TCM - Nein, Danke!?

Als sehr wissensdurstiger Mensch liebe ich es mich fortzubilden und völlig neue Einblicke zu bekommen. Da ich mich sehr für fernöstliche Gesundheitssysteme und Körperarbeit interessiere, passte Shiatsu super zu mir. Vor einigen Jahren habe ich daher eine entsprechende Ausbildung gemacht. Shiatsu ist eine japanische Akupressurmassage mit dem Hintergrund der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin). So lernte ich die essentiellen Grundlagen der TCM während meiner Shiatsu-Ausbildung kennen. Die TCM klang vielversprechend. Ihre ganzheitliche Herangehensweise in der körperlichen und geistigen Gesundheit sprach mich sehr an. Vor über 4000 Jahren entstand die TCM während der Xia-Dynastie und gelangte ca. 500 v.u.Z. nach Japan. Die TCM gliedert sich in fünf Säulen:

  • Akupunktur und Moxibustion

  • Qigong (Bewegungstherapie)

  • Tuina (Massage-Therapie)

  • Diätetik (Lebensmitteln nach Heilwirkung)

  • Arzneimitteltherapie.

Seit 2019 ist TMC von der WHO (World Health Organisation) als medizinische Praxis anerkannt. Wissbegierig, wie ich es ja nun mal bin, befasste ich mich über meine Ausbildung hinaus mit den Ernährungsprinzipen der TCM und ganz besonders mit ihren Heilmitteln. Ganz begeistert war ich (und bin es immer noch!) von der vielseitigen Anwendung der Heilpilze und Pflanzen. Ebenso spannend ist die Akupunktur. Viele Akupunkturpunkte entsprechen den Triggerpunkten der modernen Physiotherapie. Heute wird Akupunktur weltweit praktiziert. Die Wirkung der Akupunktur beruht nach Aussage von TCM-Experten auf der Ausschüttung von Endorphinen, Kortison und entzündungshemmenden Substanzen, die der Körper durch das Einstechen der feinen Akupunkturnadeln freisetzt. Beim "Moxen" werden Akupunkturpunkte mit glühenden Kegel oder Zigarren aus Beifuß behandelt. Darüber hinaus werden Krankheiten mit natürlichen Substanzen pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs behandelt. Und genau hier überschattet sehr viel Leid und Qual, die doch sonst auf Harmonie ausgerichtete TCM.


Tausende Pflanzenarten und über 1.500 Tierarten werden für die TCM zu teilweise wirksamen Medizinpräparaten, aber auch zu oftmals vollkommen nutzlosem Hokuspokus verarbeitet. Oft sind die Kräuter, Wurzeln, Blätter und Blüten mit gefährlichen Pestizidcocktails und Schwermetallen belastet. Übrigens gelten für hunderte der verwendeten Pflanzenarten zum Schutz der Bestände internationale Handelsbeschränkungen - das heißt ihre Verwendung ist illegal. Die Nachfrage nach den Produkten steigt weiterhin und so auch die Preise und der Verdienst jener, die für fragwürdige Zaubermittelchen kostbare Wildbestände in der Tier- und Pflanzenwelt zunehmend vernichten.


TCM steht für unfassbares Tierleid

Das älteste TCM-Rezept, bei dem eine Tiergallenblase -von Hund und Ochse- benutzt wurde, ist auf die Zeit der Zhou-Dynastie, 1046−221 v. u. Z. datiert. Wildtiere wie Schlangen, Elefanten und Bären) folgten in der Han-Dynastie (206 v. u. Z. bis 220 n. u. Z.). Seit jeher werden immer wieder Tiere zu Zwecken der (pseudo-)medizinischen Verwendung ausbeutet und getötet. Inzwischen ist auch die EU Absatzmarkt und Transitland für solch dubiose Produkte. Die Augen können wir also vor den Schattenseiten der TCM nicht schließen.


