Soja - Wunderbohne oder Sondermüll?

Soja und mit Soja angereicherte Lebensmittel sind nicht nur in veganen Kreisen ein großer Trend. Auch andere umwelt- und gesundheitsbewusste Menschen, Sportler und Frauen in den Wechseljahren greifen zur Proteinquelle Soja.

Woher stammt die Sojabohne?

Die Sojapflanze gehört zur Familie der Hülsenfrüchte und zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler. Vermutlich wurde die Sojabohne bereits vor 5.000 Jahren in China angebaut und verbreitete sich über Japan und Südostasien. Erst im 18. Jahrhundert wird Soja in den westlichen Ländern erwähnt und erst nach dem 2. Weltkrieg erlangt sie den Ruhm des Eiweißlieferanten. Als Ölquelle für Margarine und als Futter bei der Tiermast ist Soja heute kaum noch wegzudenken.



Problematisch: die Art des Anbaus

Insbesondere in Südamerika werden die Pflanzen in riesigen Monokulturen kultiviert und drängen dadurch

schützenswerte Regenwaldflächen unnachgiebig zurück. Dabei handelt es sich überwiegend um gentechnisch veränderte Sojabohnen von Unternehmen wie dem in massiver Kritik stehendem Konzern Monsanto.


Seit 1996 ist gentechnisch verändertes Sojasaatgut auch in Europa zugelassen. Sojaprodukte für den menschlichen Verzehr kommen nach Angaben der Hersteller wie z.B. Alpro meist aus Europa.

Etwa 80 % der weltweiten Sojaernte besteht bereits heute aus gentechnisch

veränderten Sojabohnen. In Amerika sind es sogar an die 90 %, in Argentinien wird bis auf 1 % ausschließlich Gen-Soja angepflanzt. Nachgewiesen ist, dass diese Pflanzen gegen bestimmte Herbizide resistent sind, jedoch immer mehr Herbizide zum Einsatz kommen und somit Boden und Grundwasser schädigen. Landbau muss nachhaltig und umweltverträglich sein, denn nur dies garantiert den Erhalt der Arten und der Sortenvielfalt. Natürliche Lebensräume sind schützenswert, nicht nur für unsere Generation, sondern auch für alle nachfolgenden. Sojakonsum und ein umweltbewusstes Leben lassen sich nur schwer vereinen.

Auch die Folgen für uns Menschen sind nicht kalkulierbar, denn wie sich der Verzehr gentechnisch veränderter Pflanzen auf die menschliche Gesundheit auswirkt, wird nicht untersucht. Vermutet wird jedoch, dass mit gentechnisch die Entstehen neuer Allergien und weiterer Antibiotikaresistenzen begünstigt werden. Die in den gentechnisch veränderten Pflanzen enthaltene Antibiotikaresistenzgene können sich auf Bakterien im menschlichen Darm übertragen. Dadurch besteht das Risiko, dass immer mehr Antibiotika unwirksam werden.


Soja
Foto: Meredith Petrick on unsplash


Was steckt in der Sojabohne?

Soja ist weltweit bekannt als hervorragender Eiweiß-Lieferant. Außerdem bietet die Sojabohne auch einen hohen Anteil an Mineralstoffen wie Magnesium, Eisen, Zink und Kalium und Vitamine Vitamin E und verschiedene B-Vitamine. Sojabohnen sind zudem frei von Cholesterin. Hier findest du eine Auflistung der Inhaltsstoffe pro 100g getrocknete Sojabohnen:

• Energiewert: 322 Kcal / 1.364 KJ • Wasser: 8,5 g • Eiweiß: 33,7 g • Fett: 18,1 g • Kohlenhydrate: 6,1 g • Ballaststoffe: 15,2 g • Carotinoide: 0,38 mg • Niacin: 2,5 mg • Panthothensäure: 1,9 mg • Natrium: 4 mg • Kalium: 1.740 mg • Kalzium: 255 mg • Magnesium: 245 mg • Eisen: 8,6 mg • Phosphor: 590 mg • Vitamin B1: 1 mg • Vitamin B2: 0,5 mg • Vitamin B6: 1,2 mg Getrocknete Sojabohnen werden übrigens ähnliche wie andere Hülsenfrüchte, bspw. Bohnen, Kichererbsen, etc. zubereitet.


