Kann Ayurveda auch vegan?

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine vegane Lebensweise. Andere bezeichnen die Ernährung ganz ohne jegliche tierischen Produkte als "radikal". Einige sehen darin gesundheitliche Vorteile, andere warnen vor Mangelernährung. Wie auch immer man zu Veganismus steht, in Deutschland ist "vegan" ist fast aller Munde. Auch Yogapraktizierende und Menschen, die sich mit dem Ayurveda befassen tendieren zur tierleidfreien und umweltfreundlichen Ernährung. Im Kern scheinen Yoga und Ayurveda sich bestens mit einem veganen Leben zu verstehen. Oder nicht? Yogis und Ayurveda-Anwender pflegen ihren Geist, ihren Körper, ihr Herz und auch ihr Karma. Es wird eine achtsame, friedliche und bewusste Lebensweise in den Veden und im Yoga gelehrt. Wer nun an die grausamen Massentierhaltung, die Qualen in den Schlachthöfen und die ausbeuterische Ressourcenverschwendung zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern denkt, der wird darin niemals sattvische (reine) Nahrungsmittel sehen. Zurecht! Doch wer sich mit dem Ayurveda beschäftigt, wird feststellen, dass dort Milch und Ghee (Buttereinfrett) zu den wichtigsten Säulen der Ernährung und den ayurvedischen Gesundheitskuren gehören. Zwar empfiehlt der Ayurveda weitgehend oder ganz auf Fleisch, Fisch und Eier zu verzichten, jedoch verbietet er tierische Produkte nicht strikt. Zum Beispiel werden im Westen als auch in Indien die berühmte Hühnersuppe bei Schwäche, Erkältung und Grippe empfohlen. Fleisch gilt als Aphrodisiakum und soll vor allem schwachen Menschen zu Kraft verhelfen. Nun schaut der Ayurveda nicht nur auf das, was du isst, sondern vielmehr auf das, was der Mensch gut verdauen kann. Die meisten Produkte tierischen Ursprungs sind schwer verdaulich und dementsprechend, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen oder kurativ bei Auszehrung zu verspeisen. Eine ethische Stellung beziehen die Ayurvedagelehrten in den antiken Schriften nicht. Milch, Joghurt, Ghee und Honig andererseits haben einen hohen Stellenwert und gelten auch als stärkend, nährend und psychoimmunisierend, also als sattvisch (sattvische Nahrungsmittel sind laut Ayurveda jene, die uns besonders gut tun). Auf schwer verdauliche Kost - d.h. auch tierische Produkte- soll laut Ayurveda am Abend grundsätzlich verzichtet werden.

Vegane Ayurveda Kuren Nahezu alle glauben, Veganer seien wegen ihrer Ernährung immer gesund. Die Realität sieht jedoch anders aus - auch Veganer nehmen jede Menge Giftstoffe über die Ernährung, Umweltbelastungen und Medikamente auf. Selbst Bio-Produkte sind mit schädlichen Stoffen belastet, wenn auch viel weniger als konventionell hergestelltes Obst und Gemüse. Außerdem sammelt sich auch im vegan ernährten Körper Ama (Stoffwechselendprodukte), wenn man zu viel, direkt vorm Schlafen oder nicht doshagerecht isst. Das betrifft Veganer genauso wie "Omnis" (Allesesser). Wenn Menschen mit Kapha-Dominanz zu viel Süßes und Schweres in sich schaufelt oder ein Vata-Mensch seine Leber pausenlos mit Salaten überfordert, dann sammelt sich ratzfatz Ama an. Ama gilt als Ursache von Blockaden und Krankheiten. Ergo, auch Veganern tuen ayurvedische Reinigungs- und Detoxkuren gut. In Deutschland, der Schweiz und den USA achten die meisten Ayurveda-Kliniken und Anbieter auf hohe Qualitätsstandards bei ihrer Milch, ihren Lassis, Ghee und Honig, welche zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Wer aber aus voller Überzeugung vegan lebt, wird diese Angebote sicher nicht nutzen wollen. Viele Anbieter bieten daher inzwischen auch vegane Varianten oder stellen sogar komplett auf das tier- und umweltfreundliche Ethik- und Bewusstheitseinstellung ihrer veganen Kunden um. Vor und während einer Panchakarma Kur (große Reinigungskur) ist fast immer vegane Kost angezeigt. Köstliches Essen lässt sich auch vegan zubereiten! Zu beachten ist dabei lediglich, ob die ausgetauschten Nahrungsmittel der jeweiligen Konstitution des Konsumenten entsprechen.

