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Als der Säbelzahntiger dich fressen wollte

Das wärmende Feuer ist erloschen. Nur die Glut glimmt leise vor sich hin. Der Wind raschelt an den Blättern der Bäume. Neben dir schnarcht dein Kind, als es sich im Schlaf umdreht. Eine friedliche, ruhige Nacht. Du glaubst, nun kannst auch du die Augen schließen. Doch plötzlich hörst du ein Geräusch am Eingang der Höhle - irgendetwas hat sich da bewegt und ist auf einen Ast getreten. Sofort schnellst du hoch und greifst nach deinem Speer. In höchster Alarmbereitschaft schlägt dein Herz bis zum Hals, die Atmung wird schneller und du weißt genau, deine Familie kann nicht flüchten. Wenn jetzt der Säbelzahntiger die Höhle betritt, wird es zum Kampf kommen. Deine Muskeln sind fest angespannt, deine Pupillen geweitet und du bist bereit.....

Solche oder so ähnliche Situationen haben die Menschen vor über 10.000 Jahren vermutlich häufig erlebt. Blitzschnell musste der Mensch kampfbereit sein. Oder wenigstens wegrennen können. Purer Stress! Diese natürliche Stressreaktion wird auch Konfrontation-oder-Flucht-Reaktion genannt und beschreibt die prompte körperliche und seelische Anpassung in Gefahrensituationen. In diesem Zustand der Alarmbereitschaft stellt sich der Organismus auf eine erhöhte Leistungsbereitschaft ein. Die Entscheidung zwischen flüchten, kämpfen oder totstellen erfordert höchste Aktivität der Hirnzellen.


Nun stehen wir heutzutage keinen Säbelzahntigern mehr gegenüber und trotzdem reagieren Menschen gestresst. Da schnappt dir die fiese Tussie den Parkplatz vor der Nase weg. Als du dann endlich einen anderen gefunden hast, trittst du beim Aussteigen in eine Pfütze und im Büro mosert der Chef, der eh so ein Ekel ist, auch noch rum, wieso du mit den klatschnassen Schuhen das Büro einsaust. Ach ja, und die Deadline für deinen Bericht wurde auch noch vorgezogen. Aaahhhh!!!! Zack, Stress. Am liebsten möchtest du aus dem Büro rennen....oder deinem Chef .... naja, lassen wir das mal lieber.


Auch in der heutigen Zeit reagiert der Organismus auf äußere Auslöser (Stressoren) wie schon zu Höhlenzeiten. Hierbei wird zwischen Eustress und Distress unterschieden. Eustress ist sowas wie "guter Stress". Kurzzeitige Anspannungen in Situationen, die du gut bewältigen kannst, werden als Eustress

bezeichnet. Du fühlst dich optimistisch und glücklich. Das mag der erste Kuss oder die Hochzeit sein, oder die Abschlussprüfung oder ein sportlicher Wettkampf. Eustress flacht nach der entsprechenden Situation wieder ab und hinterlässt schöne Erinnerungen. "Negativer Stress" wird als Distress bezeichnet. In diese Kategorie fallen langfristige oder wiederkehrende Belastungen sowie Überforderungen. Du fühlst dich hilflos und blockiert - das berühmte "Brett vorm Kopf" macht dich handlungsunfähig. Dann werden sogar Alltagssituationen, Lärm, Wartezeiten, das Wetter oder Kritik als bedrohlich wahrgenommen. Hinzu gesellen sich sogenannte innere Stressoren, welche dir schon in der Kindheit anerzogen wurden. Sie begünstigen die subjektive Wahrnehmung einer Situation oder Person als Stressor. Es gibt also harmlose Stressreaktionen und ernstzunehmende Stresszustände.


In diesen Spannungszustand wirst du durch den Sympathikus versetzt. Für Entspannung sorgt der Parasympathikus. Beide gehören zum unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystem.


Sympathikus

  • sorgt für Leistungssteigerung

  • erhöhte die Ausstrahlung

  • versetzt den Körper in einen Spannungszustand

  • erforderlich um zu handeln, denken, sprechen