Fett - Was hat sich die Evolution dabei bloß gedacht?

Zwei Donuts gemampft und zack, gefühlt 3kg mehr auf den Hüften. Mit "(Fr)iss-die-Hälfte", Crash-Diäten und anderen freudlosen Ernährungspläne konntest du dich auch nicht zum Traumgewicht hungern und falls irgendeine standarisierte Fett-weg-Diät doch ein paar Kilos hat purzeln lassen, sind sie in Nullkommanichts wieder zurück. Radikale Diäten sind meist nicht nur ungesund, sondern führen zum sogenannten Jojo-Effekt. Aber mal ein paar Schritte zurück: Hat Körperfett überhaupt irgendeinen Nutzen? Ja!


Körperfett kann durchaus als Organ betrachtet werden. Eines, das eng mit dem Hirn über Botenstoffe kommuniziert und dabei nicht nur unser überlebenswichtiges Hungergefühl reguliert. Körperfett ist notwendig, um fettlösliche Vitamine aufzunehmen. Fettlöslich bedeutet, dass diese Vitamine sich nicht in Wasser lösen, sondern Fett als Transport- und Speichermedium brauchen. Dies sind die Vitamine A, D, E und K.


Fettgewebe ist mehr als nur Fettzellen. Das weiße Fettgewebe ist mit feinsten Äderchen durchzogen um die Versorgung der Zellen sicherzustellen. Neben Fettzellen tummeln sich dort auch Fibroblasten (Bindegewebszellen), Monozyten und Makrophagen (Zellen des Immunsystems). Außerdem schützt Körperfett die Organe und Gelenke, reguliert die Körpertemperatur und dient als Energiereserve.

zu dünn
Foto: Roman Shilin on unsplash

Körperfett ist ein endokrines Organ, d.h. es produziert Hormone, die als Adipokine bezeichnet werden. Neben Leptin sind das Adiponectin, Resistin, Visfatin und Hepicidin. Sie beeinflussen und regulieren den Glukosestoffwechsel, den Fettstoffwechsel und das Hungergefühl. Weitere Substanzen sind Entzündungsfaktoren, Gerinnungsfaktoren oder auch der Transkriptionsfaktor TNFα (TNF-alpha = Tumor Nekrose Faktor alpha). Diese Zytokine regeln vor alle die Ausbildung von Stammzellen zu weiteren Fettgewebszellen. Sie stehen auch im Zusammenhang mit entzündlichen Erkrankungen, Diabetes Typ II und Gerinnungsstörungen. Hat der Körper zu wenig oder zu viel Fettreserven, gerät die Hormonproduktion durcheinander.


Zu wenig Körperfett kann zu Herzkrankheiten, Magen-Darm-Beschwerden, verringerter Fruchtbarkeit, Schädigungen des Nervensystems, schrumpfenden Organen und einem geschwächten Immunsystem führen. Sogar das Risiko an Osteoporose steigt, wenn der menschliche Körper zu dünn ist. Brüchige Haare und Nägel sowie rissige Mundwinkel können erste Anzeichen eines Körperfettmangels sein.


Von Sumoringern und Mager-Models

Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat sich das Körperideal immer wieder verändert. In vielen Kulturen galten korpulente Frauen als Symbol des Reichtums und der Fülle, denn schließlich konnten sich arme Menschen wohl kaum so viel Nahrung leisten, um überhaupt mollig zu werden. Man bedenke auch die kraftvollen Männer und üppigen Frauen, die der Barockmaler Rubens kunstvoll in Szene gesetzt hat - zu seiner Zeit war "rundlich-weiblich" der Schönheitstrend! In den 1990er Jahren entstand dann ein absoluter Mager-Trend - plötzlich galten nur noch ultradürre Frauen als schön und begehrenswert. Im 21. Jahrhundert wird das Internet von "Thigh Gap" (dürre Oberschenkel, die sich nicht berühren), "Bikini Bridge" (Bikinihöschen spannt sich über die hervorstehenden Beckenknochen) und "Ribcage Bragging" überflutet. Beim Ribcage Bragging setzen junge Frauen in den Social Media ihre hervorstehenden Rippenknochen in Szene. Je mehr Rippen, desto besser - zumindest glauben es die wohl von Selbstzweifel geplagten Frauen und Mädchen.

