Heimische vs exotische Beeren
- 31. Aug. 2023
- 5 Min. Lesezeit
Mutter Natur verwöhnt uns monatelang mit köstlichen Beeren. Im Frühjahr schlemmen wir Erdbeeren, im Sommer Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren gibt es meist bis in den Herbst hinein. Klima und Natur bescheren uns hierzulande eine Vielfalt und Qualität, wie sie sich andere Länder nur wünschen können.
Trotz der heimischen, natürlichen Vielfalt regieren Kulturpflanzen die Regale in den Supermärkten - und diese stammen oft aus weit entfernten Ländern. Zudem locken Internetportale und Geschäfte mit exotischerem Obst. Doch was taugen die exotischen Köstlichkeiten? Hier ein Überblick über die gängigsten Exoten unter den Beerenfrüchten:
Açaí
Die schwarz-violette Beere wird als Anti-Aging-Wundermittel verkauft. Sie soll reich an Antioxidantien und entzündungshemmenden Substanzen sein. Nennenswert ist der hohe Gehalt an Anthocyan, dem eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, sog. Bioflavonoide, die in blauen, violetten oder roten Gemüsearten und Früchten vorkommen. In Europa sind Açaíbeeren nur als Pulver, Saft, Fruchtmark oder Sorbet erhältlich, denn die frischen Beeren müssen innerhalb von 24 Stunden nach der Ernte verarbeitet werden.
💡Auf Açaí kann man getrost verzichten, denn unsere heimischen Beeren, z.B. Heidelbeere und Schwarze Johannisbeere, enthalten sogar deutlich mehr Antioxidantien. Und sie belasten die Umwelt weniger, da die Transportwege viel kürzer sind.
Acerola-Kirsche
Ebenfalls aus Mittel- und Südamerika stammend ist die kleine rote Frucht tatsächlich eine kleine Vitaminbombe. Im Internet wird gern behauptet, sie bringt bis zu 3.000 mg Vitamin C pro 100 g Frucht. Die USDA nennt 1680 mg – was immer noch sehr viel ist.
💡 Wer auf lange Transportwege verzichten möchte, greift zu Sanddorn, der mit 200 bis 1.300 Milligramm (mg) Vitamin C pro 100 g Beeren punkten kann.
Übrigens: der täglicher Vitamin C Bedarf bei Erwachsenen liegt bei 110 mg
Amla Beere (Amalaki)
Die "indische Stachelbeeren" sind die Früchte des Amlabaums (Emblica officinalis). Amla Beeren reich an Vitamin C und gilt im Ayurveda als Rasayana (d.h. sie wirkt verjüngend). Ihre Wirkstoffe sollen den Darm reinigen, die Immunkraft stärken und Haut und Haare strahlen lassen. Nicht nur der Ayurveda, auch das Unani-Medizinsystem verwendet diese Frucht. Unani ist ein ureuropäisches Medizinsystem, bei dessen Entstehung Ärzte aus dem alten Ägypten, aus Mesopotamien, Babylon und Griechenland mitwirkten. Traditionell werden Amla Beeren zur Behandlung von Blutungen, Durchfall und Ruhr eingesetzt. Der Ayurveda werden Frucht, Samen, Blatt, Wurzel, Rinde und Blüte verwendet. Tatsächlich ist die Pflanze recht gut untersucht, Studien belegen, dass E. officinalis eine potenzielle antioxidative Wirkung besitzt. Sie enthält Tannine, Phyllembelsäure, Phyllemblin, Rutin, Curcuminoide und Emblicol. Die therapeutische Wirksamkeit von Amla bei chronische Beschwerden im Oberbauch wurde in älteren Studien evaluiert – durchaus mit vielversprechenden Ergebnissen am Menschen. Die immer wieder angekündigte cholesterinsenkende Wirkung wurde trotz Studien nicht belegt.
Gut zu wissen.: Roh sind die Beeren nicht genießbar, sie haben einen sehr sauren, bitteren Geschmack und werden deshalb zumeist in Salzwasser eingelegt oder zu Pulver oder Chutney verarbeitet.
Natürlich gibt es heimische Alternativen, um Durchfall und Bauchweh zu behandeln. Zu exotischen Amlaprodukten muss daher nicht gegriffen werden.
Ashwagandha
Ashwagandha wird im Ayurveda als Aphrodisiakum für Männer eingesetzt. Eine Studie zeigte, dass die Beere tatsächlich das Testosteronlevel anheben kann. Doch eine einzige Studie ist, wissenschaftlich gesehen, noch kein Beweis. Wahrscheinlich beeinflusst die Frucht die Sexualkraft indirekt über seine angstlösenden, stresssenkenden, antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Das indische Wundermittel soll Müdigkeit, Kreislaufschwäche und Angststörungen beseitigen. Wegen ihrer schlaffördernden Wirkung wird sie auch Schlafbeere genannt. Die Bitterstoffe der Pflanze unterstützen die Leber in ihrer Funktion. Hierzulande ist Ashwagandha meist als Pulver erhältlich. Die exotische Frucht ist reich an Withanoliden. Zu den Withanoliden zählen rund 300 sekundäre Pflanzenstoffe, welche hauptsächlich Nachtschattengewächsen vorkommen.
❌ Personen mit Schilddrüsenüberfunktion, Autoimmunerkrankungen, schwangeren und stillenden Frauen sowie Kindern unter 16 Jahren wird von der Einnahme von Ashwagandha abgeraten.
