Gesundheit steckt im Darm

Dass der Darm mit Bakterien besiedelt ist, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben. Die Gesamtheit dieser Bakterien im Darm wird als Darmflora oder Darmmikrobiom bezeichnet. Auch schon mal gehört, oder?


In den letzten Jahren rückte diese Darmflora immer mehr in den Fokus der Wissenschaft und dabei wurde erkannt, was in traditionellen Gesundheitssystemen schon seit Jahrhunderten bekannt ist: Der Darm hat enorm großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Und das nicht nur, weil von dort aus alle Nährstoffe aus der Nahrung ins Blut übergehen. Die Aufgaben der Darmflora sind:

  • die Verarbeitung von Nahrungsbestandteilen, die körpereigene Enzyme nicht bewältigen

  • die Herstellung von Vitaminen

  • die Produktion kurzkettiger Fettsäuren

  • der Abbau von Giften

  • die Produktion von Stoffen, die das Wachstum anderer Bakterien hemmen.

  • die Produktion kurzkettiger Fettsäuren als Energielieferanten für den Darm

  • die Anregung der Darmbewegung und -funktion

  • mit Krankheitskeimen um Nahrung und Anheftungsstellen an der Darmschleimhaut zu konkurrieren

Der Darm verdaut nicht nur Speisen und Getränke, sondern steuern auch Immunprozesse und kommuniziert mit dem Gehirn. Genauer betrachtet, ist es nicht allein der Darm als Organ, sondern die Darmflora (Mikrobiom) maßgeblich für diese Prozesse im menschliche Körper verantwortlich.

Der Zustand der Darmflora scheint die gesamte Gesundheit und die Alterungsprozesse des Menschen zu beeinflussen. Trotz der bisherigen Forschungen, sind alle Details zu diesem Thema aus Perspektive der modernen Wissenschaft noch immer nicht komplett verstanden. Überhaupt ist erst seit einigen Jahren bekannt, dass die Darmflora über die sogenannte Darm-Hirn-Achse mit dem Gehirn kommuniziert. Inzwischen wissen wir, dass ein geschädigtes Mikrobiom im Darm auch im Zusammenhang mit psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen steht. Ebenfalls wurde eine Verbindung zwischen der Lernfähigkeit -somit auch mit dem altersbedingter Rückgang kognitiver Fähigkeiten- und der Darmflora erkannt.


70% aller Immunzellen befinden sich im Dünn- und Dickdarm
Fast 80% aller Abwehrreaktionen finden im Darm statt
Ca. 90 % aller Antikörper werden im Darm gebildet

Damit ist der Darm ein essentieller Teil unseres Immunsystems. Ist der Darm gesund, bist du besser gegen viele verschiedene Krankheiten gewappnet. Kontrolliert wird der Darm durch das Darm-assoziierte Immunsystem (GALT). Aufgabe des GALT ist es, Krankheitserreger abzuwehren und gleichzeitig keine Nahrungsbestandteile oder die nützlichen Bakterien der Darmflora anzugreifen. Bevor Krankheitserreger überhaupt mit dem GALT in Kontakt kommen, müssen sie eine Barriere überwinden, bei der die Darmschleimhaut und die Darmflora zusammenwirken. Die Darmflora ist ein individuell zusammengesetztes Gemisch verschiedener Hefen und Bakterien wie Escherischia coli, Bifido- und Milchsäurebakterien. Gelangen Colibakterien oder Hefepilze an den falschen Ort im oder am Körper, kann dies krank machen, obwohl sie zur natürlichen Besiedlung des Darms gehören. Andere Teile des Mikrobioms, wie die Bifido- und Milchsäurebakterien, sind nur nützlich und können keinen Schaden anrichten.


Probiotika

Da inzwischen immer mehr Menschen bewusst ist, wie wichtig die Gesunderhaltung des Darms ist, boomt der Verkauf von sogenannten Probiotika-Produkten. Probiotika sollen helfen die Darmflora zu stärken oder z.B. nach einer Durchfallerkrankung oder Antibiotika-Einnahme wieder aufzubauen. Die "guten" Kulturen dieser Produkte können in falscher Zusammensetzung oder zu hoher Menge durchaus schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Immunologe Prof. Dr. Eran Elinav vom Weizmann Institute of Science in Israel und sein Forscherteam stellen auch fest, dass Probiotika die Regeneration der Darmflora sogar behindern. Die ungezielte Gabe von Probiotika- Produkten scheint den meisten Patienten nicht zu nutzen, sondern manchmal sogar zu schaden. Zum Beispiel darf das Präparat Yomogi® nicht eingenommen werden, wenn Sie allergisch gegen Hefen sind oder einen Zentralvenenkatheter haben. Auch für immunsupprimierten oder hospitalisierten Menschen ist dieses Präparat nicht geeignet. Natürlich können hier in diesem Artikel nicht alle auf dem Markt erhältlichen Probiotika erörtert werden, daher besprechen Sie am besten mit einem Arzt oder einer Ärztin, ob und welches Probiotika für Sie geeignet ist.


Bekannt ist, dass eine Antibiotikatherapie die gesunde Darmflora stört und sich das Bakterium C. difficile vermehrt sowie Toxine (Gifte) bilden kann. Dies kann zu einer schweren Durchfallerkrankung oder gar einer lebensbedrohlichen Entzündung des Dickdarmes führen. Die gezielte Gabe von probiotischen Präparaten konnte das Risiko dieser Folgen einer Antibiotikatherapie um 60 % reduzieren. Fazit: Im Krankheitsfall kann die Einnahme probiotischer Kulturen unter Aufsicht eines Arztes hilfreich sein. Gesund Menschen stärken ihre Darmflora lieber durch eine gute Ernährung. Natürliche Probiotika wie Apfelessig, Kefir, Kombucha und Sauerkraut, sollten auf dem Speiseplan nicht fehlen.


Welche Bedeutung die Darmflora für die körpereigene Abwehr hat, lässt sich an steril aufgezogenen Labortieren deutlich erkennen. Diese Tiere haben keinerlei Darmbakterien und zeigen eine deutliche Verkleinerung aller am Immunsystem beteiligten Organe. Außerdem haben sie weniger Antikörper im Blut und sind anfälliger für Infektionen. Das zeigt, dass eine gesunde Darmflora vor verschiedenen Krankheiten schützen kann. Um deine Darmflora gesund zu halten, sind folgende Verhaltensweisen besonders empfohlen:


✓ Achte auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung

✓ Bewegung hält Verdauung und Immunsystem fit

✓ Ballaststoffe sind der Darmflora und -aktivität sehr zuträglich

✓ Iss regelmäßig natürliche Probiotika

✓ Schränke Konsum von raffiniertem Zucker ein





Quellen


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann und will die Diagnose, Beratung und Therapie durch einen Arzt nicht ersetzen.