Körperfettanteil

Frauen

Männer

​lebensnotwendig

​10%

​3%

​Kritisch/gefährlich

​unter 15%

​unter 8%

​Minimum/grenzwertig

​18-20%

​10%

Ideal

​21-36%

​12-25%

Also ist superschlank, wie es uns die Mode- und Fitnessindustrie suggeriert, doch nicht das gesundheitliche Ideal? Nein, ist es nicht. Um es noch mal ganz klar zu sagen: Zu wenig Körperfett macht krank! Daher ist es alles andere als schick, sich krank zu hungern.


Photo by New York Public Library on unsplash

Genauso problematisch jedoch ist massives Übergewicht. Einer meiner ehemaligen Mitbewohner schaffte es dank maßlosem Essverhalten und extremem Bewegungsmangel auf über 224kg. Es stellte sich Diabetes (Typ II) ein und als Folge dessen mussten ihm mehrere Zehen amputiert werden. Er entsprach dem Klischeenbild, welches wir von fettleibigen Menschen üblicherweise haben. Keine Frage, ein solches Übergewicht ist krankhaft und extrem schädlich. Zu wenig Fettgewebe ist also ungesund, doch zu viel natürlich auch. Mögliche Folgen von Übergewicht sind:

  • Speiseröhrenentzündung

  • Erhöhtes Unfallrisiko

  • Einschränkungen der körperlichen, einschließlich sexuellen, sowie sozialen und beruflichen Aktivität

  • Diabetes Typ II und Folgeerscheinungen wie die Amputation von Gliedmaßen

  • Herz-Kreislauferkrankungen

  • Arteriosklerose ("Verkalkung" der Blutgefäße)

  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz) als Folge einer Herzvergrößerung

  • Bluthochdruck (Hypertonie)

  • Herzinfarkt

  • Schlaganfall

  • Gelenkserkrankungen (z.B. Coxarthrose, Gonarthrose)

  • Entzündliche Erkrankungen

  • Arthrose

  • Gicht

  • Schmerzen im Bewegungsapparat

  • Fettstoffwechselerkrankungen ( z.B. Hypertriglyzeridämie, Hypercholesterinämie)

  • Fettleber

  • Refluxkrankheit ( Sodbrennen)

  • Erkrankungen der Gallenblase, z.B. Gallensteine

  • Asthma

  • Atemstillstände/Schlaf-Apnoe

  • Verengung der Atemwege

  • Hormonelle Störungen (bei Frauen: z.B. polycystisches Ovarsyndrom bis hin zu Unfruchtbarkeit, bei Männern: z.B. Einschränkung der Fruchtbarkeit)

  • Komplikationen während der Schwangerschaft

  • Erhöhtes Risiko an Brust-, Dickdarm-, Gebärmutter-, Gebärmutterhals-, Eierstock-, Prostata- und Nierenkrebs zu erkranken

  • Durchblutungsstörungen des Hirns (zerebrale Hyperfusion) und damit ein höheres Risiko für Demenz/Alzheimer

  • Parkinson

  • Verkürzte Lebenserwartung (dicke Männern leben bis 6 Jahre weniger, übergewichtige Frauen bis zu 7 Jahre)

Gibt es denn gesunde Dicke?

Ja! Asiatische Sumoringer bringen regelmäßig über 200kg auf die Waage und nehmen täglich rund 10.000 kcal zu sich (zum Vergleich - die meisten Menschen kommen mit 2000-2500 kcal aus). Trotz des deutlichen Übergewichts, zeigen aktive Sumoringer gute Blutwerte und sind i.d.R. gesund. Worin liegt der Unterschied? Wann macht Fett krank?


