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Erkältungen aus ayurvedischer Sicht

  • 30. Sept. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Verstopfte oder laufende Nase, das erste Niesen, es kratzt im Hals – eine Erkältung ist im Anmarsch. Vielleicht gesellen sich Husten, leichtes Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen dazu. Ja, die lästige Erkältungssaison beginnt wieder. Umgangssprachlich bezeichnen wir eine Infektion der oberen Atemwege als Erkältung. Rhinoviren, Coronaviren, Adenoviren und Enteroviren sind meist für solche Infektionen verantwortlich. In der Regel bedarf eine einfache Erkältung keiner medikamentösen Behandlung. Nervig sind die Beschwerden trotzdem. Die kalte Jahreszeit ist für uns eine körperliche und mentale Herausforderung, denn umso dunkler und kälter es wird, umso stärker kommen die negativen Aspekte des Vata- und des Kapha-Doshas an. Nässe und Kälte, Stress, Überlastung und eine falsche Ernährung schwächen das menschliche Immunsystem und wir werden anfälliger für Atemwegskrankheiten, ermüden schneller und spüren vielleicht depressive Stimmungen.


Doshagerechte Empfehlungen

Entsprechend der individuellen Konstitution neigt jeder Mensch zu für ihn typischen Erkältungsbeschwerden. Menschen mit dominantem Pitta-Dosha sind am wenigsten anfällig und entwickeln eher entzündliche Erkrankungen, wie z.B. eine Tonsillitis (Mandelentzündung). Das sensible Vata-Dosha gerät durch einen kräftezehrenden Lebenswandel und falsche Ernährung besonders schnell aus der Balance. Kapha-Menschen sind besonders anfällig für Schnupfen, Husten und Atemnot, sobald das Wetter nasskalt ist. Bestimmte Faktoren begünstigen dann die Entstehung von Atemwegsinfektionen und sind daher zu vermeiden:


Vata-aggravierende Faktoren:

  • Kalter Wind

  • Körperliche und geistige Überlastung

  • Unterdrückung natürlicher Reflexe (Nies- und Hustenreiz, Gähnen, Harndrang, Stuhldrang etc.)

  • Reizungen der Atemwege (z.B. Rauchen, Staub)

  • Kalte Nahrung

  • Ernährungsfehler

Kapha-aggravierende Faktoren:

  • Kalte Nässe

  • Schwerverdauliche Nahrung

  • Kalte Nahrung

  • Ernährungsfehler

Dosha-typische Erkältungssymptome

Anders als in der westlichen Medizin unterscheidet der Ayurveda die verschiedenen Leitsymptome und bezieht sich daher auf eine dosha-gerechte Behandlung. Zu den Hauptsymptomen, die vor allem durch aggraviertes Vata und Kapha entstehen, gehören Pratishyaya (Schnupfen), Kasa (Husten) und Shvasa (Atemnot). Entsprechend der Symptome sind ayurvedische Ernährungsempfehlungen und Kräuterrezepturen zur Selbstbehandlung und auch dosha-gerechte Präventionsmaßnahmen bekannt.


Ist das Vata-Dosha aus dem Gleichgewicht geraten, zeigen sich diese Symptome:

  • Plötzlicher Krankheitsbeginn und schneller Verlauf

  • Trockner, evtl. intensiver Husten

  • "Angekratzte", "raue" und trockene Schleimhäute

  • Spannungsschmerzen

  • Dünner Schleim

  • Häufiges Niesen

  • Heiserkeit oder Stimmverlust

  • Verengungen der Atemwege bis hin zu Atemnot

  • Schmerzen

  • Kältegefühl

  • Schwäche

Aggraviertes Kapha fällt mit solchen Symptomen auf:

  • Langsamere, schleppende Ausbildung der Symptome

  • Verschnupfte Nase mit tränenden Augen

  • Müdigkeit

  • Gliederschmerzen

  • Schweregefühl

  • Zäher, festsitzender Schleim

  • Produktiver, feuchter Husten

  • Atemnot durch Sekretstau

  • Kältegefühl

  • "Winterblues"

Bei Dysbalancen des Pitta-Doshas kommt es zu folgenden Symptomen:

  • Gelblicher oder grünlicher Schleim

  • Gerötete Schleimhäute

  • Brennen

  • Fieber

  • Vermehrter Durst

  • Entzündungen


Ayurvedische Maßnahmen gegen Erkältungen


1. Nasenspülung & Nasenöl

Regelmäßige Nasenspülungen mit warmem Salzwasser und das zweimal tägliche Benetzung der Nasenschleimhäute mit zwei Tropfen warmem Sesamöl oder Ghee (Butterreinfett) schützen die Schleimhäute und machen diese weniger anfällig für eindringende Keime. Bei akutem Schnupfen sollten die Nasenölung jedoch nicht durchgeführt werden, da dies die Verschleimung verstärken kann.


