#BODYPOSITIV braucht kein Mensch


Unter dem Hashtag #bodypositiv haben sich übergewichtige Personen versammelt, die dafür plädieren alles und jeden schön zu finden, selbst massives Übergewicht zu feiern und sich dementsprechend halbnackt bis nackt in den Social Media ins Rampenlicht zu werfen. Brauchen wir das wirklich? Und müssen wir jetzt jeden Menschen schön finden?


Wir müssen überhaupt nichts!

Schönheit liegt bekannterweise im Auge des Betrachters. Daher darfst du weiterhin deine ganz subjektive Wahrnehmung haben und das schön finden, was dir gefällt. Ob blond oder dunkelhaarig, ob dick oder dünn, ob muskulös oder weich, ob tätowiert oder was auch immer - Geschmack darf weiterhin individuell bleiben. Wenn du übergewichtige Menschen nicht attraktiv findest, dann musst du das nicht, egal wie viele Hashtags noch dafür gesetzt werden. Eine respektvolle Behandlung und Akzeptanz schließt dies selbstverständlich nicht aus. Wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen darf nichts mit deren Aussehen und den persönlichen Vorlieben zu tun haben.


Was ist denn überhaupt Body Positivity?

In den USA sind sage und schreibe zwei Drittel der Bevölkerung übergewichtig, 36 % der Erwachsenen adipös (krankmachend übergewichtig) und 17 % der Kinder ebenfalls (Quelle: ifb-adipositas.de). Mit Blick auf diese beängstigenden Zahlen wird schnell klar, warum die Bodypositiv-Bewegung ausgerechnet in den USA von übergewichtigen Frauen ins Leben gerufen wurde. Die Frauen setzen sich dafür ein, den eigenen Körper schön zu finden und zu lieben, ganz gleich wie groß die Speckrollen sind. Ein positives Körperbild soll sich jeder vor allem mit Unterstützung der riesigen Community aufbauen können.


Begrüßenswerterweise werden inzwischen alle einbezogen, die "anders" sind und nicht in das von den Medien propagandierte Schönheitsideal passen. Darunter fallen nicht nur Übergewichtige, sondern auch Menschen mit Behinderungen, Frauen mit kleinen Brüsten, feminine Männer, burschikose Frauen, Transmenschen, Menschen mit Narben, mit grauen Haaren, mit Falten, mit schiefen Zähnen und anderen Merkmalen, die gesellschaftlich als "nicht schön" abgestempelt werden. Das Konzept richtet sich also an alle Menschen, die Probleme mit ihrem Körperbild haben. In einer Gesellschaft, die derart auf Äußerlichkeiten konzentriert ist und deren künstlicher Schönheitsideale kaum ein Mensch entsprechen kann, lebt ein riesiger Teil von uns mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit. Daher klingt Body Positivity auf den ersten Blick ganz toll. Die Message, jeder Mensch darf sich in seiner Haut schön fühlen und das auch nach außen tragen unterstütze ich liebend gern!


Obsessionen der Selbstdarstellung

Aktuell sind allein auf Instagram über 10,7 Millionen Beiträge unter #bodypositivity und über 18,5 Millionen unter #bodypositive zu finden. Hauptsächlich Fotos weiblicher Körper, die sehr dick, dick, durchschnittlich, schlank, dünn oder durchtrainiert sind. Die grundlegende Message "Jeder Körper ist schön" wird von einen extrem großen Teil der Social Media Nutzerinnen zu pornografisch abrutschenden Fotos missbraucht, damit kleine Accounts dank der durch Body Positivity legitimieren Freizügigkeit zu Wannabe-Superstars aufgepumpt werden. Sex sells, auch bei Body Positivity. Vielleicht bietet diese neue Freizügigkeit zuvor unsicheren Menschen ein besseres Gefühl. Auf sehr wackeliger Basis, denn dieses Gefühl hängt von der Bestätigung von außen, von der Anzahl der Likes ab.


Zwar erhebt Body Positivity den Anspruch gegen das herrschende westliche Schönheitsideal zu rebellieren, doch im Grunde stellt diese Bewegung weiterhin das Aussehen als Messlatte des eigenen Seins in den Fokus. Die Body Positive Bewegung soll uns allen ein gutes Gefühl vermitteln. Stattdessen schenkt sie dem Körper allein noch mehr Aufmerksamkeit und steigert dementsprechend die Unzufriedenheit oftmals noch viel mehr. Body Positivity zwingst uns alle zu einer permanenten Auseinandersetzung mit dem Aussehen unserer Körper, was letztendlich nicht das Selbstbewusstsein steigert, sondern zu einer Obsession führt. Einen solchen Egozentrismus brauchen wir nicht. Nicht selten fühlen sich anorektische Mädchen dazu gedrängt noch mehr zu hungern, um ein paar weitere Follower zu erhaschen. Ganz zu schweigen von den sogenannten Feedern, die ihre adipösen Partnerinnen immer näher in den Tod mästen.