Wie dicke Frauen in den Urkulturen ein pures Fruchtbarkeitssymbol darstellen, so wird auch die Fettleibigkeit der Sumoringer verehrt - bis heute! Aktive Sumoringer werden nur selten durch ihr massives Gewicht krank. Das Geheimnis liegt in der körperlichen Aktivität - Sumoringer essen schließlich nicht nur viel, sondern sie trainieren jeden Tag. Als Sportler haben die Sumoringer wegen des täglichen, stundenlangen harten Trainings einen gesunden Stoffwechsel. Bei intensiver körperlicher Aktivität wird ein Hormon names Adiponectin freigesetzt, dass u.a. Fett in sichere Speicher unter der Haut leitet. Dieses Fett wird subkutanes Fett genannt und lagert sich außen an den Beinen, Gesäß und Bauch an. Das heißt auch, dass es sich nicht schädlich an Niere, Bauchspeicheldrüse, Leber und Herz ansammelt. Erst wenn die körperliche Aktivität zu gering ausfällt oder gar ganz ausbleibt, wird das Fett ungünstig im Brustbereich, im Bauch (Viszeralfett) und den Organen gespeichert. Genau das macht krank. Der Unterschied zwischen meinem ehemaligen dickem Mitbewohner und einem ebenso dickem Sumoringer liegt also in der körperlichen Aktivität.



Fett bedeutet Leben

Als unsere Urahnen noch ihr Essen selbst suchen, sammeln und jagen mussten, stand den Menschen nicht jeden Tag ein reich gedeckter Tisch vor der Nase. Bevor der Mensch sesshaft wurde mussten die Jäger und Sammler sich jeden Tag viele Kilometer bewegen und verbrauchten dabei viel Energie. Clever, wie es die Evolution ist, hat sie den Menschen Fettgewebe "geschenkt". Mit jeder Mahlzeit wurde etwas Fett in dieses Gewebe eingelagert, denn wer keine Energie zur Nahrungsbeschaffung hat, der würde sterben. An Tagen, an denen unsere Urahnen keine Nahrung fanden, konnten sie vom körpereigenen Fettspeicher zehren. Nachdem die Glykogen-(Kohlenhydrat-)Speicher aufgebracht waren, bediente sich der Organismus automatisch am eingelagerten Fett. So verhungerte die Menschheit während der nahrungsarmen Tage nicht.

Außerdem nahm auch das Hirnvolumen zu - und das menschliche Gehirn verbraucht sehr viel Energie. Das heißt, intelligentere Urmenschen mit größeren Gehirnen brauchten eine Art "Batterie", damit das Hirn und alle andere Körperfunktionen gut funktionieren. Die evolutionäre Antwort -du ahnst es sicher schon-: Fett! Ähnlich verhält es sich bei Babys. Ein gesundes Babys ist schön rund und "speckig" mit ungefähr 15% Körperfett. Das muss auch so sein, denn das Hirn eines Säuglings ist im Vergleich zu seiner Körpergröße riesig und verbraucht etwa die Hälfte der Kalorien, die ein Baby zu sich nimmt. Säuglinge müssen daher besonders oft essen, um ihr stets "hungriges" Gehirn ausreichend mit Energie zu versorgen.


Selbst für den Schlaf werden Fettspeicher gebraucht - während wir schlafen arbeitet der Körper weiter und braucht dafür Energie, die wir -logisch- in dieser Zeit nicht durch Nahrung aufnehmen können. Also verbrennt der Körper selbst im Schlaf Fett.


Aus evolutionäre Sicht ist Fettgewebe also ganz schön clever.


Vermutlich liegen die Anfänge der Fettleibigkeit in der Zeit, als die Menschen von Jägern und Sammlern zu Bauern wurden. Durch die Umgebungsveränderung stand mehr kohlenhydratreiche Nahrung zur Verfügung und obwohl die Menschen immer noch Ernteausfälle und Hungerzeiten erlebten, stand insgesamt doch regelmäßiger energiereiche Nahrung bereit. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde das Leben immer bequemer - immer mehr Maschinen nahmen uns die Arbeit ab und es fiel zunehmend weniger körperlich harte Arbeit an. Zeitgleich war das Nahrungsangebot immer regelmäßiger und größer. Auf diese Weise wurde mehr Energie aufgenommen als verbraucht - und was passiert mit nicht verbrauchter Energie? Richtig, sie wird in Fettzellen für Notzeiten gespeichert und die Körper der modernen Menschen wissen noch immer nicht, dass wir nicht mehr in Höhlen leben.



Weibliche Fruchtbarkeit braucht Fett

Da denkt man Sport ist gesund, doch gerade Sportlerinnen riskieren Zyklusstörungen. Frauen die zu viel trainieren, zu wenig essen und einen zu niedrigen Körperfettanteil aufweisen bemerken häufig einen unregelmäßigen Menstruationszyklus. Die Menstruation bleibt bei Frauen mit einem Körperfettanteil von unter 10% aus. Fettgewebe produziert u.a. Östrogen - eine zu schlanke Frau produziert dementsprechend nicht genug Östrogen und beginnt zusätzlich an Knochenmasse zu verlieren.