Was die Nährstoffangaben nicht verraten

In vielen Lebensmitteln sind Zutaten und Zusatzstoffe enthalten, die oft aus Sojaproteinen hergestellt sind - Mayonnaise, Margarine, Schokolade, Kekse, Speiseeis u.v.m. Sogar Ersatzmilch für Säuglinge wird angeboten, obwohl nachgewiesen wurde, dass Sojakonsum im Kindesalter das Wachstum hemmt und die Bildung von Kropf fördert. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Sojabohne gelten bei Kritikern als eine Erfindung der Nahrungsmittelindustrie. Studien und Tierversuche weisen darauf hin, dass ein hoher Sojakonsum das Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken erhöht und viele weitere Krankheiten begünstigt. In den Tierversuchen werden die Tiere jedoch mit isolierten Stoffen in extrem hoher Dosis behandelt. Daher lassen sich solche Versuche nicht 1:1 auf den üblichen Konsum durch einen Menschen übertragen.



Macht Soja also krank?

Nicht alles was rein pflanzlich ist, ist auch automatisch gesund. Im Zusammenhang mit Soja gibt es unzählige Studien, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Soja auf unseren Körper auseinandersetzen. Nachstehend folgt eine möglichst neutrale Zusammenfassung dieser Erkenntnisse.



#1 Phytinsäure und Lektine

Bei der Sojabohne handelt es sich um eine Hülsenfrucht. Wie alle Hülsenfrüchte enthält somit auch Soja viele natürliche Stoffe, die gesundheitliche Vor- und Nachteile für uns Menschen haben. Phytinsäure steckt in Vollkorngetreide, Saaten, Hülsenfrüchten und Nüssen. Soja enthält besonders viel davon.


Das Wachstum von Kindern, die mit Nahrungsmitteln mit einem hohen Phytinsäuregehalt aufwachsen, wird nachweislich gehemmt. Dipl. Sozialwiss. Nina Reese schreibt für Heilpraxisnet (09. 06.2017):

"Für die Untersuchung hatte das Team um den Mediziner vom St. Michael’s Hospital in Toronto die Größendaten von insgesamt 5.034 Kindern zwischen zwei und sechs Jahren ausgewertet. 92 Prozent der Probanden tranken täglich Kuhmilch, 13 Prozent ausschließlich die pflanzlichen Varianten. Das Team kam zu dem Ergebnis, dass ein Kind umso kleiner ist, je weniger Kuhmilch es konsumierte. Demnach seien Dreijährige, die täglich drei Tassen Milch à 250 ml aus Soja, Mandeln oder Getreide tranken, im Mittel um 1,5 Zentimeter kleiner als Altersgenossen, die ebenso viele Tassen Kuhmilch zu sich nahmen. Kinder, die sowohl Kuhmilch als auch pflanzlichen Ersatz bekamen, waren im Vergleich mit Gleichaltrigen ebenfalls im Mittel kleiner.

Phytinsäure bindet Mineralien wie Zink, Kalzium, Eisen und Magnesium, sodass der Körper diese nur schwer verwerten kann. Zeitgleich gilt Phytinsäure antioxidativ, krebshemmend und knochenstärkend.

Phytinsäure findet sich in der rohen Sojabohne. Niemand aber isst rohe Sojabohnen.

Durch das Einweichen und Fermentieren der Sojabohnen vor der Weiterverarbeitung zu Sojamilch und Tofu wird die Menge der Phytinsäure verringert. Die übrig bleibenden Mengen führen dann zu den o. g. positiven Eigenschaften. Schädlich ist die Phytinsäure zweifellos, wenn sie isoliert und in übermäßig hohen Dosen konsumiert wird.


