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Sprücheklopfen bei Stress, Ängsten und Schmerzen

  • 11. Dez. 2022
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Juli 2023

Mit witzigen Ansagen Ängste besiegen? Großspurige Phrasen raushauen, um Stress abzubauen? "Indianer kennen keinen Schmerz" - bestimmt schon mal gehört, oder? Drehen´se bei Bewusst.Gesund.Leben. jetzt durch? Nein, tun wir nicht. Phrasen und Oberflächlichkeiten liegen uns überhaupt nicht. Aber Klopfen wollen wir schon. Nicht aufs Holz, sondern auf deine Haut. Klingt komisch? Nun, lass mich etwas weiter ausholen.

Nach meiner Ausbildung zum EFT / TFT Master Practitioner habe ich die beliebte - und zu dem wissenschaftlich logische - Klopfmethode sehr gern als Coachingtool eingesetzt. Funktioniert super. Die Techniken EFT und TFT, die ich ausführe, stellten mein Verständnis der Methoden dar, wie sie mir von meinem Ausbilder gelehrt wurde, und nicht das von Gary Craig, dem Entwickler der EFT-Methode bzw. Roger Callahan. Du fragst dich, was EFT und TFT überhaupt bedeutet?

TFT ist die Abkürzung für "Thought Field Therapy". EFT steht für "Emotional Freedom Techniques". Bei beiden handelt es sich um Klopfakupressur-Techniken, die auf der Meridianlehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren), Psychoanalyse, EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) und der modernen Hirnforschung basieren. Bei diesen Methoden werden bestimmte Meridianpunkte, wie wir sie auch aus der Akupunktur kennen, mit den eigenen Fingern beklopft (sensorische Stimulation). Nun werden beim EFT keine stumpfsinnigen Sprüche geklopft, sondern die sensorische Stimulation mit weiteren Reizen wie z.B. passenden Sätzen verknüpft. Sehr erfolgreich angewendet wird EFT bei Ängsten, Phobien, Traumata, Raucherentwöhnung, Essstörungen etc. Solche Klopfmethoden werden zusammenfassend auch als Tapping (engl. klopfen) genannt.

EFT/TFT ist eine sehr einfach zu erlernende und doch äußerst wirksame Methode. So lässt sich das Tapping hervorragend in Coachings einsetzen. Nach einer guten Einweisung dient Tapping als erstklassiges

Selbsthilfe-Tool, denn einmal gelernt, kannst du es jederzeit und überall anwenden. Außer deinen eigenen Händen und etwas Zeit brauchst du nichts weiter. EFT/TFT kann zum Beispiel bei folgenden Situationen hilfreich sein:

✓ Glaubensmuster auflösen

✓ Abschalten und entspannen

✓ Das Gedankenkarussell stoppen

✓Stress reduzieren

✓ Dich von Negativität befreien

✓ Angst, Ärger, Sorgen, Frust loslassen

✓ Emotionale Blockaden auflösen

✓ Hilflosigkeit und Ohnmacht durchbrechen

✓ Aus der Opferrolle heraustreten

✓ Konflikte lösen

✓ Selbstzweifel loslassen

✓ Selbstwert stärken

✓ Gesunde Gewohnheiten etablieren

✓ Klarheit finden

✓ Motivation, Leichtigkeit und mehr Energie aufbauen

✓ Begleitend bei chronischen Schmerzen


Kein esoterischer Hokuspokus

Ziel ist des Klopfens ist es, die Energien der Meridiane zu harmonisieren. Meridiane sind seit Jahrhunderten beschriebenen Energieleitbahnen im menschlichen Körper und Verbindungen zu unseren Organen, Körperfunktionen und zur Psyche. Auch bei der Akupunktur werden diese Energiepunkte behandelt. Jedoch bleibt der Betroffene bzw. Patient bei der Akupunktur passiv und es wird keine psychische Komponente einbezogen. Tapping funktioniert etwas anders, denn hier bist du aktiv und arbeitest sowohl am Körper als auch mit der Psyche. Lösen wir uns für einen Moment von den Lehren der TCM. Aus Perspektive der modernen Wissenschaft gibt es eine neurobiologische Erklärung bezüglich der Wirksamkeit von TFT und EFT. Sensorische Stimulation (z.B. massieren, bestimmte Stellen auf der Haut klopfen, Atemtechniken, blinzeln, zählen, Affirmationen sprechen etc.) kann bei einigen körperlichen oder psychischen Störungen gute Resultate erzielen. Daher werden entsprechende Verfahren sowohl in Coachings als auch in der Psychotherapie eingesetzt. Beim Tapping werden Hautareale stimuliert, die mit besonders vielen Mechanorezeptoren ausgestattet sind. Mechanorezeptoren sind Sinneszellen, die mechanische Kräfte in Nervenerregung umwandeln. Das heißt, über diese Zellen kannst du z.B. Druck oder Geschwindigkeit wahrnehmen. Mechanorezeptoren besitzen intensive Verbindungen zu den Bereichen im Gehirn, die an den psychischen Verarbeitungsprozessen beteiligt sind. Konkret sind dies das limbische System (mit Hypothalamus, Amygdala, Hippocampus usw) und der präfrontale Cortex im vorderen Bereich des Gehirns. Das limbisches System reguliert das Affekt- und Triebverhalten gegenüber der Umwelt. Alle eingehenden sensorischen Informationen-also Reize, die über die Sinnesorgane oder Mechanorezeptoren an das Hirn weitergeleitet werden- werden hier koordiniert und finden hier ihre emotionale Antwort. Der präfrontale Cortex steuert das eigene Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen der Umwelt und gilt als Sitz des Arbeitsgedächtnisses. Auch spielt er bei der Bewertung des Schmerzreizes eine entscheidende Rolle. Bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung haben gezeigt, dass bei traumatischen Erinnerungen, Angst und Schmerz eine Übererregung im limbischen System und eine Hemmung im Bereich des präfrontalen Cortex stattfindet. Forscher wie Dr. Joaquin Andrade haben festgestellt, dass durch die Stimulierung spezifischer Körperpunkte in Kombination mit sensorischen Reizen verschiedener Art die Überregung im limbischen System verringert und zeitgleich die Aktivität in den orbitofrontalen Bereichen des Gehirns gesteigert wird. Dies lässt eine Normalisierung der Hirnaktivitäten zu. Erfolgt die sensorische Stimulation zeitgleich mit dem Aufrufen einer traumatischen Erinnerung oder eines Glaubensmusters, kann durch emotional neutrale Reize (z.B. klopfen) eine Entkopplung von der bisherigen Reaktion unterstützen und den Betroffenen auf seinem Weg selbstorganisatorischer Prozesse (z.B. positive Glaubenssätze) ermöglichen. Durch diesen Vorgang wird das Trauma selbst nicht gelöscht, aber es verliert seine symptomerzeugende Kraft. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist es erforderlich, dass das Kernproblem als Erinnerung bzw. Imagination exakt zum Zeit der sensorischen Stimulation deutlich im Bewusstsein präsent ist. EFT und ähnliche Techniken benutzen das somato-sensorische System, welches seit 50 Jahren im modern-wissenschaftlichem Sinn bekannt ist . Das Meridiansystem des Ayurveda und der TCM sind ältere Versuche dieses System zu erklären. Auf der ganzen Hautoberfläche verteilt gibt es Rezeptoren, die alle Arten mechanischer Reize wahrnehmen, umwandeln und an das Zentrale Nervensystem leiten. Diese Rezeptoren werden als Mechanorezeptoren bezeichnet (Pacini, Meissner, Ruffini, Merkels Scheiben, freie Nervenenden etc.). Durch die mechanische Stimulierung dieser Hautareale werden Signale mittels Calcium-Ionen über Neuronen (Nervenzellen) zum Gehirn geleitet. Mithilfe von bildgebenden Verfahren konnten Hirnforscher beweisen, dass bei verschiedenen Arten mechanischer Stimulierung der Haut die Aktivität in den orbitofrontalen Bereichen und am posterioren Thalamus zunimmt sowie die Aktivität in mindestens elf tieferen Hirnstrukturen abnimmt. Einige davon sind besonders bei der emotionalen Verarbeitung involviert (Hippocampus, Parahippocampus, Hypothalamus, Amygdala, Putamen, Nucleus caudatus, Anterior insula, Gyrus cinguli anterior, Ventrale tegmentales Areal, Nucleus accumbens und Temporalpol). Vor allem die Funktion der Amygdala ist hierbei zu nennen. Zusammen mit dem Hippocampus regelt diese Hirnregion den emotionalen Ausdruck. Vor allem die Entstehung von Angstgefühlen und Stressreaktionen ("Kampf-oder-Flucht-oder- Erstarren") ist hier verankert. Außerdem sendet die Amygdala Signale an verschiedene mit Stress, Trauma, depressiven Verstimmungen und Suchtverhalten in Beziehung stehenden Strukturen des Zentralen Nervensystems. Wegen der Existenz dieser neuronalen Verbindungen können gezielt ausgeführte Klopf-Techniken helfen, entsprechende Probleme aufzulösen. Die bewusste Wahrnehmung einer Emotion oder das Aufrufen von Erinnerungen, die Angst- bzw. Stresssymptome reproduziert, erhöht die Aktivität der Amygdala und anderer limbischer Strukturen. In einem solchen Zustand kann die Erinnerung bzw. Emotion gezielt gestört bzw. unterbrochen werden. Hier setzen EFT und TFT an. Während sich die betreffenden Hirnareale in diesem erhöhten Zustand befinden, werden mit Klopftechniken emotional neutrale Impulse gesetzt und die Aktivität der Amygdala gesenkt und symptomgenerierende Verknüpfungen aufgehoben. Sensorische Stimulation wirkt, indem sie einen teilweise neurologischen Lernprozess anstoßen, der die Verbindung zwischen Erinnerung und Emotionen verändert. Tapping kann Erinnerungen nicht auslöschen, aber durch die Unterbrechung der Reiz-Reaktions-Verbindung können Trauma, Suchtverhalten, Ängste, Glaubensmuster u.v.m. positiv verändert werden. Kurz gesagt, EFT/TFT kann dir helfen, dich selbst "neu zu programmieren".


Mehr über EFT und TFT bei chronischen Schmerzen erfährst du hier >>>

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