Zermahlene Skorpione, Nashornpulver, Seepferdchenmehl und Tigerhoden - es gibt kaum ein Tier, das vor dem Jahrhunderte altem Aberglauben sicher ist. Ihre Körperteile werden in Alkohol eingelegt oder zu Pulver, Salben und Tinkturen verarbeitet. Einige Tierarten werden u.a. wegen der starken Nachfrage seitens der TCM -oft illegal- gejagt. Ihre Bestände stehen auf der Internationalen Roten Liste der IUCN (Weltnaturschutzunion). Konkret bedeutet dies, die Tiere befinden sich kurz vor ihrer Ausrottung.


Auf sogenannten Bärenfarmen werden in China mehrere tausend Kragen- und Malaienbären in kleinsten Käfigen gehalten. Beide Bärenarten gelten als stark gefährdet. Den lebenden Tieren, die sich in den Gitterkäfigen oft nicht mal um ihre eigene Achse drehen können, wird bei vollem Bewusstsein ohne jegliche Betäubung Gallensaft abgesaugt. Ein- bis zweimal täglich müssen die wehrlosen Tiere die schmerzhafte Prozedur über sich ergehen lassen. Dazu wird entweder ein Plastikschlauch durch die Bauchdecke in die Gallenblase gespießt, um die Flüssigkeit abzuzapfen oder die Galle tropft aus operativ hergestellten Bauchöffnung, die permanent offen bleiben müssen. Im schlimmsten Fall müssen die auch Mondbären genannten Tiere diese Qualen 5, 10 oder sogar 20 Jahre über sich ergehen lassen - außer sie sterben schon vorher. Wenn du mehr zu dem Leid der Bären erfahren möchtest informiert die Stiftung für Bären darüber.

Bärengalle wird gemäß TCM bei Leber- und Gallebeschwerden, Hämorrhoiden, Augenbeschwerden, Entzündungen, bakterielle Infektionen, Krebs, Asthma, Gelbsucht, Koliken, Durchfall, Parasiten, Sinusitis und Fieber eingesetzt. Der Wirkstoff in der Bärengalle heißt Ursodeoxycholsäure und kann seit langer Zeit synthetisch hergestellt werden. Bären zu quälen ist also kein alternativloses Muss, sondern reine skrupellose Gier und der blinde Glaube aussschließlich Naturprodukte können heilen. Zu allem Überfluss empfahl die chinesische Regierung im März 2020 Tanreqing-Injektionen mit Bärengalle gegen Covid-19.


Sämtliche Seepferdchenarten sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES geschützt. Handel mit den kleinen Meeresbewohnern ist jedoch mit Erlaubnis möglich. 95% aller Seepferden werden für die TCM gehandelt. Präparate aus Seepferdchen werden in der TCM seit Jahrtausenden zur Behandlung von kranken Nieren, Durchblutungsstörungen und Impotenz eingesetzt. 90 Gesundheits- und Medizinprodukte enthalten Seepferdchen. Dafür werden jedes Jahr werden bis über 20 Millionen Seepferdchen der Natur entnommen und lebendig auf der Straße in der Hitze sterben gelassen (getrocknet). In Asien sind sie zudem ein beliebter Snack und die weltweite Nachfrage steigt weiter.


Fieber, Krämpfe, Ohnmacht, Kopfschmerzen und sogar Krebs und Schlaganfälle sollen mit dem ausgekochten Horn der Nashörner heilbar sein. Wer diesen Blödsinn glaubt, kann viel kostengünstiger einfach auf den eigenen Fingernägeln herum kauen, denn die bestehen aus exakt dem gleichen Material (Keratin). Trotz internationaler Handelsverbote werden die majestätischen Tiere weiterhin gejagt und die letzten Exemplare sind vom Aussterben bedroht. Ihnen wird mit einer Kettensäge das Horn gestohlen. Dabei schneiden die Wilderer tief in das Fleisch des Tieres, um je kein Gramm des teuren Horns zurückzulassen. Das Horn ist teuer als Gold: 20.000 bis 60.000 US-Dollar pro Kilogramm. Jährlich machen die Händler einen Umsatz von 8 - 19 Milliarden Dollar, schätzt der WWF. Trotz aller Schutzmaßnahmen hält die Wilderei an.