Lektine dienen Pflanzen als deren eigene, natürliche Pestizide, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Ihre wesentlichste Eigenschaft: Bindung. Sie können Kohlenhydratstrukturen binden und so eine Art "Klebstoffreaktion" hervorrufen - das hat positive wie negative Folgen. Eine schädliche Wirkung sagen Wissenschaftler den Lektinen in rohen Bohnen zu. Schon der Verzehr einer kleinen Menge roher Bohnen kann dazu führen, dass durch die "Klebstoffreaktion" das Blut zu verklumpen. Da die meisten Lektine jedoch sehr hitzeempfindlich sind, verändern sie beim Kochen ihre Struktur und werden ungefährlich. Manche Lektine binden sich an die Darmwände, besonders des Dünndarms, und können diese beschädigen. Dadurch können die Aufnahme anderer Nährstoffe eingeschränkt werden und entzündliche Darmerkrankungen entstehen. Wie schädlich Lektine sind, die auch in Tomaten und Vollkornprodukten vorgefunden werden, wird kontrovers diskutiert. Der amerikanische Herzchirurg Steven R. Gundry spricht sich für eine möglichst lektinfreie Ernährung aus. Die Mehrheit der Menschen verträgt Lektine jedoch sehr gut.


Durch eine lange und langsame Fermentation können die Phytinsäure und Lektine in der Sojabohne deutlich reduziert werden. Phytinsäure hat – genau wie Lektine – positive Eigenschaften auf die Gesundheit. "Die Dosis macht das Gift." (Ja, dieser Satz wiederholt sich, wenn es um natürliche Substanzen geht.)

#2 Oxalsäure

Oxalsäure findet sich als Oxalat vor allem in pflanzlicher Nahrung, z.B. in Mangold, Spinat, Soja und rote Beete, und bildet sich auch durch den Stoffwechsel im Körper. Oxalsäure, in sehr großer Menge verzehrt, fördert die Nierensteinbildung. Sojakritiker sehen hier ein gesundheitliches Risiko. Festzuhalten ist, dass Oxalsäure in vielen sehr gesunden Pflanzen vorkommt und bei dem Verzehr normaler Mengen für den gesunden Menschen kein Problem darstellt.

#3 Proteasehemmer

Die Sojabohne enthält Protease- und Trypsinhemmer. Selbige blockieren die Enzyme Protease und Trypsin, die für die Verdauung von Proteinen zuständig sind. Wird die Proteinverdauung gestört, kann es zu chronischen Mängeln bei der Aminosäure-Aufnahme führen. Ein Mangel an Aminosäuren kann das Gehirn und den gesamte Stoffwechsel beeinträchtigen. Zeitgleich besagen diversen Studien Proteasehemmer wirken antikanzerogene (also krebshemmend). Der am meisten untersuchte Hemmer ist der Bowman-Birk-Hemmer welcher vor allem in der Sojabohne vorkommt. Diese Substanz scheint Dickdarm-, Mundhöhlen-, Lungen-, Leber-, und Speiseröhrenkrebs zu beeinflussen.

Durch Fermentierung des Sojas werden diese Enzymhemmer eliminiert und das Sojaprotein ist leichter verdaulich.


#4 Goitrogene

Goitrogene sind Stoffe, die eine Vergrößerung der Schilddrüse hervorrufen, da sie die Jodaufnahme hemmen. Die Folge ist, dass die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone produzieren kann. Auch Nachtschattengewächse (z.B. Tomaten, Paprika und Kartoffeln), Hülsenfrüchte, tierische Milch, Weizen, Geste, Hafer, Senf und Nüsse enthalten Goitrogene. "Goitrogen" bedeutet wörtlich übersetzt "kropfbildend". Das bekannteste Goitrogen ist die Sojabohne. Was Soja als Goitrogen angeht, werden die Kropf fördernden Stoffe nur teilweise durch Erhitzen und Fermentation zerstört. Auf große Mengen Soja sollten daher vor allem Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen verzichten. Die wissenschaftliche Literatur über Soja ist zwar umfangreich, aber dieser Aspekt ist nicht eindeutig geklärt.


#5 Isoflavone

Soja enthält sogenannte Isoflavone, von denen man annimmt, dass sie Wechseljahrsbeschwerden bei Frauen lindern können. Inzwischen ist dies heftig umstritten. Auch taucht immer wieder die Behauptung auf, diese Pflanzenstoffe bringen die Sexualhormone von Männern durcheinander. Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe, die unter anderem in Rotklee und Soja vorkommen. Sie haben eine chemische Struktur, die den menschlichen Hormonen ähnlich ist. Sie können deshalb an dessen Andockstellen (Rezeptoren) anhaften. Dort entfalten sie eine östrogenähnliche Wirkung oder sie blockieren die Andockstellen, sodass keine körpereigenen Östrogene sich anbinden können. So sollen Isoflavone in der Lage sein, den Östrogenspiegel zu erhöhen und den Testosteronspiegel zeitgleich zu senken.