2. Rachenspülung

Auch das Gurgeln mit warmen Salzwasser ist ein bewährtes Hausmittel, um entzündlichen Prozessen im Mund-Rachenraum entgegenzuwirken. Das Salz zieht überschüssige Flüssigkeit aus dem entzündeten Gewebe und wirkt mild desinfizierend. Zeitgleich werden Viren, Bakterien und Schleim ausgespült. Im Ayurveda wird noch eine Prise Kurkuma ins Gurgelwasser gegeben. Es ist auch möglich, mit Salbeitee zu gurgeln. Salbei wirkt stark Sekret hemmend und beseitigt überschüssigen Schleim.


3. Dampfbad

Inhalationen mit heißem Dampf wirken in den meisten Fällen sofort lindernd bei Erkältungen. Koche in einem Liter Wasser einen Teelöffel Salz auf und inhaliere über dem heißen Wasserdampf, um die oberen Atemwege zu befreien. Damit dieser Prozess gut wirkt, sollte er zwei bis viermal täglich wiederholt werden.

Bei besonders festsitzendem Schnupfen oder Nebenhöhlenproblematik ist die Inhalation mit Ajwain (Trachyspermum ammi)Samen empfehlenswert. Ajwain reduziert Kapha und Vata und wirkt krampflösend auf die Atemwege.


4. Licht

Unter der Einwirkung von Sonnenlicht bildet der menschliche Körper Vitamin D, welches für zahlreiche Prozesse im Organismus benötigt wird. Gehe also auch, wenn du erkältest bist, nach draußen. Ein chilliger Spaziergang stärkt das Immunsystem und bringt die Körpersäfte in Bewegung.

5. Wärme

Bei Kälte ziehen sich Muskeln zusammen, um die Blutgefäße zu verengen und die inneren Organe vor Auskühlung zu schützen. Um diese Engstellen wieder zu weiten und den Blutfluss zu fördern, kann gerade bei Erkältungen Wärme kleine Wunder bewirken. Kirsch- und Dinkelkissen, feuchtwarme Wickel oder Infrarotlicht sind sehr gute Möglichkeiten, um sich aufzuwärmen.


6. Ernährung

Ein schwaches Agni ist meist so an der Ausprägung der Symptome beteiligt. Wird die Ernährung nicht angepasst, so werden die Shrotas (Körperkanäle) blockiert und Ama gebildet. Dadurch wird der durch die Erkältung geschwächten Stoffwechsel noch mehr belastet und die Prana führenden Kanäle (Prana-Vaha-Shrotas) werden blockiert. Die Prana-Vaha-Shrotas sind für den Luftaustausch (Atmung) zuständig. Genau diese Körperareale werden von Kapha und Vata dominiert und sind dementsprechend kältempfindlich. Um solche Blockaden zu vermeiden, setzt der Ayurveda auf eine angepasste Ernährung, die sowohl präventiv als auch kurativ wirkt.

Vor allem am Anfang, wenn die sich die ersten, kleinen Erkältungssymptome zeigen, kann Schonkost den Organismus entlasten und somit dem Heilungsprozess zuträglich sein.

Während einer Erkältung vermeide folgende Nahrungsmittel:

Käse

Joghurt

Fleisch

Eier

Fisch

Süßigkeiten

Sehr Fettiges

Rohe Nahrungsmittel

Kalte Speisen & Getränke

Fertignahrungsmittel

Zitrusfrüchte

Sofern kein Untergewicht oder körperliche Schwäche vorliegt, sind ein bis zwei Fastentage mit viel heißem Tee, ayurvedisch gewürzten Gemüsesuppen oder Hülsenfrüchte sehr sinnvoll. Ideal sind diese Nahrungsmittel:

✔️Zucchini

✔️Kürbis

✔️Karotten

✔️Pastinaken

✔️Steckrüben

✔️Rote Beete

In Maßen können auch Kartoffel und Reis gegessen werden, um das Agni ("Verdauungsfeuer") zu stabilisieren.