Auch Leptin besitzt eine Auswirkung auf die Menstruation. Leptin ist ein Protein, das von den Fettzellen produziert wird und als Hormon auf die Fruchtbarkeit wirkt. Es ist außerdem das Hormon, das dafür verantwortlich ist, dass du dich satt fühlst. Man geht davon, dass der Leptinspiegel positiv mit den Körperfettspiegeln korrelieren.


Aus Sicht der Evolution (die nichts anderes beabsichtigt als die Vermehrung der stärksten, anpassungsfähigsten und gesündesten Individuen) macht das natürlich Sinn:

Bei weniger als 10% Körperfett (bzw. weniger als 85% des individuellen Idealgewichts) geht der Organismus davon aus, der Frau steht nicht genug Nahrung zur Verfügung. Somit wäre auch ein ungeborenes Baby unterversorgt. Es würde entweder bereits im Mutterleib sterben oder mit Mangelerscheinungen geboren. Statt schwächliche Nachkommen zu produzieren, bremst die Natur dieses Risiko durch den ausbleibenden Eisprung einfach aus.


Männer brauchen weniger Fett

Das Enzym Aromatase, welches im Fettgewebe besonders reichlich vorkommt, wandelt Testosteron zu Östrogen um. Dies kann dazu führen, dass das Brustdrüsengewebe beim Mann zu wachsen beginnt - es entsteht die sogenannte Männerbrust, die durch Übergewicht begünstigt wird. Ebenso begünstigt Übergewicht das Risiko für Erektionsstörungen. Gerade Fett in der Bauchgegend sorgt dafür, dass der Testosteronspiegel abflacht und somit auch die Manneskraft nachlässt.



Kennt der Hunger Grenzen?

Was wäre wohl passiert, wenn die prähistorischen Menschen jeden Tag Nahrung im Überfluss gehabt hätten? Hätten sie sich dann voll gemampft und wären dick geworden? Vermutlich nicht, denn im menschlichen Körper finden zahlreiche biochemische Prozesse statt, die den Hunger regulieren. Und mal ehrlich, übergewichtigen Jäger wären sicherlich jedes Mammut lachend davon spaziert.

Damit wir zur richtigen Zeit unsere Fettspeicher wieder auffüllen und rechtzeitig aufhören zu essen, um agil zu bleiben, hat die Evolution entsprechende Regulationsmechanismen "eingebaut". Der wichtigste Mechanismus in diesem Kontext wird von einem Hormon aus dem Fettgewebe gesteuert: Leptin. Auch alle anderen Hormone und Substanzen, die das Fettgewebe ausschüttet dienen vor allem der Regulation und entscheiden, ob neue Fettzellen gebildet werden, ob der Mensch sich weniger bewegen soll oder ob er aktiv werden muss, um Nahrung zu beschaffen.

Vor über 60 Jahren wurde eher zufällig eine immer dicker werdende Labormaus entdeckt, die einfach immer dicker und dicker wurde und auch nach ausreichender Futteraufnahme nicht aufhören konnte zu fressen. Ursache war ein genetischer Defekt – dieser Maus fehlte das „obese“-Gen, welches die Information für Leptin enthält. Obwohl Mäuse mit diesem Gendefekt schon lange bekannt waren, wurde das Hormon Leptin erst 1994 entdeckt. Leptin wird von weißen Fettzellen ausgeschüttet und verbindet sich mit den Rezeptoren im Gehirn. Dort gibt es Auskunft darüber, wie groß die Fettspeicher aktuell sind. Schrumpfen die Fettspeicher, wird weniger Leptin produziert. Steigt die Menge der Reserven, wird mehr Leptin ausgeschüttet.

