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Ein paar Worte über gelebte Heimatliebe - oder "Wozu sollen wir regionale Lebensmittel kaufen?"

Früher galten exotische Speisen als Statussymbol. Heutzutage ist der Kauf regionaler Lebensmittel Ausdrucksform eines nachhaltigen Lebensstils. Nahrungsmittel, die in der derselben Region verbraucht werden, in der sie erzeugt wurden, gelten als besonders frisch und ihr Anbau als umweltfreundlich. Doch ist "regional" wirklich besser, oder handelt es sich auch wieder bloß um Augenwischerei?


Umweltfreundlichkeit

Viele Menschen glauben, Lebensmittel aus der Region seien immer umweltfreundlicher als Importware.

Diese weit verbreitete Annahme darf stark hinterfragt werden. Es ist durchaus möglich, dass Fleisch von freilaufenden Rindern aus Argentinien trotz der langen Transportwege weniger Treibhausgase produziert, als die Intensivtierhaltung in lokalen Kleinbetrieben.


Dennoch sind die kürzeren Transportwege von regionalen Produkten ein gutes Argument. Dadurch wird nicht nur weniger Energie verbraucht, auch die Luftverschmutzung fällt geringer aus. Doch auch hier müssen wir sehr genau hinschauen. Denn es gibt keine klare Definition, wann ein Produkt als regional bezeichnet werden darf. Rohstoffe oder Futtermittel stammen oft aus ganzen anderen Regionen oder gar Ländern und haben dann eben doch keine gute Öko-Bilanz. Deklarationen fehlen, daher ist es nur schwer nachvollziehbar, wie regional ein Endprodukt wirklich ist. Konsumenten in der (Mit-)Verantwortung: Fahren Konsumenten dann noch mit dem SUV einige Kilometer extra bis zum Hofladen, um die vermeintlich umweltfreundlichen Lebensmittel aus der Region zu kaufen, war's das wieder mit der schönen Ökobilanz.


Regionale Produkte sind nicht gleichzusetzen mit Bio-Produkten und deshalb nicht unbedingt frei von unerwünschten Stoffen. Stammen regionale Produkte aus konventionellem Anbau, so werden Waren eingekauft, die mit Pestiziden belastet sind. Auch hinter Ab-Hof-Verkäufen von Eiern, Milch, Eis oder Fleisch können jede Menge Tierleid und umweltbelastende Praktiken stecken. Massentierhaltung betreiben nun mal auch die Bauern "ums Eck". Hier gilt also: Augen auf! Frag ruhig beim Erzeuger nach, wie Haltungs- oder Anbaubedingungen aussehen.


Oft kommen regionale Produkte mit weniger Verpackungsmaterial aus, da sie nur kurz transportiert und rasch verzehrt werden. Klares Plus!


Verbrauchertäuschung

Bezeichnest du einen Orangensaft, der zu ca. 80% aus lokal gewonnenem Trinkwasser und nur zu ca. 20% aus Orangensaftkonzentrat besteht, als regionales Erzeugnis? Was ist mit einem Hamburger-Pattie, für das Rindfleisch aus Deutschland verwendet wurde, das Tier aber mit Soja aus Südamerika gefüttert wurde? Klingt nicht mehr so regional, wie wir es gern hätten. Noch verwirrender wird es beim "Schwarzwälder Schinken" (geschützte geographische Angabe laut Verordnung (EG) Nr. 628/2008), für den Rohware auch aus anderen Ländern importiert werden darf. Lübecker Marzipan, Schwäbische Spätzle oder Düsseldorfer Senf sind weitere Beispiele für Artikel, die regional klingen, es aber nicht sind. Produktbezeichnungen sagen also nichts darüber aus, ob die Rohstoffe aus der genannten Region stammen. Natürlich gibt es auch ehrliche Regionalmarken.


So erkennst du regionale Produkte

Eier

Auf Eiern findest du einen Code, z.B. x-DE-05 xxxx. An diesem Code kannst du das Herkunftsland, das Bundesland und die Haltungsbedingungen erkennen. Die Verbraucherzentrale hat alle wichtigen Infos dazu hier >>> zusammengefasst.


Regionalfenster

Unter dem Label Regionalfenster >>>. werden Aussagen zur Herkunft der eingesetzten landwirtschaftlichen Zutaten, zu dem Ort der Verarbeitung und dem Anteil der regionalen Rohstoffe getroffen. Optional kann die Herkunft der landwirtschaftlichen Vorstufen (z. B. Futtermittel, Saatgut) angegeben werden. Jedoch sind Aussagen zur Art der Erzeugung (z. B. fair, nachhaltig, ökologisch, ohne Einsatz von Gentechnik, tiergerecht) hier leider nicht zugelassen. Aus meiner Sicht ist dieses Label nicht allzu hoch einzuschätzen, .