Auch Tiger werden immer seltener und seit 1987 ist der Handel mit Tigerprodukten international verboten. 1993 hat China Tigerknochen aus dem Arzneibuch der TCM gestrichen. Dennoch blüht der Schwarzmarkt und die Tiere werden weiterhin zu Wundermittelchen gegen Malaria, Lepra, Rheuma, Arthritis und anderen Gelenkbeschwerden, Unterernährung, Ruhr, Epilepsie und Analfisteln verarbeitet. Selbst Tigerkot findet Verwendung - unter anderem sollen damit Alkoholiker von ihrer Sucht befreit werden. Die unfassbare Dummheit potenzschwacher Kleingeister beflügelt den Glauben, der Verzehr von Produkten aus Tigerpenis und Hoden könne die Potenz des Mannes anheben. Übrigens gilt dies allgemein für Tierpenisse - auch Robben, Rehe und andere Tiere müssen ihr Leben lassen, um zu völlig unwirksamen Potenzmitteln pulverisiert zu werden.

Chinesische Farmen, die tausende Tiger halten, warten nur auf eine Lockerung des Handelsverbots. Wie viele Tigerfarmen es tatsächlich gibt ist unklar. Auch der sogenannte Tiger Tempel Wat Pa Luang Ta Bua Yannasampanno in Ratchaburi (Thailand) war nichts weiter als eine Tigerfarm. Solche Farmen verkaufen trotz der Verbote zum Beispiel in Essig eingelegte Tigerbabys als "Tigerwein" und andere illegale Produkte, die aus den getöteten Tigern hergestellt werden.


Seit 2008 werden Skelette von Löwen aus Südafrika nach China importiert. Mindestens 8.000 - 10.000 Löwen werden in Südafrika auf Farmen gezüchtet. Als Jungtiere müssen sie mit zahlenden Touristen für Urlaubs-Selfies herhalten; später werden sie von blutdurstigen Trophäenjägern

erschossen bevor ihre Knochen und andere Körperteile schließlich nach Asien exportiert werden. Sie dienen als Ersatz für die Handelsverbote mit Tigerprodukten. 2016 sollte ein internationales Handelsverbot für Löwen abgeschlossen werden. Südafrika stellte sich quer. So werden die Wilderei und der Schwarzmarkt weiterhin befeuert.


Wie Tiger und Löwen werden auch Leoparden (Panthera pardus) in der TCM verwendet. Die Leopardenbestände in China sind sehr stark dezimiert. Auch Schneeleoparden (Panthera uncia) und Nebelparder (Neofelis nebulosa) werden gewildert und als "Bagou" verkauft. Alle drei Großkatzenarten sind nach Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt und dürfen international nicht gehandelt werden. Laut Dr. Sandra Altherr (Diplom-Biologin Mitbegründerin von Pro Wildlife) verkaufen 31 chinesische TCM-Firmen weiterhin Produkte mit "Bagou".


Mehr als 60 TCM-Produkte enthalten getrocknete Schuppen der stark gefährdeten Schuppentieren (Pangolin). Damit behandelt werden sollen Abszesse, Schwellungen sowie Menstruations- und Stillprobleme. Seit 2000 wurden die asiatischen Schuppentiere durch ein ein CITES-Handelsverbot geschützt. Daraufhin griffen die Geschäftemacher die afrikanischen Arten systematisch ab. 2019 wurde dann endlich ein Handelsverbot für alle Pangolin-Arten erlassen. Noch ist unsicher, ob damit ihre Ausrottung verhindert werden kann. Im Juni 2020 hat China die Schuppentiere unter Schutz gestellt und wenige Tage später aus der Liste der zulässigen TCM-Ingredienzen herausgenommen. Vor Wilderern und illegalem Handel schützt dies die Tiere leider nicht.


