Darmsanierung Teil III

Auch im Ayurveda, dem uralten indischen Gesundheitssystem, bildet die Ernährung eine essentielle Grundlage zur Prävention und Behandlung von Krankheiten. Hier wird nicht mit Elementen wie in der TCM, sondern an den drei Doshas (biologische Funktionsprinzipien) -Kapha, Vatta und Pitta- festgestellt, wo Blockaden die körperliche und seelische Gesundheit stören.


Im Kontext Darmsanierung und Entgiftung ist "Ama" der zentrale Begriff im Ayurveda. Ama ist "Unverdautes, das im Körper kleben bleibt". In den westlichen Ländern wird dies auch oft als "Schlacken" bezeichnet. So gut wie alle Krankheiten lassen sich direkt oder indirekt auf Ama zurückführen. Sowohl eine falsche Ernährung, aber auch äußere Einflüsse wie Stress bilden Ama. Ein gesunder Organismus kann mit gelegentlichem Ama umgehen und scheidet es einfach wieder aus. Erst wenn sich Ama und ein Dosha verbinden entstehen Krankheiten. Ama entsteht durch falsches und zu viel Essen, Stress, spätes Essen, ständiges Snacken und wenig Bewegung. Typische Zeichen einer Ama-Ansammlung sind:

  • Eine träge Verdauung

  • Übel riechender Stuhl und Urin

  • Dicker Zungenbelag

  • Wenig Energie, ständige Müdigkeit und Lustlosigkeit

Im Ayurveda wird unter anderem Agni (das Verdauungsfeuer) angeheizt, um angesammeltes Ama wieder los zu werden. Nur bei einem schwachen Agni kann Ama nicht verarbeitet werden.

Um gesund zu bleiben hilft es....

  • Stress zu reduzieren

  • Den Geist zu stärken (z.B. Meditation, regelmäßige bewusste Pausen)

  • Den Körper durch Atmung zu reinigen (Pranayama = Atemübungen)

  • Den Körper durch sinnvolle Bewegung pflegen (z.B. Yoga, viel Bewegung in der Natur etc.)

  • sich gemäß der individuellen Dosha-Konstitution zu ernähren




Aus dem Ayurveda sind umfassende Reinigungskonzepte bekannt, welches alle Organe und Gewebe betrifft. Wer Yoga praktiziert, kennt zum Beispiel Nadi Shodhana Pranayama als reinigende Atemübung. Noch bekannter ist die umfassende und durchaus sehr anstrengende große Reinigungskur Panchakarma. Wer nicht die Möglichkeit hat sich mehrere Wochen in Indien oder Sir Lanka der Panchakarma zu unterziehen -oder einfach nicht so weit reisen mag-, kann bei Bewusst.Gesund.Leben. konkrete Anleitungen zur Durchführung von Detox (Entgiftungs-) Anwendungen finden, um den Darm zu reinigen, zu entlasten und zu stärken.



Um leichten Ama-Beschwerden entgegen zu wirken und vorzubeugen, gebe ich dir gern ein paar ayurvedische Empfehlungen mit auf deinen Weg:

  • Nimm dir vor, nicht noch mehr Ama anzusammeln.

  • Beginne jeden Tag mit einem Glas warmen Wasser.

  • Trinke am Morgen einen Trikatu-Tee (Ingwer, schwarzer Pfeffer, Langpfeffer). Dieser kann gern mit weiteren Gewürzen ergänzt werden (Koriander, Nelken, Kreuzkümmel, Kardamom, Zimt oder Senfsaat). Die Gewürze werden mit 60° C heißem Wasser aufgegossen und mit geschlossenem Deckel 10 Minuten ruhen gelassen.

  • Trenne Milchprodukte von sauren, salzigen Speisen, sowie von Fisch, Fleisch und Alkohol. Das heißt zum Beispiel kein Laugenbrezel zum Latte Macchiato, kein Joghurt mit Zitrusfrüchten.

  • Honig und Ghee (geklärte Butter) sollen nicht in gleicher Menge zusammen verzehrt werden.

  • Heiße Getränke/Speisen nicht mit eiskalten Getränken/Speisen konsumieren.

  • Milchprodukte blockieren die Shrotas, feine Kanäle im Körper, und sollten daher auf ein Minimum reduziert werden.

  • Heißes Wasser in kleinen Schlucken auf den Tag verteilt getrunken und ausreichend Bewegung regen die Verdauung von Ama an.

  • Reinige morgens deine Zunge.

  • Trinke ca. 30 Minuten vor und nach jeder Mahlzeit nicht. Wenn du besonders trockene Speisen konsumieren oder großen Durst haben, dann trinke ein paar Schluck stilles, zimmerwarmes Wassers.

  • Nimm alle Speisen in Ruhe zu dir und bleib nach dem Essen noch mindestens 5 Minuten sitzen.

  • Nimm erst wieder Speisen zu sich, wenn die vorherige Mahlzeit verdaut ist. In der Regel ist dies nach frühestens 2-3 Stunden der Fall. Nach dem Abendessen sollte 11-16 Stunden lang keine Nahrung eingenommen werden.

  • "Überfriss" dich nicht.

  • Feste Nahrung darf im Ayurveda zu einem großen Teil durch suppige Nahrung ersetzt werden.

