Reparatur- und Langlebigkeitsenzyme: Sirtuine

Anfang der 1990er Jahre entdeckte der Biologe Dr. David Sinclair (Harvard Universität) das erste Sirtuin während seiner Forschung an Hefen. Dabei erkannte er, dass das Sirtuin SIRT2 ("Silent information regulator 2"), die Lebensdauer der Hefe verlängert. 2018 wies Prof. Katrin Chua (Stanford Universität) nach, dass Sirtuine also auch bei Säugetieren, also auch beim Menschen, eine wichtige Rolle bezüglich der der Lebensspanne spielen. Um die Wichtigkeit dieser Erkenntnisse begreifen zu können, ist es hilfreich zu verstehen, warum wir eigentlich altern. Vereinfacht gesagt bedeutet altern einen Funktionsverlust von Zellen. Umwelteinflüsse, unseren Lebensstil, unsere Ernährung, freie Radikale, Nikotinkonsum, UV- und Röntgenstrahlen, Gifte und vieles mehr schädigen tagtäglich die DNA unserer Zellen. Die dadurch entstehenden Mängel werden als "epigenetisches Rauschen" bezeichnet. Umso mehr funktionsuntüchtige oder fehlerhafte Zellen sind sich im Körper anhäufen, desto mehr altert der Mensch. Auch der "Verschleiß" des Erbguts bei jeder Zellteilung trägt zum Altern bei. Soweit handelt es sich also um teils natürliche Prozesse. Können Sirtuine Einfluss auf die Zellalterung nehmen? Ja!


Sirtuine sind Enzyme aus der Gruppe der Histon-Deacetylasen (HDAC). HDCA sind sozusagen die Verpackung der DNA und sind unter anderem an der DNA-Reparatur beteiligt, steuern epigenetische Prozesse und kontrollieren den Zellzyklus. Sirtuine sind also maßgeblich an der Entwicklung des Organismus beteiligt. Sie beeinflussen z.B. den Muskelaufbau, die Fettverbrennung und die Abwehr von altersbedingten Krankheiten. Dies funktioniert, in dem sie bestimmte Gene an- und ausschalten. Darüber hinaus reduzieren sie Entzündungsreaktionen und verlangsamen die Alterungsprozesse der Zellen. Sie steuern sogar die Fruchtbarkeit. Zur Zeit sind 7 verschiedene Sirtuine des Menschen bekannt.

  • SIRT1, SIRT6, SIRT7 sind für die Steuerung von Epigenom* und DNA-Reparatur wichtig.

  • SIRT3, SIRT4, SIRT5 liegen in den Mitochondrien (die "Kraftwerke" der Zellen) und steuern den zellulären Energiestoffwechsel.

  • SIRT2 steuert die Zellteilung und sorgt für die Produktion von Eizellen.

Ihre wahrscheinlich wichtigste Aufgabe ist aber wohl die Reparatur von Schäden im Erbgut der Zellen, wodurch die Sirtuine unter anderem für die Krebsprävention besonders interessant sind. Jedoch ist bislang noch unklar, welche Krebsarten durch die Sirtuine gefördert und welche unterdrückt werden. Auch für die Behandlung von degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson sind die Funktionen der Sirtuine von Bedeutung. Zum Beispiel verlangsamen bestimmte Sirtuine den natürlichen Zelltod - das ist prima für Neuronen, die sich normalerweise nicht teilen und wieder regenerieren. Problematisch ist dies jedoch für sich schnellteilende Zellen, denn dadurch lässt sich aggressiver Krebs nicht so leicht loswerden. Altersabhängige, oft mit Fettleibigkeit in Zusammenhang stehende Krankheiten wie Diabetes, und verschiedenen Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, können durch die Aktivität der Sirtuine verzögert werden.


Sirtuine für Langlebigkeit aktivieren

Bewegungsmangel sowie Über- und Fehlernährung hemmen Sirtuine. Aktiviert werden sie hingegen durch Bewegung, Kalorieneinschränkungen (z.B. Fasten) und durch Lebensmittel, deren sekundäre Pflanzenstoffe sirtuinaktivierend wirken. Sie werden auch als "Sirtfoods" bezeichnet. Dazu zählen Äpfel, Heidelbeeren, Himbeeren, Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Radicchio, Blaubeeren, dunkle Trauben, Kurkuma, Rucola, Tomaten, Sellerie, Petersilie, Brokkoli, Walnüsse, Cashewkerne, Kohlgemüse, Grüner Tee, Kaffee, Trauben, Chilischoten, Liebstöckel, Datteln, Knoblauch, rote Zwiebeln, Kakao etc. Für einige Sirtuine (Sirt 3 und Sirt 6) wurde nachgewiesen, dass sie den Alterungsprozess bremsen können. Daher ist es in einer immer älter werdenden Gesellschaft wünschenswert, die eigene Ernährung so anzupassen, dass das zunehmende Alter möglichst vital und gesund erlebt wird. Lass uns einen Blick auf Beerenobst als Stirfoods werfen.

