außerdem stellten Forscher fest, dass ein Übermaß an Natriumchlorid die Zahl aggressiver Immunzellen, die sogenannten TH-17-Helferzellen, deutlich ansteigen lässt. Eigentlich schützen die TH-17-Zellen den Menschen vor Bakterien und anderen Krank­heitserregern. Jedoch können sie auch körpereigene Zellen attackieren und stehen im Verdacht Entzündungsprozesse und Autoimmunkrankheiten, wie z.B. Multiple Sklerose, zu begünstigen.


Bei manchen Menschen ist die Schutzschicht der Blutgefäße dünner als bei anderen, wodurch Salz schlechter aufgenommen wird. Dann zirkuliert es so lange im Körper, bis es sich an Organen -konkret Niere, Herz und Hirn- ablagert. Solche Ablagerungen können die Funktion des jeweiligen Organs beeinträchtigen.


Problematisch ist, dass schwer einzuschätzen ist, wie viel Natrium du täglich zu dir nimmst, da in allen Nahrungsmitteln diese Substanz zu finden ist. Hier ein paar Beispiele (Gehalt an Natrium – angegeben in mg – pro 100 g Lebensmittel):

  • Fisch und Meeresfrüchte

  • Flusskrebs – 253mg

  • Brathering – 585mg