Schauen wir uns zuerst die Datenlage bei den Frauen an.

Das Geschichte des Jungbrunnen Soja begann damit, dass festgestellt wurde, asiatische Frauen leiden weniger unter Wechseljahrsbeschwerden als Frauen aus westlichen Ländern und zudem erkranken sie seltener an Brustkrebs und Osteoporose. Zunächst wurde der Verzehr von Sojaprodukten in den entsprechenden Ländern damit in Verbindung gesetzt. Denn die im Soja enthaltene Isoflavone (Daidzein und Genistein) sollen wir menschliche Östrogene wirken und somit die weiblichen Wechseljahrsbeschwerden lindern. Die Weston A. Price-Stiftung vertritt einen anderen Standpunk. Zitiert wird Dr. Mike Fitzpatrick, dessen Beobachtungen sich jedoch weitgehend auf Babys, die ausschließlich mit Soja-Säuglingsnahrung ernährt werden und Menschen, die extrem viele Sojaprodukte verzehren und sowie hochdosierte Nahrungsergänzungen aus isolierten Isoflavonen beziehen:


"Sojaisoflavone sind phyto-endokrine Störstoffe. Bei Normalaufnahme können sie den Eisprung verhindern und das Wachstum von Krebszellen fördern. Die geringe Menge von 30 Gramm (etwa 4 Esslöffel) pro Tag kann zu Schilddrüsenunterfunktion mit den Symptomen Müdigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme und Schlappheit führen. Eine neue Studie fand, dass Frauen mit dem höchsten Blutspiegel von Östrogenen den niedrigsten Hirnfunktionsstand hatten."

Ob nun wirklich Soja den asiatischen Frauen sanftere Wechseljahre beschert, darf weiterhin in Frage gestellt werden. Man bedenke hier die gänzliche andere Ernährung insgesamt. Zum Beispiel konsumieren Japanerinnen und Chinesinnen deutlich weniger Milchprodukte, die Osteoporose begünstigen. Ebenso ist es dortzulande sehr typisch reichlich Fisch und nur kurz gegartes Gemüse zu essen. Kurz gesagt, ein besseres Befinden darf eher einer insgesamt besseren Ernährung als nur einem einzigen Nahrungsmittel zugeschrieben werden.


An der Universität Wien erforscht der Pharmazeut Dr. Walter Jäger den Einfluss von Phytoöstrogenen und anderen Natursubstanzen auf den menschlichen Hormonhaushalt (Studien dazu etwa hier und hier). Bis heute ist nicht eindeutig klar, wie sich die Pflanzenstoffe bei längerer Anwendung auf das Wachstum von Tumoren und auf die körpereigenen Hormone auswirken. Eine deutliche Wechselwirkung von Soja auf körpereigene Östrogene konnte dabei jedoch bewiesen werden. Die Analysen ergaben bei den Isoflavonen Genistein und Daidzein einen deutlichen Einfluss auf den Um- bzw. Abbau dieser Hormone in Brustkrebszellen. Bei hormonabhängigem Brustkrebs rät der Forscher von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab:

"Wenn eine Frau, die Brustkrebs hat, zweimal täglich Tofu isst, könnte es sein, dass das Wachstum der Tumorzellen angeregt wird."

Das Brustkrebsrisiko scheint besonders dann erhöht, wenn isolierte und hochkonzentrierte Isoflavone an Versuchstiere verfüttert wurden oder wenn Frauen regelmäßig große Mengen Sojaproteinisolate oder -konzentrate zu sich genommen haben. Isoflavone in isolierter oder angereicherter Form und hoher Dosierung beeinträchtigen auch die Schilddrüse. Hier wird also zwischen isolierten Stoffen und einer üblichen Ernährung unterschieden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt dazu, dass

"..die Aufnahme von Isoflavonen im Rahmen einer normalen Soja-Kost bei üblichen Verzehrmengen nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Kenntnisstand als unbedenklich angesehen werden kann."