In China ist der dort heimische und vom Aussterben bedrohte Fisch Bahaba taipingensis bereits so selten geworden, dass für manches Exemplar bis 500.000 € gezahlt wird. Mit den Schwimmblasen ("Huang Chun Yu Sai") und Schuppen ("Huang Chun Yu Lin") des Fisches sollen Nierenerkrankungen, Gebärmutterblutungen und eitrigen Wunden behandelt werden. Um der anhaltend großen Nachfrage gerecht zu werden, werden auch Totoaba aus dem Golf von Mexiko in riesigen Mengen gefischt. Als Kollateralschaden der Wilderei leiden die Bestände des Kalifornischen Schweinswal. Dieser ertrinkt in den Fischernetzen als ungewollter Beifang. 2020 wurden nur noch weniger als 20 dieser Tiere gezählt. Wilderei ist also kein regional begrenztes Problem, sondern löst weltweite Kettenreaktionen aus.


Millionen Tokehs, hübsche in Asien beheimatete Echsen, werden aus Thailand und Indonesien als Wildfänge entnommen und in der TCM zu Mitteln gegen Asthma, Diabetes und Erektionsstörungen verarbeitet. Seit 2019 wurde die ungebremste Entnahme aus Wildbeständen durch CITES-Abkommen eingeschränkt. In China gibt es Zuchtfarmen. Der hohe Bedarf wird jedoch weiterhin zusätzlich durch Wilderei gedeckt.


Schon seit Jahrhunderten werden Huftiere werden in der TCM zu Wundermittelchen verarbeitet.


Auch die inzwischen vom Aussterben bedrohte Saiga-Antilope gehört zu den Tieren, deren Bestände durch die ungebremste Jagd an den Abgrund ihrer Existenz bugsiert wurden. Ihre Hörner sollen Fieber und Schwindel heilen. Seit 2019 sind die Saiga-Antilopen geschützt und als Ersatz werden die Hörner der Kropfgazelle, Tschiru, Tibetgazelle, Mongoleigazelle, Przewalski-Gazelle sowie die von Hausziegen und des Hausschafen verwendet.

Zur Erinnerung: Fingernägelkauen hat exakt den gleichen Nutzen - nämlich gar keinen.

Da in asiatischen Ländern Saiga-Horn extrem gefragt ist, wird weiterhin gewildert. Welches Horn wirklich verwendet wurde, lässt sich nur durch DNA-Tests feststellen.


Obwohl Esel nicht zu den gefährdeten Tierarten gehören, sind sie dennoch ein Beispiel, welch großen Sog die TCM auf globaler Ebene verursacht. Eselshaut soll nicht nur als Anti-Aging-Mittel helfen und die weibliche Libido anheizen, sondern auch die Zahl weißer und roter Blutkörperchen erhöhen sowie bei bei Schlaflosigkeit und Tumoren helfen. Im Jahr 2020 wurden geschätzt 4,8 Millionen Eselshäute nach China importiert. Die Bestände der chinesischen Esel wurden bereits auf ungefähr die Hälfte dezimiert. Importiert wird vor allem aus Lateinamerika und Afrika. In Kenia, Tansania und Südafrika wurde in den vergangen Jahren von systematischem Diebstahl der Tiere berichtet. Manch afrikanische Länder (Tansania, Botswana, Niger und Nigeria) haben solche Exporte gestoppt, um ihre Eselsbestände zu erhalten.


Seegurken - Verwandte des Seesterns- gelten in Asien als Delikatesse und wurden schon während der Ming-Dynastie als "Meeres-Ginseng" (Haishen) bezeichnet. Aus Seegurken wird das sogenannte Gamat-Öl hergestellt, welches übrigens frei im Online-Handel, z.B. auf Ebay und Alibaba, erhältlich ist. Präparate aus Seegurke sollen die Wundheilung verbessern, entzündungshemmend, anti-mykotisch und anti-viral wirken. Wie nahezu jedes dritte Zaubermittelchen bekämpft es angeblich auch Tumore. Nur drei der mehr als 40 Seegurkenarten, von denen alle giftig sind, wurden wegen starker Überfischung Anhang II von CITES aufgenommen.


