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Heuschnupfen aus ayurvedischer Sicht

  • 13. Mai 2024
  • 5 Min. Lesezeit

Graut es dir bei dem Gedanken an blühende Blumen, wachsende Gräser und all die Pollen, die durch die Lüfte schwirren? Rund 12 Millionen Menschen in Deutschland und etwa 20 % der Bevölkerung in der Schweiz sind von einer Pollenallergie in leichter oder schwerer Ausprägung betroffen.

Die allergische Rhinitis (Heuschnupfen) ist eine aufgrund von Allergien auftretende Entzündung der Nasenschleimhaut.

Tränende und juckende Augen, Niesattacken oft begleitet von triefendem Ausfluss, geschwollene Schleimhäute oder sogar Atemnot und Bronchitis gehören zu den plagenden Symptomen einer Pollenallergie. Häufig gesellen sich asthmatische Beschwerden oder Nesselsucht zum Heuschnupfen hinzu. Die Symptome sind Ergebnis einer entzündlichen Überreaktion des Immunsystems auf Proteinbestandteile in pflanzlichen Pollen oder Gräsern. Diese werden in der westlich-modernen Medizin gewöhnlich mit abschwellenden Nasen- und Augentropfen, Antihistaminika, Cortison und ähnlichem behandelt. Abhängig vom Medikament können Nebenwirkungen wie unter anderem Müdigkeit und Benommenheit, trockne Nasenschleimhaut, Nasenbluten, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Störungen, Atemwegsinfektionen sowie bei längerer Anwendung eine Abhängigkeit mit Ausbildung eines medikamentösen Schnupfens auftreten. Präparate mit dem Beclomethasondipropionat erhöhen sogar das Risiko einer Wachstumsverzögerung bei ungeborenen Kindern. Immer mehr Allergiker wünschen sich daher andere, wirksame jedoch nebenwirkungsarme Lösungen.


Aus Sicht des Ayurveda

Im bedeutenden ayurvedisch-medizinischen Lehrbuch namens Charaka Samhita werden Allergien ausführlich beschrieben, daher kennt der Ayurveda für jeden Allergiker passende Maßnahmen, um die Beschwerden gemäß der individuellen Konstitution zu behandeln.


Pollenallergien treten zwar nicht ausschließlich, jedoch verstärkt im Frühjahr und Frühsommer auf, wenn in der Natur das Kapha-Dosha dominiert. Obwohl jedes der drei Dosha an Allergien beteiligt sein können, weisen Heuschnupfen und allergisch-bedingte asthmatische Bronchitis auf ein Übermaß an Kapha hin. Doch auch das sensible Vata-Dosha spielt hier eine Rolle. Kommt es zu einer Aggravation von Vata im Kopf und einer Eindickung der Sekrete, wird der natürliche Fluss der Sekrete behindert und die ersten Beschwerden wie Schweregefühl (im Kopf), leichte Körperschmerzen, nasaler Juckreiz und Niesreiz zeigen sich. Unbehandelt können diese Symptome chronisch werden und eine Allergie ausbilden.

Welches Dosha besonders betroffen ist, zeigt sich durch die verschiedene Symptomatik des Allergikers:


  • Vata: ausgeprägtes Niesen, wässrige dünne Sekretionen, Heiserkeit, Mundtrockenheit, trockener Husten, Atemnot, Schwindel, Kopfschmerz sowie stechende Empfindungen

  • Pitta: Entzündungen an der Nasenspitze, Fieber, Mundtrockenheit, Hitze, Rötungen, ausgeprägter Durst sowie heiße, gelbliche und flüssige Sekrete aus der Nase

  • Kapha: Husten, Appetitlosigkeit, eingedicktem Sekret und Speichel, Verschleimung (besonders der Nasennebenhöhlen), erschwerte Atmung, Aufgedunsenheit, Schweregefühl und Juckreiz in und um die Nase, Schwellungen

Sind alle drei Dosha beteiligt, kommt es zu einer Verbindung der einzelnen Symptome mit möglicherweise intensiveren Beschwerden, welche weitere Organe und die Atemwege stark belasten können.



Warum reagieren manche Menschen allergisch und andere nicht?