Inzwischen haben auch Männer Sojaprodukte entdeckt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt Tofu als Nieren-Yang reduzierend, d.h. die Fortpflanzungsenergie wird geschwächt und die Libido unterdrückt. Lässt sich dieser Ansatz auch wissenschaftlich bestätigen?


In der Vergangenheit gab es eine Beobachtungsstudie, die belegen, je mehr Soja die männlichen Studienteilnehmer aßen, desto geringer war die Anzahl an Spermien.

Die urologische Gemeinschaftspraxis vom Ärztehaus Rüsselsheim erklärt, eine sojareiche Ernährung könnte vor Prostatakrebs schützen. Laut der Ärztegemeinschaft kann man(n)

täglich rund 100g Tofu bedenkenlos verspeisen. So beschreiben sie auch, dass asiatische Männer deutlich seltener an Prostatakrebs leiden als Europäer. Unbeachtet der Tatsache, dass sich der fernöstliche Lebensstil und vor allem die asiatische Ernährung stark von der westlichen unterscheidet, wird dem Sojakonsum dennoch ein um 1/3 geringeres Krebsrisiko zugeschrieben.

Ob sich Soja-Isoflavone bei bestehendem Prostatakrebs positiv auswirken, darf Gegenstand weiterer Forschungen sein. Außerdem wird beschrieben, Isoflavone können Beschwerden beim Wasserlassen durch eine Prostatavergrößerung verringern.


Gerade im Kraftsport wird Soja kritisch betrachtet, denn die kleine Bohne soll den Testosteronspiegel senken. Einige Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von Sojaprodukten mit einer Reduzierung der Testosteronspiegel in Verbindung stehen könnte. Andere Studien wiederum konnte keine Veränderungen des Testosteronspiegels zeigen. Eine "Verweiblichung" oder Abnahme der Muskelmasse konnte in keiner Studie beobachtet werden. Sofern Männer sich unterschiedlicher Proteinquellen in moderaten Mengen in Verbindung mit einem intensiven Training bedienen, scheint der Sojakonsum keine nennenswerte negativen Auswirkungen zu haben.


#6 Saponine

Saponine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die in vielen Pflanzen enthalten sind, z.B. in Spinat, Futterrüben, roten Rüben, Spargel, Fenchel, Knoblauch, Zwiebeln (etc.) sowie in allen Hülsenfrüchte und daher auch in der Sojabohne. 80 verschiedene Saponine enthält Jiaogulan, das als “Kraut der Unsterblichkeit” bekannt ist, und als besonders gesund gilt. Trotzdem wurden Saponine aufgrund ihrer hämolytischen (blutauflösenden) Wirkung lange Zeit als gesundheitsschädlich eingestuft. Ihre Wirkungen auf den Menschen gelten als teils schädlich und teils vorteilhaft:

  • Saponine können in hoher Konzentration die roten Blutkörperchen und die Magen– und Darmschleimhaut schädigen.

  • Saponine können in konzentrierter Form und/oder hoher Dosis giftig sein, z.B. die Einbeere oder Kornrade, in dem sie das Herz lähmen.

  • Sie sollen antibiotisch wirken, d. h. sie hemmen das Wachstum von Bakterien oder Pilzen.

  • Sie sollen sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken.

  • Sie sollen antioxidativ wirken.

  • Sie dienen als Lösungsmittel bei Atemwegserkrankungen, wie Husten oder Bronchitis, indem sie den Schleim verflüssigen.

  • Saponine wie Bacosid A und B steigern die Gedächtnisleistung und werden zur Müdigkeitsbekämpfung eingesetzt.

​Viele Saponine sind nicht hitzestabil, d.h. sie gehen durch das Kochen zu 50 % verloren. Allein das vorherige Einweichen bewirkt eine Auflösung dieser Stoffe um 10 %. Aber es sind auch hitzebeständige vorhanden, die sich weder durch Kochen noch Ausschwemmen durch Wasser entfernen lassen. Festzuhalten ist, dass die im Soja enthaltene Menge Saponine bei dem Verzehr normaler Mengen wohl eher nicht als gesundheitsgefährdend einzustufen sind. Wie immer gilt - du ahnst es sicher schon- "Die Dosis macht das Gift".