💡Natürlich gibt es Alternativen. Welche dies sind, hängt davon ab, was du bewirken möchtest. Hopfen, Baldrian, Zitronenmelisse, Lavendel und Passionsblume können den Schlaf fördern; eine optimierte Ernährung steiger die Libido und Ginseng, Schisandra, Rhodiola Rosea und der chinesische Raupenpilz überschneiden sich mit manchen der Wirkungen von Ashwagandha.
💀In der letzten Zeit häufen sich die Berichte, dass Ashwagandha Leberprobleme verursachen würde. Ja, die Einnahme von Ashwagandha über einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten oder große Einzeldosen können zu Magenbeschwerden, Durchfall, Erbrechen, Hautirritationen, Brennen und Juckreiz, Pigmentierung und in seltenen Fällen zu Leberproblemen führen. Hier ist der Punkt: Menschen lesen über vermeintliche Superfoods im Internet und nehmen völlig unbedacht exotische Substanzen zu sich. So funktioniert der Ayurveda jedoch nicht. Ashwagandha ist eine wertvolle Heilpflanze, doch sie ist nicht für jeden geeignet und sollte richtig dosiert werden. Der Ayurveda betrachtet jeden Menschen in seiner Individualität, daher können die Werbeversprechen für Ashwagandha niemals den Anspruch erfüllen, für jeden geeignet zu sein. Lass dich vor der Einnahme von einem Ayurveda Experten beraten!
Büffelbeere
Das orange-rote Superfood aus den USA lässt sich wie Rosinen trocknen oder zu Kompott verarbeiten. Seit kurzem wird die Pflanze intensiv erforscht. Dabei steht der Lycopin, ein hitzebeständiges Carotinoid, im Mittelpunkt. Lycopin zählt zu den Antioxidantien, ist fettlöslich und kommt in allen roten und orangefarbenen Früchten und Gemüse vor. Lycopin wird eine zellschützende Wirkung zugeschrieben. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Pflanzenstoff das Risiko, an Krebsarten wie Lungen-, Magen- und Prostatakrebs zu erkranken, reduzieren kann.
Die Büffelbeere ist ein Wildobst, das schon von den amerikanischen Ureinwohnern zu Heilzwecken verwendet wurde. Sie ist mit dem bei uns heimischen Sanddorn verwandt.
💡Hagebutten, Sanddorn und Tomaten sind hervorragende Alternativen zur Büffelbeere.
Moltebeeren
Die wild wachsenden Moltebeeren ähneln optisch unseren heimischen Brombeeren, jedoch leuchten sie orange-gelb. Sie stammen aus Lappland, Schottland und dem Baltikum. Die kleinen Beeren zählen aufgrund des geringen Angebots zu den teuersten Wildbeeren der Welt. Sie sind das Wahrzeichen Lapplands, kommen aber auch in Schottland und den baltischen Staaten vor. Im Gegensatz zu anderen Exoten können sie roh oder verarbeitet genossen werden. Moltebeeren sind reich an Vitamin A, B, C und E und deshalb hilfreich bei Vitaminmangel, Stoffwechselstörungen und Erkältungen. Sie wirken harntreibend und normalisieren die Verdauung.
💡Um die Wildbestände zu schonen, darf gern zu heimischen Beeren gegriffen werden. Erdbeeren wirken ebenfalls leicht harntreibend.

Heimische Beeren: saisonales Superfood aus der Region
So verständlich der Wunsch nach Abwechslung und neuen Gaumenfreuden auch ist, nicht alles, was neu und exotisch ist, ist zwangsläufig auch besser. Wenn es darum geht, Produkte zu verkaufen, setzen Marketingexperten entsprechende Trigger, ohne den Mehrwert oder gesundheitlichen Nutzen der vermeintlichen Superfoods belegen zu müssen. Dementsprechend einseitig fallen die Darstellungen aus. Neben den langen, umweltfeindlichen Transportwegen sprechen vor allem das hohe Risiko von Überempfindlichkeitsreaktionen oder Allergien auf die exotischen Lebensmittel gegen diese neuen Superfoods. Zu beachten ist auch, dass die Exoten die langen Lieferwege überstehen müssen und daher sehr oft unreif geerntet werden, damit sie dann nachreichen. Auch der Anbau erfolgt oft in Monokulturen unter Anwendung von Pestiziden und Insektiziden, mit oftmals mangelhaften Umweltstandards in den Anbauländern.
Heimische Beeren aus ökologischem Anbau zu verzehren, scheint deutlich sinnvoller. Und mal ehrlich – die Beerenvielfalt hierzulande ist grandios! Unsere heimischen Früchte liefern wertvolle Vitalstoffe und stehen den Exoten in nichts nach. Du brauchst nur einen Blick auf die beliebten Erdbeeren zu werfen. Sie sind reich an Vitamin C und Kalzium, Kalium, Eisen, Zink sowie Kupfer. Auch sie enthalten den Pflanzenfarbstoff Anthocyan. Im Jahr 2013 zeigte eine Studie Harvard School of Public Health, dass Erdbeeren das Potenzial das Herzinfarkt-Risiko um bis zu 1/3 senken. Die Studie wurden an über 93.000 Frauen durchgeführt.
Tipp: Die meisten Beeren sind gut zum Einfrieren geeignet. Leg dir also gern im Sommer einen Vorrat für den Winter an. Friere reife, feste Beeren direkt nach der Ernte ein. So bleiben die Nährstoffe am längsten erhalten. Heidelbeeren, Rote und Schwarze Johannisbeeren, Brombeeren und Himbeeren sind sehr gut zum Einfrieren geeignet. Erdbeeren werden nach dem Auftauen leider matschig. Du kannst sie jedoch pürieren und wie Eiswürfel einfrieren.




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