  • Vermeide schwer Verdauliches, das wie Ama selbst ist: kalt, schwer, schleimig oder klebrig

  • Tee aus Vacha (Kalmus), Nagarmotha (Nussgras) oder Pitt Papada (Echter Erdrauch) und Shunthi (Ingwer) unterstützen dich beim Abbau von Ama, der Reinigung und Befreiung deines Organismus.

  • Um den Stuhlgang und die Darmaktivität zu regulieren, werden im Ayurveda Flohsamen (Psyllium) und 2 Triphala Tabletten am Abend empfohlen. Triphala ist eine ayurvedische Gewürzmischung aus Haritaki , Amalaki und Bibhitaki - also drei Sorten der Myrobalane.


Ist der Darm aktiv, so kann er alle wichtigen Vorgänge zur Reinigung, Aufnahme, Ausscheidung usw. ausführen. Genau darauf zielen die ayurvedischen Empfehlungen ab.


Mit "Basti" den Darm reinigen

Davon ausgehend, dass ein "kranker Darm" immer einen "kranken Menschen" hervorbringt, wird in ayurvedischen Kuren viel Wert auf reinigende, aufbauende Einläufe gelegt. Einläufe können ambulant in einer ayurvedischen Einrichtung, "stationär" während einer Kur oder eigenständig daheim durchgeführt werden. Grundsätzlich wird zwischen diesen Bastis unterschieden:

  • Matra basti= Kleiner Einlauf mit durch Kräuter veredelten Fetten (Öle). Im Gegensatz zum großen Einlauf braucht Matra Basti weniger Öl, keine strikte Diät und kann jederzeit durchgeführt werden.

  • Niruha/ Asthapana Basti= Nicht-öliger Einlauf mit 1-1,6 Liter, der vor dem Mittagsessen verabreicht wird.

  • Anuvasan Basti = Reinigender Einlauf mit medizinischen Kräuterölen.

In den ayurvedischen Kuren werden die einzelnen Basti -es gibt noch mehr als hier aufgeführt- entsprechend der Gesundheit und des Zwecks miteinander kombiniert. So ist es üblich für einen "Yoga Basti" 3 Niruha und 5 Anuvsana, also insgesamt 8 Einläufe, durchzuführen. "Kala Basti" beinhaltet 16 Einläufe, davon 6 Niruha und 10 Anuvasana. "Karma Basti" setzt sich zusammen aus 18 Anuvasana und 12 Niruha. Das Ayurveda kennt über 100 verschiedene Basti. Du merkst es schon: ein Beitrag hier auf der Pinnwand, kann eine persönliche Beratung nicht ersetzen. (Natürlich darfst du dich gern mit mit deinen Fragen an mich wenden.)


Wer einen Basti zur Darmreinigung selbst anwenden möchte, benötigt dazu einen Klistier mit dem Flüssigkeit in den Enddarm eingebracht wird. Am besten hockt man sich dazu in die Wanne oder Dusche. Im Ayurveda wird durch bestimmte Atemtechniken und Körperhaltungen das Wasser oder das Öl "hochgezogen". Dann wird der Schlauch sanft aus dem Darm entfernt und mittels weiterem Atmen soll der Darm bewegt werden. Nun kann das Wasser oder das Öl ausgestoßen werden. Eine andere Möglichkeit ist ein Einlaufgerät - der Irrigator - für jene, die diese Anwendung nicht in der Wanne durchführen möchten.

Am besten wird die Darmspülung morgens oder abends durchgeführt. Auch wenn Basti hauptsächlich im Dickdarm wirksam ist, wirkt diese Anwendung auf den ganzen Organismus. Basti wirkt reinigend, beruhigend und nährend.


Kontraindikationen, die einen Basti ausschließen sind: Hunger, Durst, Erschöpfung, Unter- und Mangelernährung, direkt nach dem Essen, Erbrechen, Übelkeit, Atemstörungen, Husten, Verletzungen der inneren Organe, Schmerzen im Unterbauch, Diabetes, Schwangerschaft, Fieber, Anämie, Anorexie, und einigen anderen Faktoren.


Welcher Basti, welche Kräuter und Gewürze sowie welche weiteren Maßnahmen für dich die besten sind, kann nicht pauschal beantwortet werden. Im Ayurveda wird jeder Mensch individuell betrachtet und Anwendungen werden anhand dieser Individualität zusammengestellt. Wie dir ayurvedische Anwendungen zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden verhelfen können, erfährst du in einem persönlichen Gespräch.


 


Wichtiger Hinweis:

Die hier bereitgestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit. Der Wissenstands ändert sich sehr schnell und ständig, daher können die gesamte Information oder einzelne Teile zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr zutreffend sein. Dies gilt insbesondere für fernöstliche Philosophien, deren Inhalt nach westlichen Maßstab oft gar nicht erklärbar ist.

Der Text ersetzt in keinem Fall die Diagnose, Beratung und Behandlung durch einen Arzt.

Auf keinen Fall solltest du ohne Rücksprache mit einem Arzt Medikamente absetzen oder Dosierungen verändern (das kann u.U. lebensgefährlich sein!) und auch nicht Medikamente mit anderen Medikamenten, Pflanzen usw. kombinieren, ohne vorher mögliche Wechselwirkungen zu prüfen! Unbedingt vorher prüfen, ob Gewürze, Kräuter etc. bei bestehenden Allergien überhaupt eingenommen werden dürfen! Wechsel- und Nebenwirkungen beachten.