#7 Allergene

Der Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) bewertet Soja als einen sehr potenten Allergieauslöser.

# 8 Weitere Fakten rund um Soja

  • Soja fehlen die Aminosäuren Methionin und Cystein. Methionin kann der Mensch nicht selbst herstellen, wird aber von seinem Organismus benötigt (gute Quellen dafür sind z.B. Lachs, Hühnereier, Walnüsse).

  • Unfermentiertes Sojaprotein gilt als schwer verdaulich, da es beträchtliche Mengen an Enzymhemmern (siehe #3) enthält.

  • Soja besitzt ein Omega-3-Omega-6-Fettsäureverhältnis von 10,5:1 (empfohlen ist ein Verhältnis von 5:1). Die gefäßverengende Wirkung von Omega-6 sowie die erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes kann dazu führen, dass das Blut an engeren Gefäßstellen verklumpt und sich Gerinnsel bilden. Omega-6-Fettsäuren erfüllen natürlich auch wichtige positive Funktionen. Tatsache ist, hier kann Soja nicht punkten.

  • Soja fördert die Fettverbrennung. Sojamilch weist einen niedrigen glykämischen Index und auch einen niedrigen Insulinindex aufweist, wodurch es Sojamilch ermöglicht, dass ein Sojakonsument länger im Fettabbaumodus bleiben kann.

#9 Soja als Sondermüll

Industriell in den USA hergestellte Sojaprodukte werden nicht traditionell und bekömmlich fermentiert, sondern überwiegend aus Abfällen der Sojaöl-Industrie mit Hilfe moderner Nahrungsmitteltechnologien aufbereitet. Diese Produkte werden durch enorme Hitze und Druck, chemische Zusätze, starke Säuren und stark alkalische Stoffe, Extrusionen und andere Methoden billig und schnell hergestellt. Zu den giftigen Substanzen in der Sojaproduktherstellung gehören unter anderem Hexan, Nitrosamine und Lysinoalanin. Auch Aceton, Benzol, Chloroform werden verwendet. Diese und andere Substanzen gelten als krebserregend.


Billige Soja-Nahrungsergänzungsmittel, TVP (Textured Vegetable Protein oder Sojabrocken genannt), billige Sojasaucen, HP (Hydrolized Protein), SPI (Soy Protein Isolate), SPC (Soy Protein Concentrate), desodoriertes Sojaöl und teilweise gehärtetes Sojaöl sind deiner Gesundheit zu Liebe zu vermeiden.

Traditionell fermentiertes Soja, authentisch hergestellte Sojasauce, Natto, Miso und Tempeh weisen weniger Risiken und deutlich mehr Nutzen auf.


Wie du sicher schon bemerkt hast, ist die Datenlage zu Soja weiterhin nicht eindeutig. Manche Wissenschaftler plädieren für den Konsum von Soja, andere Studien stellen Soja regelrecht als Gift dar. Eine klare Aussage kann daher leider nicht getroffen werden. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.


Worauf beim Verzehr von Sojalebensmitteln zu achten ist:

  1. Naturbelassene oder traditionell fermentierte Sojaprodukte gelten als gesünder.

  2. Verzichte auf isolierte Sojaproteine und texturiertes Soja (z. B. Sojaschnetzel, Sojagranulat).

  3. Sojaprodukte in Bio-Qualität aus deutschen oder österreichischen Sojabohnen sind zu bevorzugen.

  4. Für einen erwachsenen, gesunden Menschen sind bis zu 100g Tofu und 200ml Sojamilch pro Tag akzeptabel.

  5. Soja ist keine Säuglingsnahrung. Babys sollten daher nicht mit Soja-Säuglingsnahrung ernährt werden.

  6. Nahrungsergänzungen mit hochkonzentrierten und isolierten Sojaisoflavonen sind nicht empfehlenswert.

  7. Ernähre dich abwechslungsreich.


Ob du nun Soja in deinem Speiseplan aufnimmst oder nicht, obliegt selbstverständlich deiner Entscheidung. Hör auf dein Bauchgefühl.

Sojamilch
Mae Mu on unsplash

 

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