Im Gehirn blockiert Leptin die Ausschüttung zweier appetitstimulierender Substanzen (AgRP = agouti related protein und NPY = neuropeotide Y). Weniger appetitstimulierende Substanzen bedeutet weniger Hungergefühl. Parallel dazu stimuliert Leptin im Hirn die Ausschüttung zweier appetitzügelnder Substanzen (POMC = Proopiomelanocortin und CART = Kokain- und Amphetamin-reguliertes Transkript). Das heißt, Leptin lenkt das Sättigungs- und Hungerempfinden. Natürlich macht das Sinn, denn je mehr Fettreserven vorhanden sind, umso weniger muss aufgefüllt werden. Der Organismus soll schließlich gesund und aktiv bleiben. Werden die Fettspeicher wieder kleiner, sinkt der Leptinspiegel und der Hunger steigt.

Zugleich stimuliert Leptin auch das sympathische Nervensystem und lässt den Blutdruck und die Herzfrequenz steigen und das braune Fettgewebe sorgt für Wärmeentwicklung (Thermogenese). Der Energieverbrauch steigt an. Umgekehrt sinkt der Energieverbrauch bei einem geringeren Leptinspiegel Das bedeutet, dass der sogenannte Grundumsatz absinkt. Im ungünstigsten Fall schaltet der Körper also auf "Sparflamme", um seine Funktionen auch bei kleinerer Energiezufuhr erhalten zu können.

Ein höherer Grundumsatz ist für uns, die nicht von Nahrungsmittelknappheit betroffen sind, dann interessant, wenn wir abnehmen möchten.


Der Grundumsatz - Energieumsatz (in kcal)

Unter Grundumsatz wird der Energieverbrauch im Ruhemodus, abhängig von der individuellen Muskelmasse und auch vom Alter, verstanden. Deinen Grundumsatz kannst du ganz einfach mit der Harris-Benedict-Formel berechnen (Der höhere Grundumsatz des Mannes erklärt sich durch dessen größere Muskelmasse):

​Männer

Frauen

​Grundumsatz berechnen

66,47 + (13,7 * Körpergewicht [kg]) + (5 * Körpergrösse [cm]) - (6,8 * Alter [Jahre])

655,1 + (9,6 * Körpergewicht [kg]) + (1,8 * Körpergrösse [cm]) - (4,7 * Alter [Jahre])

Beispiel

​Ein 85kg schwerer und 40 Jahre alter Mann mit einer Körpergröße von 1,85m hat einen Grundumsatz von ca. 1883kcal/24 Std.

​Eine 62kg schwere Frau im Alter von 42 und einer Körpergröße von 1,60m hat einen Grundumsatz von ca. 1340kcal/24 Std.

Wer sein Gewicht dauerhaft reduzieren möchte, wird schnell feststellen, dass "mehr trainieren, weniger essen", nicht der beste Weg ist. Erhält der Körper zu wenig Energie, schaltet er in einen Notfallmodus und hält den Energiehaushalt einfach an. Das wars dann - das Hüftgold bleibt genau dort, wo es ist.

Anstatt “Energiezufuhr geringer als Energieverbrauch“ ist ein “Energieverbrauch höher als Energiezufuhr" anzustreben. Eine reine Energiereduzierung ohne gleichzeitige körperliche Aktivität würde langfristig nur zu einem Absinken des Grundumsatzes und einem Abbau von Muskelmasse führen. Dadurch wird der Grundumsatz noch weiter gedrosselt und eine Körperfettreduzierung auf lange Sicht immer schwieriger. Harte, lange Fastenkuren und Crash-Diäten bewirken genau diesen unerwünschten Effekt! Werden zu wenig Kalorien aufgenommen, insbesondere zu wenig Kohlenhydrate, fällt man damit schnell unter den Grundumsatz. Dadurch verlangsamt sich der Stoffwechsel extrem und es können keine Kilos purzeln. Die Kilos bleiben also genau dort, wo du sie vermutlich nicht haben möchtest. Deshalb soll lieber der Energieverbrauch erhöht werden.


Wichtig ist es, sich regelmäßig mit einer Intensität, die über die üblichen Alltagsbelastungen hinausgeht, zu betätigen. Wer Abnehmen will, ist vor allem mit 2-3 x wöchentlichen Krafttraining und ergänzendem Ausdauertraining gut beraten. Die Erklärung, warum Krafttraining besonders effizient beim “Abspecken” hilft, ist relativ einfach: Der Energieverbrauch während einer intensiven Krafttrainingseinheit ist annähernd so hoch wie der einer gleich langen Ausdauertrainingseinheit. Jedoch bewirkt Krafttraining den sogenannten "Nachbrenneffekt". Das bedeutet das Training sorgt für eine gesteigerte Fettverbrennung im Ruhezustand, die viele Stunden anhält (je nach wissenschaftlicher Publikation ist von 24 bis 48 Stunden die Rede). Langfristig wird auch eine Steigerung Grundumsatzes (siehe Abschnitt oben) erzielt.