Mindestens 114 TCM-Medikamente enthalten Schildkrötenpanzer verschiedener Arten. Präparate dieser Art sollen Fieber senken, das Yin fördern, PMS reduzieren, Knochen und das Herz stärken. Und natürlich greifen auch hier Männer zu, die um ihre Potenz fürchten. Manche Arten wird sogar nachgesagt, sie können Krebs heilen. Durch diesen völlig rückständigen Aberglauben wurde die Dreistreifen-Scharnierschildkröte so massiv bedrängt, dass die Tiere kaum noch zu finden sind. Die Händler und Wilderer weichen auf verwandte Arten aus, die inzwischen ebenfalls kurz vor der Ausrottung stehen.

So sind zum Beispiel Sumpf- und Weichschildkröten heute extrem selten. Für die TCM werden Schildkröten aus Neuguinea, den USA, Brasilien, Indien und Bangladesch importiert. Die Bestände der indischen Dachschildkröten nahmen dadurch binnen 10 Jahren um 90 % ab.


Nicht nur in Parfüms, sondern auch westlichen homöopathischen Globulis und rund 300 TCM-Präparaten ist Moschus vom Moschushirsch enthalten. Es soll die Durchblutung fördern, das Herz und die Nerven stärken, Unterleibsschmerzen lindern sowie Haut- und Atemwegsinfektionen heilen. Da für die Parfümindustrie inzwischen synthetische Duftstoffe bereitstehen, landen 90% des weltweit verbrauchten Moschus in den Tuben und Tiegeln fernöstlicher (Pseudo-)Medizin. Für die jährlich nach China verbrachten 1.000kg Moschus müssen mindestens 100.000 Hirsche getötet werden. Um an die männlichen Duftdrüsen zu kommen, werden oft irrtümlich auch Weibchen und Jungtiere niedergemetzelt. Alle sieben Moschushirscharten werden auf der Internationalen Roten Liste als stark gefährdet geführt. Dennoch werden Wilderer im Himalaya immer wieder mit den Drüsen der Tiere festgenommen. Für die Wilderer ist das Risiko durchaus lukrativ - für 1kg Moschus erhalten sie rund 30.000 €.


Sowohl der Zwergotter als auch der Indische Fischotter wurden als gefährdet eingestuft. Fell, Leber und die Füße der Tiere werden in der TCM gegen Husten, Asthma, Nachtschwitzen, Verbrühungen, Verbrennungen, rissige Haut und Tuberkulose verwendet.


Haifischflossensuppe gilt als stärkende Delikatesse. Haiknorpel wurde trotz eindeutiger Widerlegung als Mittel gegen Krebs angepriesen. Des weiteren wird Hai jeder Art in der TCM gegen Ödeme, Hämorrhoiden, Tuberkulose, Mandelentzündung (Tonsillitis) und Entzündungen im Rachen verwendet. In der Regel wird den Haien die Rückenflosse bei lebendigen Leib abgeschnitten und das langsam sterbende Tier wie Abfall zurück ins Wasser geworfen. Insbesondere großfinnige Haiarten sind durch Überfischung bedroht. Seit 2003 führt das Washingtoner Artenabkommen 30 Haiarten in Anhang II. Anhang II (EU Anhang B) umfasst Arten, die potenziell vom Aussterben bedroht sind und daher einem kontrollierten Handel unterliegen.


Anfang 2020 bekundete die National Natural Science Foundation of China (NSFC), Forschungsgelder locker zu machen, um die medizinische Verwendung Chinesischer Weißer Delfine zu erforschen. Auch diese Tiere zählen bereits zu den bedrohten Arten.

Öl, Bauchspeicheldrüse, Leber und andere -insgesamt 20- Substanzen von Meeressäugern wie Robben und Delfinen werden in chinesischen Arzneibüchern genannt.