Der westlich-medizinische Begriff allergische Rhinitis entspricht dem ayurvedischen Pratishayaya. Allergie (allgemein) wird von den Gelehrten unter dem Begriff Asatmyaja Vyadhi als "eine Krankheit, die durch Unzuträgliches entsteht" definiert. Erbliche Komponente, das Nichtbefolgen der Ernährungsempfehlungen (Dushivisha acarya), langfristigen Vergiftung mit milden Toxinen (dushivisha) und Umweltfaktoren entscheiden darüber, ob ein Mensch auf grundsätzlich harmlose Substanzen wie Tierfell, Pollen, Staub oder Nahrungsmittel allergisch reagiert.


  • Erblichkeit bezieht sich auf die individuelle Immunität (bala), welche zum Zeitpunkt der Empfängnis festgelegt wird und z. B. einen erhöhten IgE-Level (allergietypische Antikörper) bedingen kann. Den Ayurvedagelehrten war also schon vor Jahrhunderten klar, dass die Genetik die persönliche Gesundheit beeinflusst. Heuschnupfen tritt vor allem bei Vata- und Kapha-Typen auf. Allergiker mit Pitta-Dominanz tendieren eher zu Ekzema oder Ausschlägen.

  • Wer die dosha-bezogenen Ernährung missachtet, verureinigt die Dhatus (Körpergewebe) und fördert krankmachende Dysbalancen der Doshas - und somit auch Allergien. Der Ayurveda erklärt, dass bei den nicht betroffenen Personen Ojas (das feinste Stoffwechselprodukt, substanzielle Lebensenergie und Immunkraft) stärker sind als bei einem Allergiker. Ojas bildet sich, wenn wir die Nahrung optimal verdauen. Ein gesundes Ojas schützt den Körper. Allergiker weisen oft ein schwaches Agni (Verdauungsfeuer) auf, wodurch die Bildung der Immunkraft (Ojas) gestört wird. Zusätzlich sammelt sich Ama ("Stoffwechselrückstände") an und blockiert die Körperkanäle. Im Falle einer Allergie kann sich dies durch Juckreiz, Ansammlung von Schleim, Benommenheit, Müdigkeit und Reizbarkeit äußern.

  • Umweltbedingte Allergien durch den Übergang der Jahreszeiten (Ritu sandhi), welcher alle drei Doshas aggraviert (Tridosha prakopa) werden vor allem verstärkt, wenn die saisonale Routine nicht befolgt wird.

Das wiederholte Auftreten der Beschwerden und die Chronizität werden durch eine mangelhafte Ausleitung der Doshas erklärt. Diese bleiben auf einem erhöhten Level und können durch den Kontakt mit Allergenen die wiederholt auftretende Symptomatik verursachen.


Was empfiehlt der Ayurveda Allergikern?

Der Ayurveda kennt drei grundlegende Behandlungsstile:

  • besänftigend (samshamana)

  • reinigend (samshodhana)

  • Vermeidung der auslösenden Faktoren (nidanaparivarjana)

Im Falle einer Pollenallergie wird insbesondere die reinigende Behandlung der Nase betont. Auf unserer Pinnwannd findest du eine Anleitung zur Reinigung der Nase >>> nach ayurvedischen Prinzipien zur Eigenanwendung. Pollenallergiker spülen die Nase mit lauwarmen Salzwasser vorzugsweise am Abend, bevor sie schlafen gehen. Außerdem sollen natürliche Bedürfnisse wie der Nies- und Hustenreflexes sowie die tiefe Atmung nicht unterdrückt werden, da dies sonst den Boden für Allergien nährt. Meist liegen beim Heuschnupfen viele oder gar alle Symptome parallel vor. In dem Fall sollte jenes Dosha behandelt werden, das die Hauptsymptome verursachte.  In den meisten Fällen müssen Vata und Kapha reduziert werden. Begonnen werden sollte mit einer Darmkur >>> oder Panchakarma-Reinigung.


