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Ricarda, du isst ja kein Fleisch. Muss ich jetzt auch Vegetarier oder Veganer werden?

Da diese Frage immer wieder gestellt wird, fasse ich zu diesem "Schreckensthema" einige Gedanken zusammen. Ich selbst ernähre mich seit meinem 12. Lebensjahr vegetarisch. Zwischendurch 9 Jahre lang konsequent vegan und aktuell wieder überwiegend vegetarisch. Sehr oft koche ich vegan, jedoch nicht unter dem Dogma dies um jeden Preis tun zu müssen. Aktuell sind dies also 26 fleischfreie Jahre. Genug Zeit, um sich mit dem Thema sehr detailliert auseinander zu setzen.


Direkt vorweg - Du musst sowieso überhaupt gar nichts! Und auch das Konzept Bewusst.Gesund.Leben. besteht nicht aus Normen, Zwängen oder Dogmen ganz gleich aus welcher Richtung sie stammen.

Bewusst.Gesund.Leben. holt dich dort ab, wo du gerade stehst und hat DEIN Ziel im Blick. Wenn es nicht dein Ziel ist Vegetarier oder Veganer zu werden, dann wird dies auch nicht Gegenstand der Ernährungsberatung sein.


Ganz gern wird in der "Veggie-Szene" der Vergleich zwischen Mensch und Tier gezogen, um zu verdeutlichen, Menschen seien keine Fleischesser bzw. brauchen auf keinen Fall Fleisch. Besonders die Länge des Darms und die Form der Zähne werden häufig verglichen. Da nur die wenigsten wissen, dass selbst typische Pflanzenfresser wie Hirsche, Wildschweine, Rentiere, Hirschferkel und sogar Menschenaffen wie Schimpansen und Orang-Utans eben doch tierische Kost zu sich nehmen, teilweise sogar gezielt jagen, wissen jedoch nur wenige. Sogar Giraffen und Elefanten wurden beobachtet auf Knochen zu kauen, um vermutlich Nährstoffdefizite auszugleichen.


Grundsätzlich sind Nahrungsmittel tierischen Ursprungs für Menschen sehr wertvoll. Unsere Urahnen haben Früchte, Kräuter, Wurzeln, Pilze, Eier und Aas verzehrt. Als sie das Jagen lernten, kamen auch frisches Fleisch und frischer Fisch hinzu. Dank Nahrungsmittel tierischen Ursprungs konnten sie sich besonders gut entwickeln. Vor allem das große menschliche Hirn musste ständig mit Energie versorgt werden. Dass diese Nahrungsmittel im Kern sehr gesund sind, lässt sich an den nativen (Busch-)Völkern, die heute noch existieren, sehen. Krankheiten, die angeblich dem Fleischkonsum geschuldet sind, sind bei nativen Völkern nicht zu beobachten. Als Beispiel seien die Tsimane, ein indigenes bolivianisches Volk, genannt. Sie lebten jahrzehntelang abgeschottet und ernährten sich nur von Lebensmitteln, die sie selbst angebaut, gejagt oder gesammelt hatten. In einer Studie bezüglich Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen werden die Tsimane zur gesündesten Population weltweit erklärt. Auch die Inuit verzehren extrem viel Fleisch und Fisch, da in ihrer Heimat der Anbau von Pflanzen einfach nicht möglich ist. Auch nomadisch lebende Völker wie Massai und die Hunnen gelten als robust und gesund.


ABER MOOOOOOMENT!

Wir leben weder in Höhlen noch im Dschungel. Und auch nicht in der Kalahari. Diese Menschen leben gänzlich anders als wir in der modernen Zivilisationsgesellschaft. Sie leben im Rhythmus der Natur, überfressen sich nicht, stopfen keine Chips & Co in sich hinein, bewegen sich viel mehr als wir und, und, und. Daher lassen sich Vergleiche nur bedingt herstellen. Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist die Qualität der Nahrungsmittel. Es macht zweifellos einen riesigen Unterschied ob ein Massai eines seiner freilaufenden Rinder schlachtet, ob ein Awá einen Tapir erlegt oder ob du im Supermarkt das billige Antibiotika-Steak aus Massentierhaltung eines vergasten Schweines, das nie in seinem Leben Tageslicht gesehen hat, kaufst.


GRUNDSÄTZLICH IST FESTZUHALTEN....
  • Fleisch liefert gute Proteine in hoher biologischer Wertigkeit. Außerdem Vitamin B12, B1, B6 sowie sehr gut absorbierbares Eisen, Zink und Selen.

  • Fisch ist reich an leicht verdaulichen Proteinen, lebensnotwendige und gesundheitsfördernde Fettsäuren und Mineralstoffen (Seefische -> vor allem Jod). Auch die Vitamine A, D, E und K sowie die wasserlöslichen B-Vitamine stecken im Fisch.

  • Milch ist eine hervorragende Quelle für Kalzium, Phosphat, Magnesium, Zink, Vitamin A, B2, B12, D, Folsäure, Jod und Fluorid.