Riesige Nachfrage trotz leidfreier Alternativen


Noch immer hält sich in China und anderen asiatischen Ländern der Glaube an Jinbou. Jinbou bedeutet, dass dich die Eigenschaften eines Lebewesens auf seinen Konsumenten übertragen. Dieser Aberglaube hält sich bis heute. Daher sind Präparate aus Tieren in Asien immer noch beliebter als synthetisch hergestellte Äquivalente. Außerdem sind die Produkte protzige Statussymbole. Wenn ein Nashorn-Drink 1.000 € kostet, können sich Reiche in ihren Kreisen (rücksichtslos) profilieren.

Blühender Schwarzmarkt

Trotz aller internationalen Bemühungen und Gesetze bleibt das Wildern ein lukrativen Geschäft.

Deutsche TCM-Gesellschaften sprechen sich klar gegen die Verwendung geschützter Tiere oder Pflanzen aus. Auch in China haben sich ansässige Berufsverbände verpflichtet keine Rezepturen mit solchen Bestandteilen mehr zu verordnen. Dennoch sind in Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Ländern TCM-Ärzte zu finden, die Hai, Schildkröte oder Seepferdchen an ihre Patienten bringen wollen. Selbst auf Internethandelsplattformen können TCM-Wundermittelchen tierischen Ursprungs ganz bequem per Mausklick bestellt werden. Solange die Nachfrage nach solchen Produkten nicht erlischt, werden sämtliche Regulierungen und Gesetze den Schwarzmarkt nur noch mehr aufblühen lassen - vor allem, wenn es um offiziell verbotene Substanzen geht.


Lediglich 200 der tausenden in der TCM eingesetzten Pflanzen werden kultiviert. Der Rest stammt aus Wildsammlungen, die einzelne Pflanzenarten in Bedrängnis bringen. Doch ganz gleich ob Pflanzen oder Tiere - die massive Nutzung von wildlebenden Arten kann nur zu deren Ausrottung führen.

Leider sorgen die Bemühungen Tiere unter staatlicher Aufsicht für medizinische Zwecke zu züchten nur für grausamste Bedingungen und grenzenloses Leid. Wer moderne Tierversuchslabore schrecklich findet, wird wohl ebenso wenig Begeisterung für die asiatischen Bären-, Schlangen-, Krokodilfarmen aufbringen. Solche Farmen sind unbedingt abzulehnen. Letztendlich fördern solche Industrien und deren Angebote die Nachfrage nach entsprechenden Produkten nur noch mehr. Außerdem werden seltene Wildtiere nicht nur für medizinische Zwecke ausgebeutet und getötet, sondern gelten vielmals auch als Luxus-Delikatesse. Wegen der wachsenden Mittelschicht, die bereitwillig für diesen (verachtenswerten) Luxus zahlt, wird der Bedarf noch weiter steigen. Bei einer Bevölkerung von über 1,412 Milliarden Menschen allein in China kann das keine Tierart verkraften. Gesetze allein reichen also nicht aus - nur ein Wandel des Bewusstseins kann nachhaltig wirken. Nur wenn die Nachfrage sinkt (oder besser noch: vollkommen erlischt) besteht eine Chance, dass Tiere und Pflanzen nicht ausgerottet, misshandelt und ausgebeutet werden.


Anmerkung: Natürlich ist nicht die TCM allein für die Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten verantwortlich. Klar benannt werden müssen als weitere Verursacher die intensive Landwirtschaft und Seenutzung, invasive Arten, der Klimawandel, Umweltverschmutzung und Naturentnahmen. Naturentnahmen von Wildtieren und -pflanzen gilt als eine der fünf größten Gefahren für die weltweite Artenvielfalt (IPBES 2019) . Der Begriff "Naturentnahme" lässt die damit verbundene Brutalität und die schweren Folgen schon fast harmlos klingen. Zu den Naturentnahmen gehören die Fischerei, Tropenholzhandel, Jagd, Lebendfang von Wildtieren als Haus- oder Versuchstiere, und auch die TCM.