Am besten wird die Behandlung einer Pollenallergie bereits vor Beginn der Symptome gestartet. Dazu wird schon im Winter die Ernährung individuell angepasst, um von der Reinigungskur im Frühjahr optimal zu profitieren. Pancakarma, die große Reinigung, bedarf Zeit - mindestens vier Wochen sind einzuplanen. Unter Aufsicht eines Ayurvedaarztes kann die große Reinigung mit ausleitenden Verfahren wie Vamana (Magenspülung) stattfinden. Geeignete Darmeinläufe können gehören ebenfalls dazu. Basti können auch eigenständig daheim ausgeführt werden. Weiter werden Pulver und medizinierte Öle durch die Nase verabreicht. Häufig sind die Pulver Myrica nagi (Kataphala), Acorus calamus (Vaca), Piper longum (Pippali)r und Shadbindu Taila (Öl) für Menschen mit Heuschnupfen geeignet. Im Alleingang sollten die verschiedenen Pflanzenpräparate nicht verwendet werden.


Als wichtige Maßnahme für langfristige Linderung -oder gar völliger Ausschaltung- des Heuschnupfens gilt die Wiederherstellung von Agni. Dies gelingt gut durch ayurvedisches Fasten oder einfacher Flüssigkeitstage vor und zu Beginn der Kapha-Zeit ab ungefähr Februar oder März. Sowohl in der Prävention als auch bei einer akuten Allergie soll die Ernährung Vata und Kapha senken. Nachstehend findest du eine Übersicht, wie du bevorzugst essen bzw. was du vermeiden oder zumindest deutlich reduzieren solltest, um deiner Allergie entgegen zu wirken. Beachte, dass dies Anhaltspunkte sind und die Ernährung stets an die persönliche Konstitution angepasst wird.

❌ Vermeiden

✅ Bevorzugen

schwer verdaulichen Nahrungsmittel

gekochte und mit mild gewürzte Speisen

Milch mit frischen Früchten

 regelmäßiger Rhythmus beim Essen

Fleischprodukte

wärmende Gewürze (z.B. Pfeffer und Ingwer)

 saure (Zitrusfrüchte, Tomaten, Milchprodukte) und süße Speisen

scharfe und bittere Speisen

Nüsse

Mungdal

Meeresfrüchte

wenig Spargel und Kürbis

Hafer und Mais

Hirse, Gerste, Reis, Quinoa und etwas Dinkel

Rohe Früchte

Datteln, Trauben, Feigen, Papaya, Birnen sowie gekochtes oder gedünstetes Obst

Rohkost

gekochte rote Bete, Brokkoli, Blumenkohl, Karotten, gekochte Gurken, Blattgemüse

Kalte Getränke

Warmer Kräutertee

Starte deinen Tag mit einem leichten, warmen Frühstück (z.B. gekochter Getreidebrei). Die Hauptmahlzeit sollte mittags verzehrt werden, abends stehen bis 19.00 Uhr lediglich heiße, gut gewürzte Suppen oder leichte Gemüsegerichte auf dem Menü.

Zusätzlich zur dosha-gerechten Ernährung können pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel und ayurvedische Rezepturen nach individueller Beratung und persönlicher Dosierung eingesetzt werden. Zu diesen Hilfsmitteln gehören:

  • Piper longum (Pippali) /Langer Pfeffer

  • Curcuma longa (Haridra) / Kurkmawurzel

  • Adhatoda Vasika (Vasaka) / Indisches Lungenkraut

  • Azadirachta indica (Nimba) / Niem

  • Tinospora cordifolia (Guduci) / Guduchi

  • Hemidesmus indicus (Sariva)

  • Withania somnifera (Ashwagandha) / Schlafbeere

  • Sitopaladi Churna (ein Pulver aus Ceylon Zimt (Cinnamomum zeylanica), Kardamom (Elettaria cardamomum), Langem Pfeffer (Piper longum), Bambus (Bambusa arundinacea oder Bambusa bambos) und Zucker)

  • Trikatu (Pulver aus schwarzem und Langem Pfeffer und Ingwer)


Weitere Maßnahmen

  • Um den Heuschnupfen zu lindern, haben sich regelmäßige Gesichts-Dampbäder mit Kurkuma bewährt. Gib einen Teelöffel Kurkuma-Pulver in eine Schüssel mit heißem Wasser und inhaliere den Dampf einige Minuten lang.