Gut zu wissen: Die ruhenden Muskeln beziehen ihre Energie fast ausschließlich aus der Fettsäureoxidation. Rund 18% des Grundumsatzes verbraucht die Muskulatur (25% das Gehirn, 25% die Leber, 30 % die restlichen Organe und 2% das Fettgewebe)

Ab dem 30. Lebensjahr verliert der Mensch jedes Jahr ca. 1% seiner Muskelmasse, wenn nicht mit entsprechender körperlicher Aktivität entgegenwirkt wird. Mit Ausdauertraining kann nur sehr geringfügig Muskulatur aufgebaut werden. Daher ist Krafttraining ein hervorragender Begleiter deiner Gesundheit. Mit dem Aufbau von Muskulatur geht die Vermehrung und Vergrößerung der Mitochondrien einher. Dafür erforderlich ist ein Training im gesamten aeroben Bereich - und der reicht bis zur anaeroben Schwelle. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Hier findet die Energiegewinnung für den Körper statt. Mitochondrien wandeln Fette und Kohlenhydrate in Energie um. Nimmt also die Zahl der Mitochondrien zu, so arbeitet der Stoffwechsel schneller und der Grundumsatz des Körpers steigt. Durch den Muskelaufbau kann also Grundumsatz und auch der Fettabbau deutlich erhöht werden.


Ein Kilogramm Muskelmasse erhöht den Grundumsatz um bis zu 100 Kalorien pro Tag. Dadurch baut der Körper von selbst binnen eines Jahres 3 kg Fett ab!

Achtung: Ein Fettstoffwechseltraining (oft auch inkorrekt als “Fettverbrennungstraining“ bezeichnet) ist kein Training zum Fettabbau. Es ist ein extensives Ausdauertraining nach der Dauermethode mit dem Zweck die Energiebereitstellung in den Muskeln unter langdauernder extensiver Belastung zu optimieren. Die arbeitende Muskulatur lernt dabei, die Energie überwiegend aus der Fettverbrennung zu gewinnen und damit ihren wertvollen, limitierten Glykogenspeicher weniger zu nutzen. Ein solches Fettstoffwechseltraining entwickelt die Grundlage der Langzeitausdauer.


Auch HIIT ist eine effektive Methode, um unliebsames Körperfett zu verlieren. Es ist aber selbstverständlich nicht für jedermann geeignet, so wie jede andere Form eines intensiven Ausdauertrainings, weil man dafür ein gewisses Maß an Grundausdauer braucht. (Ja, natürlich kannst du dir all das antrainieren! )




Noch mal zurück zum Leptin...

Leptin wirkt als natürlicher Appetitzügler und es kann sogar im Labor hergestellt werden. Klingt nach dem perfekten Mitteln zum Abnehmen? Tja, leider ist das bei übergewichtigen Menschen vollkommen nutzlos. Übergewichtige Menschen haben jede Menge Fettgewebe. Jede Menge Körperfett bedeutet jede Menge Leptin produzierende Zellen. Viel Leptin sollte dem Körper eigentlich "satt" signalisieren, damit nicht noch mehr gegessen wird. An irgendeinem Punkt hat die natürliche Regulation versagt und es wurde das Gleichgewicht von Energieaufnahme und -verbrauch durcheinander gebracht. Die Gründe dafür sind noch nicht eindeutig geklärt, aber hier sind naheliegende Vermutungen:

  • Emotionales und falsches Essen wird oft bereits in der Kindheit geprägt. Essen wird als "Trostpflaster" missbraucht und Kinder werden gezwungen um jeden Preis "den Teller brav leer zu essen". Das natürliche Sättigungsgefühl wird konsequent ignoriert und irgendwann funktioniert es halt nicht mehr.