2020 veröffentlichte die britische Tageszeitung "The Guardian" einen Artikel mit der Ansage, chinesische Behörden planen Gesetz, um Kritik an der TCM unter Strafe stellen könnte. Bei einem geschätzten Umsatz von umgerechnet fast 375 Mrd. Euro werden entsprechende Maßnahmen schnell verständlich.
2021 wurden Vorschläge im Rahmen des Weltkongress der IUCN , die Verwendung von Wildtieren generell auszuschließen, bereits im Vorfeld gestoppt. Es wurde leider eine viel zu schwache Resolution bestimmt, die bloß vor der Verwendung bereits stark bedrohter Arten warnt.


Was du tun kannst

Frage deinen TCM-Arzt oder Heilpraktikerin, was konkret die von ihm/ihr verordneten Rezepturen enthalten. Lass dir ruhig sämtliche Inhaltsstoffe deklarieren und fragt beim NABU, beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) oder unter der Artenschutzdatenbank nach, ob die tierischen Bestandteile von gefährdeten Arten stammen. Sofern dies zutrifft, weise deine Ärztin oder deinen Heilpraktiker darauf hin, dass diese Arten durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt sind (und/oder such dir direkt jemanden mit anderen moralischen Werten!). Kaufe keine dubiosen Wundermittel im Internet. Vermeintliche Kräuterpräparte wie z.B. Zuo Gui Wan enthalten unter anderem Schildkrötenpanzer (Gui Ban Jiao) und Gelantine aus Hirschhorn. Achte also sehr gut auf die Inhaltsstoffe und/oder lass dich unabhängig (also nicht vom Verkäufer) beraten.


Hier ist eine kleine (nicht vollständige) Übersicht über die chinesischen Namen verschiedener Substanzen von Tieren in TCM-Mitteln:

  • Schuppentier - Chuan Shan Jia

  • Seehundpenis - Hai Gou Shen

  • Bärengall -Xiong Dan

  • Rhesusaffen-Gallenstein -Hou Zao

  • Seegurken-Hai Shen oder Fangcishen bzw. Fangshen

  • Antilopenhorn - Ling Yang Jiao

  • Seepferdchen - Hai Ma

  • Schlangenhaut - She Tui

  • Schildkrötenpanzer - Gui Ban/ Gui Ban Jiao oder Gui Jia

  • Waldfrosch - Ha Shi Ma

  • Nashorn - Xi Jiao

  • Tigerknochen - Hu Gu

  • Tigerleber - Hu Dan

  • Tokeh - Ge Jie

  • Moschus - She Xiang

  • Bahabas Schwimmblase oder Kiemen -Huang Chun Yu Sai

  • Bahabas Schuppen - Huang Chun Yu Lin

  • Saiga Antilope - Lingyangjiao oder Lingyangdan

  • Eselshaut - Ejiao

  • Seegurke - Beche de Mer oder Hai Som

  • Hirschhorn-Gelantine - Lu Jiao Jiao

  • Leopardknochen - Baogu

  • Otterleber - Shuitagan oder Tagansan

  • Otterfell - Tapimao

  • Otterfüße - Tasizu

  • Hai (Fleisch) - Shayurou

  • Hai (Haut) - Shayupi

  • Hai (Gallenblase) - Shayudan


Fazit

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation die TCM vor wenigen Jahren anerkannt hat, bewegt sie sich weiterhin oft im Bereich der Mythen. Die Anerkennung der TCM befeuerte die Nachfrage nach entsprechenden Produkten enorm. Es ist endlich an der Zeit die TCM von Aberglauben und damit verbundener Vernichtung von Ressourcen und Tierpopulationen zu befreien. Stattdessen sollte nur auf nachhaltig angebaute Pflanzen sowie mineralische Präparate und synthetische Äquivalente für die chinesischen Arzneirezepturen zurückgegriffen werden. Und wer immer noch daran glaubt, dass der Verzehr von Tierpenissen dem eigenen Schlappsch***** einen jugendlichen Frühling bescheren könne, hat vermutlich eher einen Psychiater nötig. Die eigene Gesundheit steht nicht über dem Wohl anderer Leben.