  • Heißwasser-Trinkkur

  • Regelmäßige Bewegung

  • Kortision durch Weihrauch ersetzen (nur in Rücksprache mit einem Arzt)

  • Zorn und Ärger reduzieren

  • Morgendliche Ölmassage des Kopfes

  • Zungenschaben und Ölziehen

  • Kräuteröle zur Ganzkörpermassage (zur Vata-Linderung)

  • Pranayama (z.B. die Wechselatmung)

  • Gute Tagesroutine

  • Schlafhygiene und häufiges Lüften

  • 1-2 Tropfen Sesamöl in jedes Nasenloch geben bevor du das Haus verlässt



Fazit

Der Ayurveda kennt wirksame Maßnahmen, welche nicht nur oberflächlich die Symptome einer Pollenallergie lindern, sondern die Thematik ursächlich angeht. Jedoch erfordert das Mitwirken des Allergikers. Es bedarf durchaus etwas Disziplin, um die Ernährung und Lebensführung so zu gestalten, dass es der eigenen Gesundheit zuträglich ist.


  • https://www.ecarf.org/

  • Robert Koch Institut

  • Allergiezentrum Schweiz

  • Gelbe Liste

  • Charaka Samhita (Ci.26.104f.)

  • Madhava Nidana (Kap.58.13f.)

  • Klinische Studie von Anurjata Janita Pratishyaya (allergische Rhinitis und eine vergleichende Bewertung von Nasya karma), veröffentlicht von NEHA J. MODHA (TANK), V. D. SHUKLA, M. S. BAGHEL vom Institut für Post-Graduale Lehre und Forschung an der Gujarat Ayurved University in Jamnagar

  • eine klinische Evaluation von Haridra Khanda und Pippalyadi Taila Nasya auf Pratishayaya (allergische rhinitis)“, veröffentlicht von CHHAYA BHAKTI, MANJUSHA RAJAGOPALA, A. K. SHAH., NARAYAN BAVALATTI vom Institut für Post-Graduale Lehre und Forschung an der Gujarat Ayurved University in Jamnagar

  • An Ayurvedic treatment protocol in the management of Vataja Prathishyaya w.s.r. to Allergic Rhinitis - A Case Report, 2021, doi.org/10.21760/jaims.v6i4.1383

  • ROLE OF AYURVEDA IN THE MANAGEMENT OF ALLERGIC RHINITIS- A CASE STUDY, Dr. Shantha Basavaraj Sunagar and Dr. Syed Munawar Pasha

  • RESPIRATORY ALLERGIES IN CHILDREN – A GENERAL OVERVIEW ON THE BASIC TREATMENT CONCEPTS IN AYURVEDA, June 2023, Meera Panicker Bharati Vidyapeeth University and Anilkumar M.V.

  • Clinical Study of Anurjata Janita Pratishyaya (Allergic Rhinitis) & Comparative Assessment of Nasya Karma Modha (Tank), Neha J1,; Shukla, VD2; Baghel, MS3, AYU (An international quarterly journal of research in Ayurveda) 30(1):p 47-54, Jan–Mar 2009.

  • MANAGING ALLERGIC RHINITIS THROUGH AYURVEDA: A CASE REPORT, Dr. Vaishali Ambade Professor, Department of Shalakya Tantra, Bharti Ayurved Medical College & Hospital, Durg (C.G.), 9 September 2020

  • Comparative Phytochemical Analysis and Antioxidant Activities of Tamalakyadi Decoction with Its Modified Dosage Forms, Jeevani Maheshika Dahanayake, 1 Pathirage Kamal Perera, 1 Priyadarshani Galappatty, 2 Hettiarachchige Dona Sachindra Melshandi Perera, 3 and Liyanage Dona Ashanthi Menuka Arawwawala 3, Evid Based Complement Alternat Med. 2019; 2019: 6037137. Published online 2019 May 2. doi: 10.1155/2019/6037137


Dieser Artikel ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Auf keinen Fall kann dieser Artikel die fachliche Beratung durch einen Arzt ersetzen und darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose, Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden.


 
 
 

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