8. KEINE Zitronen

Hierzulande wird schnell und gern zu Zitrusfrüchten gegriffen, wenn sich eine Erkältung anbahnt. Der Ayurveda rät davon ab, denn die Säure von Zitronen u.ä. reizen Schleimhäute, fördern damit Entzündungsreaktionen und verengen die Shrotas. Überhaupt sollte während einer Erkältung auf Säure verzichtet werden:

Gesäuerte Milchprodukte

Gesäuertes Brot

Tomaten

Essig

Vor allem, wenn Pitta-Symptome (entzündliche oder fiebrige Prozesse) deutlich erkennbar sind, sollte Säure reduziert werden. Stattdessen sind bittere Nahrungsmittel und Kräuter indiziert. Sie fördern die Durchblutung und Verdauung, stärken das Immunsystem und regen den Stoffwechsel in Leber und Galle an.


Ein wärmender Erkältungstee: Mische 1/2 TL Kurkuma, 1 TL Beifuß, 3 schwarze Pfefferkörner, 1-2 Scheiben frischer Ingwer und 2-3 Gewürznelken mit einer Prise Zimt. Koche die Gewürzmischung in 250ml Wasser auf und lasse sie ca. 5-7 Minuten lang abgedeckt ziehen. Abseihen, ggf. mit etwas Waldhonig verfeinern und warm schluckweise trinken.

*Beifuß ist nicht für schwangere Frauen geeignet.


8. Heilkräuter

Erkältungen können gezielt mit ayurvedischen und heimischen Heilkräutern behandelt werden. Damit der Einsatz der Pflanzen auch tatsächlich was bewirkt, müssen die Symptome genau differenziert werden. Nachstehend findest du eine Übersicht einfacher Heilkräuter und Gewürze, die bei Erkältungskrankheiten einzeln oder auch kombiniert verwendet werden können.

Kurkuma wirkt entzündungshemmend, schmerzlindernd und entgiftend. Das gelbe Gewürz wird sowohl im Anfangsstadium einer Erkältung als auch bei Pitta-Symptomen wie einer Mandelentzündung in einer Dosis von 2-3 g zweimal täglich mit warmem Wasser eine halbe Stunde vor der Mahlzeit eingenommen.


Kurkuma ist bitter, zusammenziehend und scharf. Es harmonisiert alle Doshas. Durch die erhitzende Wirkung werden Vata und Kapha, durch den bitteren Geschmack Pitta ausgeglichen.

Schwangere und Stillende sowie Patienten mit Gallensteinen sollten auf Kurkuma verzichten.

Gewürznelken reduzieren den Schleim und entkrampfen die Atemwege. Im Tee können fünf bis zehn der getrockneten Gewürznelken in einem Liter Wasser einige Minuten abgedeckt gekocht werden. Der Tee kann so über den Tag verteilt warm getrunken werden.


Reduziert dasPitta- und Kapha-Dosha und regt Agni an.

Ingwer ist scharf, wärmt und fördert den Stoffwechsel. Ingwer ist ein Kombinationskünstler und verbessert die Wirkung anderer Gewürze.


Getrockneter Ingwer (Pulver) erhöht Pitta. Bei Pitta-Dysbalancen sollte daher Tee mit frischem Ingwer bevorzugt werden. Ein bis zwei Scheiben pro 250 ml heißem Wasser reichen bereits aus.

Der getrocknete Ingwer ist für das Kapha Dosha geeignet. Frischer Ingwer gleicht Vata aus.

Süßholz ist ein aufbauendes Mittel (Rasayana), kräftigt und harmonisiert die Seele. Besonders geeignet ist die Wurzel bei Heiserkeit, Halsschmerzen und Bronchitis. Als Tee werden 1 – 2 g dreimal täglich getrunken, um vor allem die Schleimhäute zu schützen.


Süßholz senkt Vata und Pitta, erhöht nach längerem Gebrauch Kapha. Bei Kaphy-typischer Erkältung greife lieber zu anderen Pflanzen.

Gallenstau bedingte Lebererkrankungen, Leberzirrhose, Bluthochdruck, Kaliummangel und schwerer Niereninsuffizienz sowie eine Schwangerschaft schließen die Anwendung von Süßholz aus.

Im Asien gilt Kalmus als Lebensverlängerer. Kalmus gilt als Medhya-Rasayana, als Verjüngungs- mittel. Vaca beseitigt Schleim aus den Atemwegen, lindernd Haldschmerzen, unterstützt die Stimme und wirkt zudem beruhigend, nervenkräftigend, durchblutungsfördernd und entkrampfend. Das Pulver wird gering dosiert - gerade mal 0,5 g können zwei- bis dreimal täglich mit Honig bei Erkältungen helfen.


Reduziert Kapha stark, besänftigt Vata und erhöht Pitta.

Achtung, eine Überdosierung (mehr als 1g) kann zu Erbrechen führen.

Nicht in der Schwangerschaft anwenden.