Die Welt muss aufhören, sich um das Aussehen von Körpern zu drehen, denn ein jeder von uns ist sehr, sehr viel mehr als diese vergängliche Hülle! Die #bodypositiv Bewegung bewirkt genau das Gegenteil. Gesundes Desinteresse wäre sicher hilfreicher. Achtung, gesundes Desinteresse bedeutet nicht, ab sofort stopfen wir uns völlig gleichgültig mit ungesundem Zeugs wie tütenweise Chips, literweise Cola, massig viel Schoki voll! Gesundes Desinteresse bedeutet in diesem Kontext dem Aussehen selbst nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Genau dann sind Cellulite, Speckröllchen, Fältchen, Hängebrüste und andere angebliche Makel gar nicht mehr so wichtig. Sie müssen dann weder bekämpft und gehasst noch gefeiert und beklatscht werden. Sie sind einfach da. Ohne Selbsthass, aber auch ohne Obsession.


Warum Body Positivity gefährlich ist

Body Positivity verharmlost gesundheitsgefährdende Lebenssituationen! Genau hier liegt die große Gefahr der #bodypositiv Bewegung. Wenn adipöse Menschen unter dem Deckmantel eines Hashtags gefeiert oder die Bikini-Bridge-Fotos halbverhungerter, anorektischer Mädchen geliked werden, dann wird krankhafter Verblendung unter den Tisch gekehrt, wie gefährlich die Toleranz solcher Zustände ist! Übergewicht begünstigt zum Beispiel Sodbrennen, Erkrankungen der Gallenblase, Leber oder Niere, Diabetes Typ II samt weiterer Folgen bis hin zu Durchblutungsstörungen und Amputationen, Arteriosklerose und in weiterer Folge Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie), koronare Herzkrankheit (Verengung der Adern, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen), Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung mit Tendenz zur Bildung von Blutgerinnseln) sowie

Schlaganfall. Wer also weiterhin behauptet, Menschen sollen auf ihre Fettleibigkeit stolz sein, der leistet seinen Beitrag zur Gefährdung von Leben!

Doch nicht nur dicke Menschen sind gefährdet, auch jedes Like unter dem Rib Cage Bragging ist totaler

Irrsinn. Wer Rib Cage Bragging verpasst hat, möge diesem gefährlichen Trend auch weiterhin keine Beachtung schenken. Für diesen Trend hungern sich Frauen soweit runter, dass möglichst viele Rippen und oft der ganze Brustkorb möglichst knochig dargestellt wird. Einschränkung der Leistungsfähigkeit, geringe Muskelkraft, Muskelschwund, chronische Müdigkeit, herabgesetzte Körpertemperatur, zu niedriger Blutdruck, eine Unterversorgung der Organe mit Sauerstoff, Herzerkrankungen, Vitamin- oder Mineralstoff-Mangelerscheinungen, Risse in den Mundwinkeln, trockene Haut, Osteoporose, häufige Infekte, schlechte Wundheilung, unregelmäßige Menstruation bis Unfruchtbarkeit etc. sind mögliche Folgen von Untergewicht.


Wie passen nun Body Positivity & Abnehmen zusammen?

Einige Follower der Body Positivity Bewegung halten es regelrecht für Verrat, wenn ein Mensch, der von sich behauptet, body-positiv zu sein, abnimmt oder andere Veränderungen an seinem Körper durchführt.

Doch ich bin der Überzeugung Respekt vor sich selbst animiert zu einem bedürfnisorientiertem Umgang mit dem eigenen Körper. Konkret heißt das, du bist gut zu dir und behandelst deinen Körper achtsam, weil du dich selbst respektierst. Ein Gewichtsverlust oder -im Fall der Magermädchen- gesunde Zunahme als schöne Nebenwirkung eines bewussten, gesunden Körpergefühls passt sehr gut in das Konzept wahrer Selbstachtung. Dabei geht es jedoch nicht darum die Schönheitsideale anderer zu erfüllen und in gesellschaftliche Schablonen zu passen, sondern es geht darum, sich selbst respektvoll zu behandeln. Fettleibigkeit, Magersucht und andere pathologische Zustände zu feiern hat jedoch nichts mit Respekt zu tun, sondern mit großer Ignoranz.


Fazit: #BodyNeutrality

Niemand muss sich wegen seines Äußeren verstecken. Wer sich zeigen möchte, hat selbstverständlich das Recht dazu. Ich mag Menschen jedoch nicht auf ihr Aussehen reduzieren, wie es diese Bewegung und ihre Follower auf Instagram tuen. Schon gar nicht möchte ich krankmachende oder bereits kranke Zustände durch Likes unterstützen.


Auf dem Pfad zur Selbstliebe dürfen wir den Fokus ganz weg von unserem äußeren Erscheinungsbild lenken, unser Selbstwertgefühl nicht von unserem Äußeren abhängig machen und uns ebenfalls vom Druck zu befreien, den Körper lieben zu müssen. Es ist nämlich schon recht viel verlangt, den eigenen Körper lieben zu müssen. Genau so wie es nicht sein muss, ihn abgrundtief zu hassen. Der Schlüssel ist Akzeptanz. Wir dürfen den Ist-Zustand annehmen, der nun einmal gerade da ist, und unsere Körper als das sehen, was sie sind: sich stetig verändernde Hüllen.


Dabei müssen wir niemanden schön finden – nicht einmal uns selbst -, aber jedem, vor allem uns selbst, mit Respekt gegenübertreten. Allem voran sollte ein Körper gesund sein und funktionieren. Das Aussehen ist dabei eine Nebensache. Die Obsessionen und Gefahren der Body Positivity brauchen wir nun wirklich nicht. Was wir brauchen sind Akzeptanz und ein ehrlicher Umgang mit uns selbst ungeachtet einer äußeren Hülle, damit wir uns einfach wohl fühlen und gesund sind!