Therapeutisch werden im Ayurveda Ghee, Milch und Honig eingesetzt. Zum Beispiel wird in der Panchakarma Kur oft Ghee als Detoxgetränk verwendet, da es fettlösliche Toxine und Stoffwechselabfallprodukte binden kann, um sie später aus dem Körper zu schwemmen. Für Veganer können Sesam-, Sonnenblumen- oder Kokosöl benutzt werden. Sie weisen nicht exakt dieselbe Wirkung auf wie Ghee, bilden aber eine sinnvolle Alternative. Die meisten Detoxgetränke sind eh vegan - Ingwersaft mit Palmzucker, Aloe Vera Saft mit Kräuterzusätzen und und und. Ein paar wenige, medizinische Präparate sowie Massageöle enthalten Milch enthalten. Mehrheitlich jedoch sind sie vegan. Tee und heißes Wasser sind die Ayurveda Tausendsassas und natürlich vegan. Da man während einer Ayurveda-Entgiftungskur keinen Alkohol trinkt, ist man automatisch vor mit tierischen Eiweißen geklärten Bier- oder Weinsorten sicher. Fakt ist, Ayurveda ist in seinem Ursprung nicht vegan. Fakt ist auch, dass Fleisch, Fisch und Milch nicht mehr das Gleiche ist wie vor Tausend oder Hundert Jahren. Die Tiere sind heutzutage mit allerlei Toxinen, Medikamenten und künstlichen Hormonen vollgepumpt, werden oftmals mit artfremdem Mastfutter ernährt und unter unwürdigen Bedingungen gehalten und geschlachtet. Auch unsere Umwelt leidet massiv unter der Ausbeutung, die wir Menschen betreiben, um Fleisch & Co. auf den Teller zu bekommen - wichtige Ressourcen wie Wasser und Boden werden durch industrielle Landwirtschaft ausgelaugt und durch die riesigen, offenliegenden Flächen gehen sowohl Boden als auch Wasser verloren (man bedenke z.B. den immer geringer werdenden Regenfall in Süddeutschland!). Auch die Brandrodung wichtiger Wälder in Südamerika und Asien geht überwiegend auf die Futtermittelherstellung für sogenannte Nutztiere zurück. Wir, die Menschheit, verbrauchen mit diesem Lebensstil mehr Ressourcen als uns Mutter Erde zur Verfügung stellen kann. Aus einer solch schädlichen, lebensfeindlichen und rücksichtslosen können keine gesunden, sattvischen Nahrungsmittel hervorgehen. Das Billigschnitzel für 1,49 €, die Dioxin belasteten Eier und die verwässerte, pasteurisierte Milch sind ganz sicher nicht im Sinne des Ayurveda. Obwohl ich selbst seit 26 Jahren vegetarisch lebe, zwischenzeitlich waren auch 9 vegane Jahre dabei, mag ich dem Ayurveda zustimmen und halte Fleisch, Fisch, Ei, Honig und Milch in kleinen Mengen durchaus für nahrhaft und gesundheitsfördernd. Jedoch ganz klar nicht unter den Bedingungen, wie wir sie heute vorfinden. In Anbetracht des spirituellen Ansatzes des Ayurveda dürfen (und müssen!) Produkte und Nahrungsmittel tierischen Ursprungs hinterfragt werden. Denn sie sind längst nicht mehr so sattvisch, wie zu den Zeiten, als die ayurvedischen Schriften verfasst wurden. Und was nicht sattvisch ist, ist bei regelmäßigem Konsum schädlich für Körper und Geist. Also: Im Ayurveda darfst dz selbst aussuchen, ob du ganz auf Tierprodukte verzichtest oder nicht, denn solange du die ayurvedischen Prinzipien der Ernährung beherzigst, steht einer gesunden Ernährung sowie ayurvedischen Kuren und Anwendungen nichts im Weg. Ayurveda ist im Ursprung zwar nicht vegan, aber auf jeden Fall kann Ayurveda auch vegan!