Vasa, das Indisches Lungenkraut, zählt zu den wichtigsten ayurvedischen Kräutern bei Husten, Atemnot, Bronchitis und Asthma bronchiale. Somit ist es zu bevorzugen, wenn die Symptome in tiefere Regionen des Atemtraktes abgestiegen sind. Vasa ist sehr bitter und wirkt schleimlösend, schweißtreibend, zusammenziehend und reizlindernd. Meist werden zwei- bis dreimal täglich drei bis fünf Gramm des Pulvers eingenommen, um Erkältungssymptome zu behandeln.


Harmonisiert alle Doshas, reduziert vor allem Kapha und Pitta.

Nicht während der Schwangerschaft einnehmen



Weihrauch punktet mit einer abschwellenden, entzündungshemmenden, wundheilenden und schmerzlindernden Wirkung. Er ist auswurffördernd und wird bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen der tieferen Atemwege empfohlen. Zwei- bis dreimal täglich können ein bis drei Gramm des Harzes eingenommen werden.


Shallaki reduziert Kapha und Pitta, beruhigt Vata.

Nicht zusammen mit Blutgerinnungshemmern einnehmen.

Guduchi ist eine tropische Schlingpflanze mit herzförmigen Blättern. Guduchi wird auch „Amrita“ - die Unsterbliche - genannt. Die Pflanze wirkt immunstärkend. Seiner Bitterkeit wegen verbessert Guduchi Agni. Durch ihre schweren und öligen Eigenschaften wirkt sie basisch und stärkend. So harmonisiert sie alle drei Doshas.


Einige Tierstudien deuten darauf hin, dass die männliche Fruchtbarkeit durch Guduchi-Kräutertees beeinträchtigt werden könnte. Daher halte dich stets an die Dosierungsangaben der Produzenten entsprechender Präparate. Nicht für schwangere und Kinder geeignet.



Traditionell wird Bibhitaka in der ayurvedischen und in der tibetischen Tradition innerlich und äußerlich angewendet. Neben dem Fruchtfleisch werden auch die Samen und das daraus gepresste Öl verwendet. Bibhitaka ist ein stärkendes Rasayana und wirkt erwärmend, nährend und stärkend.

Diese kräftigende Wirkung zeitigt es besonders bei Bronchitis und Asthma bronchiale.


Harmonisiert alle drei Doshas, vermehrt Ojas und Sattva.

Natürlich musst du nicht auf exotische Kräuter und Heilpflanzen zurückgreifen. Europa hält viele "Wunder der Natur" bereit, die den Pflanzen aus Fernost locker das Wasser reichen können. Damit dieser Artikel jedoch nicht zu lang wird, beschränken wir uns heute auf die ayurvedischen Kräuter. Du kannst gern an einem unserer Kurse oder Webinare, z.B. "Intro: Ayurveda Herbst Detox" teilnehmen, um mehr über die ayurvedische Anwendung heimischer Heilpflanzen zu erfahren.

9. Pranayama

Aus dem Yoga sind zahlreiche Atemtechniken (Pranayama) bekannt, die entspannend, verjüngend, regenerierend oder aktivierend wirken. Auch bei Erkältungen kann Pranayama für Entlastung sorgen. Zum Beispiel kann Kapalbhati Pranayama die befreien und Bhastrika Pranayama die Atemwege wieder zugänglicher machen. Atemwege. Gern zeigen wir dir die Atemtechniken in einem unsere Kurse.


Fazit

Eine ayurvedische Lebensweise kann Infektionen zwar nie ganz ausschließen, aber mit gezielten Anwendungen, die deinen realen Bedürfnissen entsprechen, kannst du deine Abwehr stärken und deine Regeneration im Krankheitsfalle begünstigen. Selbstverständlich eersetzen die hier geteilten Informationen weder die Diagnose noch die Behandlung durch einen Arzt.

Bitte beachte, dass zwar die meisten einfachen Erkältungen von selbst ausheilen. Jedoch gibt es auch Ausnahmen und je nach individueller Ausgangssituation braucht es gegebenenfalls Medikamente. Wenn sich Erkältungssymptome über langen Zeitraum halten oder schlimmer werden, du immungeschwächt bist oder Vorerkrankungen hast, wenn dich an einen Arzt. Kommen weitere Symptome wie hohes Fieber mit Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen, Halssteifheit, Erbrechen oder Schmerzen in der Brust dazu, suche zügig ein Arzt auf - es kann sich um z.B. Influenza oder eine Lungenentzündung handeln.


Sofern du Medikamente einnimmst, prüfe zuvor, ob sie in Wechselwirkung mit Heilpflanzen stehen, bevor du Letztere einnimmst.


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