Beerenobst Erfrischende Blaubeeren, Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren sind wohl das leckerste Sommerobst überhaupt. Neben einer großen Portion Ballaststoffen, die dem Darm gut tun, enthalten sie zudem noch eine geballte Portion gesundheitsfördernde, sirtuinaktivierende Substanzen. Sekundärer Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Anthocyane wirken zudem entzündungshemmend, antioxidativ und blutdruckregulierend. Erdbeeren haben einen wesentlich höheren Vitamin C-Gehalt als Zitrusfrüchte. In ihnen enthaltene Ferula- und Ellagsäure gelten als krebshemmend. Auch Himbeeren enthalten diese natürlichen Substanzen. Blaubeeren haben neben den bereits genannten gesundheitlichen Eigenschaften noch weitere auf Sirtuine wirkende Inhaltsstoffe. Sie beeinflussen den Cholesterinspiegel positiv und wirken somit präventiv Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen. Auch in der Alzheimer Forschung wird die Wirkung der Blaubeere genauer unter die Lupe genommen. Darüber hinaus wirken die heimischen Blaubeeren genauso präventiv gegen Harnwegsinfektionen wie die von weither transportieren Cranberries.

Beeren lassen sich ganz leicht vermehrt in die tägliche Ernährung integrieren - ob pur als Snack, als Smoothie, in Dips, Kuchen, Saucen oder im Müsli und Salat - Beerenobst ist eine vielseitige und geschmacksvolle Ergänzung.


Adele macht es vor - oder doch nicht?

Mit der Stirfood-Diät hat die britische Sängerin Adele (angeblich) 45kg verloren. Ob wirklich diese radikale Diät oder das Sportprogramm unter Begleitung von Personal Trainern der Schlüssel ihres Gewichtsverlusts ist, lässt einige Vermutungen offen. Wie auch immer - von einer Stirfood-Diät ist abzuraten. Wie bei jeder Low-Carb-Diät kann es schnell zu Nährstoffmängeln (vor allem Vitamin B12, Vitamin D, Selen oder Jod), Energiemangel und damit verbundenen Heißhungerattacken kommen. Schnell findest du dich in einer Endlosschleife aus Hungern und Essen wieder. Auch der radikale Kaloriendrop auf gerade mal 1000 Kalorien kann viele Menschen wörtlich aus den Latschen kippen lassen. Auch die später angepeilten 1800 Kalorien sind viel zu pauschal angesetzt und berücksichtigen persönliche Umstände nicht. Erschöpfungszustände, Schlappheit, Kopfschmerzen oder Infektanfälligkeit sowie Funktionsstörungen können sich schnell bemerkbar machen und den gesamten Stoffwechsel lahmlegen.


Wenn du deine Sirtuine aktivieren möchtest, iss lieber mehr der richtigen Nahrungsmittel. Außerdem aktiviert auch Bewegung die wichtigen Enzyme. Bereits 5 mal pro Woche eine halbe Stunde mäßiger Sport reicht aus, um die Zellverjüngung anzukurbeln. Messbar ist dies an der Telomerlänge. Telomere sind die Endkappen der Chromosomen und ihre Länge bestimmt, wie oft sich eine Zelle noch teilen und somit leben kann. SIRT1 und SIRT6 tragen zur Verlängerung der Telomere bei. Körperliche Anstrengung aktiviert genau diese Sirtuine. Allgemein lässt sich festhalten, dass Sirtuine Teil des menschlichen Überlebenskonzepts sind und als unsere Langlebigkeit regulieren. Sirtuine werden immer dann besonders aktiv, wenn der Körper glaubt, er muss dringend etwas tun, um zu überleben. Das passiert, wenn bei Nahrungsknappheit, Umweltstress und körperlicher Belastung. Daher aktivieren auch Fasten und Intervallfasten, Kältereize und Bewegung die Sirtuine.




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