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Gesundheitskiller Schichtarbeit

Polizisten, Altenpflegerinnen, Krankenschwestern, Ärzte, Justizvollzugsbeamte, Sanitäter, Feuerwehrmänner, Mitarbeiter in der Industrie.... die Liste an Menschen, die im Schichtdienst arbeiten ist lang. Unter Schichtarbeit wird Arbeit zu wechselnden Tageszeiten (Früh-, Spät- und Nachtschicht) oder zu konstanter ungewöhnlicher Zeit (Dauernachtschicht) verstanden.


Schichtarbeiter leben in einer normalen Umgebung, arbeiten und schlafen jedoch zu unnatürlichen Zeiten. Ihr Organismus kann sich dieser Lebensweise auch langfristig nicht anpassen und reagiert auf lange Sicht mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Die häufigsten Auffälligkeiten sind:

  • Schlafstörungen (Ein- oder Durchschlafstörungen, übermäßige Schläfrigkeit)

  • Leistungsbeeinträchtigungen

  • Erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen

  • Gastro-intestinale Beschwerden (allg. Magen-Darm-Beschwerden , Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre etc.)

  • Herz-Kreislauf Störungen

  • Innere Unruhe und Nervosität

  • Aggression

  • Depression

  • Vorzeitige Ermüdung und chronische Müdigkeit

  • Kopfschmerzen

  • Unausgewogenes Körpergewicht

  • Burn-Out

Durch Beachtung chronobiologischer und arbeitshygienischer Strategien kann das Ausmaß dieser Beeinträchtigungen reduziert werden. Betroffene Schichtarbeiter sollten zuvor durch eine umfassende ärztliche Untersuchung andere Ursachen (Erkrankungen!) ausschließen.


Schichtarbeiter und Forscher haben verschiedene Möglichkeiten gefunden, die Schichtarbeit besser zu organisieren. ​ Vor allem bei der Nachtschicht ist der Schichtarbeiter gezwungen, zu einer Zeit zu schlafen, in der unsere Umwelt Tag signalisiert und zu arbeiten, wenn diese Nacht anzeigt. Da die "biologische Uhr" im Wesentlichen durch das Tageslicht, aber auch durch soziale Reize reagiert, verbleibt der Organismus der Schichtarbeiter in der gleichen Konstellation, wie bei "Nicht-Schichtarbeitern". Schichtarbeiter leben gegen den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus und somit gegen ihre eigene Biologie. Sie sind gezwungen während der Aktivitätsphase des Organismus zu schlafen und in der Ruhephase zu arbeiten. Selbst nach jahrelanger Schichtarbeit weist der Rhythmus einen gestörten Verlauf auf, da sich diese natürlichen Regulationsmechanismen nicht umstellen (es ist nicht möglich!). Der Tagschlaf ist nicht als verschobener Nachtschlaf anzusehen und wirkt auf den Organismus anders. Bei dauerhafter Schichtarbeit verschlechtert sich die Qualität des Schlafes zunehmend. Als besonders belastend gelten Wechselschichten. Früh- und Nachtschicht sind dabei problematischer als die Spätschicht. ​


Fakt ist, Schichtarbeit birgt ein hohes Risiko krank zu machen! Natürlich können wir als Gesellschaft nicht auf die Arbeit dieser Menschen verzichten und viele Schichtarbeiter möchten ihre Arbeit nicht tauschen. Daher ist es unerlässlich durch entsprechende Maßnahmen die Folgen dieses Arbeitssystem für die einzelnen Schichtarbeiter so weit wie möglich abzufedern.

schichtarbeit
Foto: Ethan Wilkinson on unsplash

Tipps für Personalmanager

Zu den innerbetrieblichen Maßnahmen, um die Gesundheit von Schichtarbeitern zu schonen, zählt eine Schichtplangestaltung, welche grundlegende menschliche Bedürfnisse berücksichtigt. Einzelne Nachtschichten können durch den folgenden Nachtschlaf kompensiert werden, jedoch ist die Nachtarbeit in nur einer Nacht aus sozialen und organisatorischen Gründen meist ungünstiger als mehrere Nachtschichten hintereinander. Daher sind ein gut geplanter Schichtdienst und optimierte Arbeitsbedingungen wichtig. Lies dazu auch die Tipps für Schichtarbeiter. ​ Bei der Einstellung von Mitarbeitern, sollten individuelle Faktoren beachtet werden, damit die Menschen nicht "verheizt" werden. Mitarbeiter sind schließlich die wichtigste Ressource! Tritt erst später im Laufe des Beschäftigungsverhältnisses eine mögliche Kontraindikation für Schichtarbeit eintritt, darf gern über eine mögliche Versetzung oder eine andere Schichtplanung gesprochen werden. Ich plädiere hier ganz klar für mehr Menschlichkeit und höhere Flexibilität am Arbeitsplatz.