  • Junk Food setzt die Regulationsmechanismen außer Kraft. Ein ungünstiges Kohlenhydrat-Fett-Verhältnis sowie diverse Zusatz- und Aromastoffe gaukeln dem Hirn einen riesigen Bedarf vor, der zwar gar nicht existiert, aber dennoch wahrgenommen wird. Deshalb können sich viele Menschen bei Schoggi, Chips, Sahnetorte, Burger und Fertignahrung nicht bremsen und essen immer mehr davon.

  • "Durch eigene Fehlernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes können vererbt werden. Münchner Wissenschaftler haben an Mäusen gezeigt, dass die Veranlagung zu diesen ernährungsbedingten Krankheiten sowohl über Eizellen als auch über Spermien epigenetisch an die Nachkommen weitergegeben werden." (Quelle: Fettleibigkeit und Diabetes epigenetisch vererbbar https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/ vom 15.03. 2016)

Wenn die Leptin-Meldung "es ist genug" ignoriert wird, muss der Körper neue Fettzellen bilden - irgendwo muss das Fett, das aus der Nahrung aufgenommen wird, ja hin, wenn es nicht verbraucht wird. Isst der Mensch trotz voller Fettspeicher weiter, weil es doch so gut schmeckt oder weil man traurig ist (etc), dann wird die Kommunikation zwischen Fettgewebe und Hirn gestört. Dann kann das Fettgewebe so viel Leptin ausschütten, wie es will. Die Info kommt im Gehirn nicht mehr an. Daher ist die zusätzliche Gabe von Leptin an Übergewichtige nutzlos, denn das Hirn kann die Info bereits nicht mehr verarbeiten. Der Sättigungsmechanismus ist außer Kraft gesetzt. Und obwohl die Fettspeicher prall gefüllt sind haben die Betroffenen Hunger. In einem solchen Fall spricht man von Leptinresistenz. Diese kann nur rückgängig gemacht werden, indem das Fettgewebe verringert wird Konkret bedeutet dies: Abspecken bis auf ein normales, gesundes Gewicht! Das Gehirn kann dadurch wieder für die Leptinsignale sensibilisiert werden. Radikale Diäten, extreme Low-Carb-Diäten, Crash-Diäten u.ä. führen nicht zum Ziel. Bei zu kalorienarmer Diät oder starker Einschränkung der Kohlenhydrate, sinkt der Leptinspiegel schneller ab als die Fettreserven selbst. Die Info „hier herrscht Notstand“ trifft im Gehirn ein, bevor überhaupt echter Notstand herrscht. Ergo, der Körper verlangt nach mehr Energie durch Kohlenhydrate und Fett. Zack, schon stecken Betroffene im Teufelskreis fest.


Übrigens - auch bei Untergewicht gerät der Leptinspiegel aus der Balance. Wenn man stark oder sehr schnell abnimmt oder die falsche Diät macht, sinkt das Leptinlevel. Mit Heißhungerattacken sollen die Fettspeicher wieder aufgefüllt werden. Wer dem Verlangen des Organismus nach größeren Reserven nicht nachkommt, sondern weiter abnimmt, kann einen weiter sinkenden Leptinspiegel beobachten und verbraucht weniger Energie. Das hat zur Folge, dass die Körpertemperatur abfällt, der (oder die) Betroffene friert, das Haarwachstum verlangsamt und Fruchtbarkeit wird eingestellt (bei Frauen bleibt Menstruation aus).



Ein letztes Wort...

Übergewichtigen fehlende Disziplin zu unterstellen ist in vielen Fällen eine unreflektierte Reaktion.

Gewichtskontrolle liegt zu einem großen Teil außerhalb der Willenskraft biologische, hormonelle und genetische Faktoren können es selbst dem diszipliniertesten Menschen schwer machen abzunehmen. Auch das Alter, das Geschlecht und ganz besonders unser postindustrieller Lebensstil können als weitere Ursachen betrachten werden. Nur durch eine langfristige Neuausrichtung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten kann dem Übergewicht nachhaltig entgegen gewirkt werden. Statt krasser Kurzzeit-Diäten, ist ein jahrelang umsetzbarer Lebensstil effektiver. Im Idealfall beugst du Fettleibigkeit bereits durch einen ausgewogenen Lebensstil vor.


Kraft und Gesundheit sind nicht allein von deiner Kleidergröße abhängig. Zu viel ist genauso problematisch wie zu wenig, daher gilt es auch beim Körpergewicht das richtige Maß zu halten.